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Der Israelit · 1900-05-03 · Heft 36 (3.5.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 36 (3.5.1900)
Date
1900-05-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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PWWWMWMWWWWsK' 723 Vcr iciifanfJDCi^ at& „Öfter «Hituatmorb" bezeichnet wird nicht unwesentlich ist. Ueber dieses Verbrechen, dessen Alten der nach .Slo nitz entsandte Berliner Kriminattoininissar Wehn genau skndiren soll, schreibt der Grandenzer „Gesellige": Ain Borgen des 22. Januar 1884 fand man die gräßlich vcrstiimmetie Leiche des 14jährigen Knaben Onofrins Ezpbnlla unter einer Brücke außerhalb des Dorfes Sturz (Kr. Pr.-Stargard) nuf der Feldmark des G.ltes Nüßhof. Die Schädetdecke des Erinordeten zeigte tiefe Stichtvunden, der Hals war durchschnitten, der llnterleib durch einen langen Schnitt geöffnet, die inneren Theile entfernt, beide Oberarme der Länge nach ausgeschkitzt, beide Oberschenkel waren kunstgerecht , ausgelöst" und fehlten, die beiden Beine vonr Knie ab lagen neben dem '.Kumpf im Wasser. Der Leichnam war - wie in Könitz der des Winter gänzlich entkleidet, am Fundorte aber ivar - ebenso ivie in Könitz - keine Blutspur zu entdecken. Bis 8 Uhr am Abend des 21. Januar ivar Epbulla, der Sohn eines katholischen Schneideriueisters in Sturz, bei dem Kaufmann Ezapa mit Flaschenspülen beschäftigt gewesen. Die Eltern hatten sein langes Ausbleiben sich vorläufig dainit zu crk ären gesucht, daß er sich unter den Zuschauern einer Hochzeit befände. Ain Nachmittag des 1. Februar ivnrde der Lumpenhändler und Pferdeschlächter Hermann Josephsohn in Sturz wegen des Verdachtes der Thäterscbaft oder mindestens der Mitwissenschaft ain Morde verhaftet und dein Amtsgericht in Preußisch- Siargard zugesührt. Josephsohn wurde verdächtigt, daß er einen großen Haß gegen den .Knaben Czhbnlla gehabt habe, »veil dieser ihni oft „Geschäfte Hintertrieben" habe, zum Beispiel beim Einkauf von Ziegenfellen. Ein 20jähriger Knecht Mankowski bekundete, er habe den Iosephsohn gesehen, wie dieser einen anscheinend sanieren, gefüllten Sack getragen habe, und zwar am Abend des 21. Januar, in der Nähe des Ortes, wo am 22. Januar die verstümmelte Leiche des Czybulla aufgefundkn wurde. Tie auf ihm lastenden Verdachtsmomente hatte Josephsohn noch dadurch wesentlich vertnehrt, daß er versucht hatte, einen Zellennachbarn, der in Kurzem aus dem Gefängniß in Pr.-Stargard entlassen werden sollte, dazu zu bestimmen, zu seiner Familie zu gehen und dieser Winke für den Beweis seines Alibi zu geben. Ter jüdische Kantor und Schächter Mumenbeim in Sturz gerieth auch in Verdacht: es nurde bei ihm Haussuchung gehalten, er konnte aber sein Alibi vollständig Nachweisen. Ferner wurden in Folge einer Anzeige beim Gericht die beiden jüdischen Kausleute Boß. Vater und Sohn, als fluchtverdächtig verhaftet. Die beiden Boß wurden aber bald gegen Kaution frcigelassen. Bei den verschiedenen Haussuchungen war der Fleischermeister Joses Behrendt (katholisch) immer zugegen und hatte sich sehr auffällig benommen und einen großen Eifer gezeigt, irgend einen der jüdischen Einwohner von Sturz in Mordverdacht zu bringen. Mitte Februar wurde im Aufträge der Minister des Innern und der Justiz der Kriminalkommissar Höst aus Berlin ( ein geborener Konitzer) in der Angelegenheit des Neustettiner Synagogenbrandcs und auch dann in der Skurzer Mordsache nach Westpreußen geschickt. Höft's eingehende Ermittelungen führten zur Verhaftung Behrendts, und dieser kam als 'Angeklagter ain 22. April 1885 vor das Schwurgericht in Danzig. Der Spruch der Geschworenen lautete aus Nichtschnldig (wie inan erfuhr, mit sechs gegen sechs Stimmen). Berendt ivurde freigesprochen und sofort aus der Haft entlasten. Er verzog bald nach Amerika, wo er 4876 schon einmal gewesen war. — Das Konitzer Lokalblatt führt Klage über die Schwie riakeiteu welchen die Untersnchungsbehörde gegenüberstehe. Die untersuchungsführenden Beamten werden mit einer Fluth unwahrer Angaben überschwemmt, denen allen nachzugehen, bis sich ihre Unwahrheit herausgestellt hat, allein so viel Arbeit macht, daß die Aussonderung und Verfolgung der wenigen wahren Thatsacheu darunter auf's Empfindlichste leiden muß. Llno Württemberg, 30. April. Wenn Ihr CorresponoeG aus Stuttgart in seinem neulichen Artikel sein Befremden darüber aussprach, daß Herr Kirchenrath Dr. Kroner bei der Bestattung von Aschenresten eines auf seine letztwillige Anordnung hin Verbrannten auf dem Friedhofe eine Trauerrede gehalten hat, so stimmen weite Kreise darüber ein, daß es besser gewesen wäre, wenn Herr Kirchenrath Kroner diesen Schritt, den sie durchaus nicht billigen, unterlassen hätte. Dagegen finden sie es geradezu unverantwortlich, in der Weise, wie es durch den besagten Artikel geschehen ist, die Thätigkeit des so verdienstlichen Mannes zu verdächtigen und zu schmähen, und alle Schichten der israelitischen Bevölkerung mit Ausnahme jener Kreise, die in ihrer feindseligen Gesinnung gegen das überlieferte Judenthum Helle Schadenfreude empfunden haben über die Beschimpfung des Vertheidigers und Förderers des Judenthums in Württemberg, legen entrüstet einmüthig Verwahrung gegen die böswillige und hämische Verunglimpfung eines Mannes ein, der schon viele und bedeutende Proben abgelegt Hai, daß er es mit den Gesetzestreuen Ernst meint und der eine bedeutende Tbätiakeit voll Hingebung und treuem ausdauerndem Fleiße entfaltet, das altüberlieferte Judenthurn im Lande zu beben und zu fördern. Wer im Lande lvohnt oder öfters verkehrt, dem wird die Wandlung nicht entgangen sein, die sich in den religiösen Verbältnissen bis in das entlegenste Dorf vollzogen bat. Unsere Lehrer und Vorsänger sind gewissenbafter geivorden im Unterrichten und im Vorbeten: unsere Sckwchtim nebmen sich mebr in Acht. Die Predigten sind dem Judenthume angemessener und entsprechender geworden. Worüber man ebedem spottete oder verächtlich die Achsel zuckte, das verehrt man heute. Die Sa üler werden mehr zur Beobachtung der Mizivotb onaeeUert. als bisher. Die Anforderungen bei den Prüfungen der Reli aionsl''hrer sind böbere und strengere und die Kandidaten arbeiten mit einer in Württemberg nie üblich ge-

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