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Der Israelit · 1900-05-03 · Heft 36 (3.5.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 36 (3.5.1900)
Date
1900-05-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Feuilleton Wcrch einer wahren Wegevenheit. 21] Von Friedrich Rott. Der Verwalter bejahte mit zustimmender Ver- Neigung, zu sprechen war er nicht im Stande. „Sie werden das Mama geben — wenn — wenn — Und noch eins — verrathen Sie Elsa's Aufenthalt nicht — sonst — sonst —" Eben trat die Baronin wieder in das Zimmer, das jetzt ruhige Kind an der Hand führend. Sie war noch auffallend bleich, aber ihre Mutterliebe hatte doch bereits ein Lächeln erzwungen, das den todtkranken Sohn täuschen sollte. Sie ließ sich auf dem Seffel dicht a:n Bette nieder, indem sie das Kind dem Kranken möglichst nahe brachte. „Nun sage gute Nacht, Elsa, der Herr Baron mutz schlafen." „Gute Nacht, lieber Herr Baron," sagte die Kleine, die Hand des jungen Mannes an ihre Lippen ziehend. „Darf ich morgen wieder kommen? — Ich werde ganz gewiß nicht wieder weinen," fügte sie betheuernd hinzu, „i h weiß ja, daß Sie nur Scherz gemacht haben." „Gewiß darfst Du morgen wieder kommen," erwiderte Hugo, indem er mit seinen durchsichtigen Fingern ihr die golden schimmernden Haare aus der Stirne strich. „Komme nur nicht zu spät," fügte er mit seltsamer Betonung hinzu. „O, ich komme lieber früher," entgegenete sie lachend, „ich werde morgen ganz früh ausstehn und—" „Jetzt mußt Du Dein Plappermäulchen halten und nach Hause gehen," fiel die Baronin ungeduldig ein. Dann aber neigte sie sich rasch und, wie bezwungen von dem Liebreiz des Kindes, berührte sie mit ihren kalten Lippen die klare Kinderstirne. Es war das ein Zeichen unendlicher Mutterliebe, daß die hochgeborene Dame wissentlich ein Judenkind küßte. Die Kleine drückte ihr Mündchen auf die Hand der Dame und flüsterte mit einer gewissen Schüchternheit ihren Gutenachtwunsch. Dann verließ sie an Werners Hand das Zimmer, indem sie dem Kranken nochmals und abermals zunickte. Dieser erwiederte lächelnd ihren Gruß, dann aber sielen ihm die Augen zu. „Der Besuch des Kindes scheint Dich doch angestrengt zu haben," sagte die Baronin besorgt, „es ist zu lebhaft." „D nicht doch, Mama, nicht doch," erwiederte er, indem er ihre Hand ergriff und in der seinen hielt, „ich höre Elsa so gerne plaudern — das tfmt mir wohl — und — und — Du warst so lieb zu ihr — Dank — Dank —" Die Baronin wechselte die Farbe. „Sie ist ein liebliches Kind," sagte sie gepreßt. „Am Ende hättest Du doch nicht gar so viel dagegen, wenn ich sie Dir dereinst als Schwiegertochter zuführen würde," sagte er mit mattem Lächeln. In dem Antlitz der Baronin zuckte es, plötzlich entstürzte ein Strom von Thränen ihren Augen, mit schlecht verhaltenem Schluchzen neigte sie sich und barg das thränenüberfluthete Angesicht in den Polstern des Krankenbettes. Auch in Hugo's Augen schimmerten Thränen, er nahm ihre Hand und drückte sie leise. „Mama," flüsterte er, „liebe Mama —" „Was wünschest Du, mein Herzenskind?" fragte die Mutter, sich hastig aufrichtend und mit nahezu übermenschlicher Gewalt ihre Fasiung wieder erringend. „Soll ich den barmherzigen Bruder hereinrufcn?" „Nein," sagte er leise, indem ihm die Augen wieder z--fielen, „nein —" „Was wünschest Du, Kind, willst Du es mir nicht sagen?" „Nichts — nichts wünsche ich, als Deine Hand -— Deine liebe, liebe Hand —" Sie neigte sich über ihn und drückte mit ihren bebenden Lippen einen Kuß auf seine kalte Stirn, eine Thräne entglitt hierbei ihren Augen. „Nicht weinen — Mama," stammelte er, „bitte — bitte — nicht!" „Ich weine nicht, Kind," enrgegnete sie gepreßt, indem sie mit der rechten Hand liebkosend über seine Stirne fuhr, auf der kalte Tropfen perlten. „Wie Du schwitzest —" fügte sie hinzu und griff nach einem Tuche, die Stirne ihm zu trocknen. Er erwiederte nichts, aber ihre linke Hand, die er zwischen seinen beiden Händen hielt, umklammerte er fester und fester. Eine namenlose Angst zog ihr das Herz zusammen, sie nwllte den Pfleger herbeirufen, wollte zum Arzt schicken, aber sic brachte keinen Laut über ihre Lippen — und fort konnte sie nicht, unmöglich, er hielt ihre Hand zu fest — Plötzlich schien er sich aufrichtcn zu wollen.- „Mama!" murmelte er, „Mama!" Sie schlang ihren rechten Arm um seinen Hals und zog seinen Kopf an ihre Brust. „Was denn, mein Herzenskind — was möchtest Du?" Einige unartikulirte Laute entglitten seinen Lippen, sie glaubte den Namen seines Lieblings zu verstehen und schmerzlich zuckte es um ihren Mund. „Sie wird morgen zeitiger zu Dir kommen," sprach sie in beruhigendem Tone, „und kann dann länger bleiben — so lange Du willst — Aber jetzt mußt Du schlafen — das ist unbedingt nothwendig." Er erwiederte nichts, er regte sich nicht, schwer lag sein Kopf auf ihrem rechten Arme, während er ihre linke Hand wie in eisernen Klammern hielt. War er eingeschlafen? — Sie hoffte es und wagte

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