Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 36 (3.5.1900)
- Date
- 1900-05-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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M .wu» 722 Aus dem Jahresberichte des Vereins, der nunmehr auf eine vierjährige Thätigkeit zurückblickt. entnehmen wir, daß die Erfolge desselben, besonders im letzten Jahre, außerordentlich große gewesen sind. Fast alle Lehrlinge, Irren Lehrzeit beendet war, sind von ihren Lehrmeistern mit guten, zum Theil mit vorzüglichen Zeugnissen iiber ihre Leistungen und ihr Betragen entlassen worden: im letzten Jahre sind als Gesellen bezw. als Gehilfen aus der Anstalt ausgeschieden: 2 Gärtner, 1 Lederarbeiter, 1 Mechaniker, 1 Schlosser, 1 Schneider, l Taschenuhrgehäusemacher, 1 Tapezierer, 1 Uhrmacher. Siein einziger der früheren Zöglinge ist dem erlernten Handwerke untreu geworden, zum Theil sind sie in hiesigen großen Betrieben mit bestem Erfolge thätig, 2 btsinden sich im Ausland in Stellung, andere sind in der Lehrstelle verblieben. Unter den jetzigen Zöglingen befinden fick ie 3 Maler, Mechaniker, Schlosser und Tischler, je 2 Buchbinder, Lithographen, Maurer, Schneider und Tapezierer, je 1 Ehemigraph, Elektrotechniker, Gärtner, Glaser, Goldarbeiter, Gürtler, Kürschner, Lederarbeiter, Maschinenbauer, Rohrleger, Uhrmacher und Zimmerer, im Ganzen 34 Zöglinge. Tie im letzten Jahre infolge einer auch nach außerhalb gerichteten Propaganda eingetretene ungewöhnlich starke Vermehrung der Mitglieder des Vereins — um 201 — hat die Vereinsleitung in den Stand gesetzt, die bisherige Zahl von 30 Zöglingen überschreiten zu können, doch ist damit die Ausdehnungsfähigkeit der Anstalt bei weitem nickt erschöpft, da dieselbe für mehr als 60 Zöglinge Rauiu gewährt. Wenn auch mit Recht in der hocherfreulichen Zunahme der Zahl der Mitglieder ein gleichen dafür erblickt wird, daß verständnisvolle Anerkennung der Vereinsbestrebungen in immer weitere Kreise der Glaubensgenossen eindringt, so ist doch im Interesse des edlen Werkes der Nächstenliebe auf's Lebhafteste wünschen, daß die opferwillige Hilfsbereitschaft, die den Verein bisher begleitet hat, ihm fortan in noch verstärktem Maße zur Seite stehen und somit die Möglichkeit gewähren möge, eine immer größere Zahl von Zöglingen zu tüchtigen, pflichtgetreuen Handwerkern heran,zubilden. In richtiger Erkenntniß, daß für das Handwerk nur körperlich kräftige, intakte Personen geeianet sind, wird durch ärztliche Untersuchung mit unnachsichtlicher Strenge ermittelt, ob bei den Gesuchstellern den Anforderungen entsprochen wird, die unter Berücksichtigung des zu wählenden Berufes in Bezug aus den Gesundheitszustand an die Zöglinge gestellt werden müssen. Eine Ablehnung des Gesuches erfolgt auch regelmäßig, wenn der Petent Ausländer ist. Ir dankenswertster Weise haben die Gemeindebehörde von Pankow und andere Behörden dem Verein fördernd zur Seite gestanden, insbesondere auch das Kuratorium der Ersten Städtischen Handwerkerschule und der Dritten Städtischen Fortbildungsschule, welche ruebrfach Freistellen für die Lehrlinge des Heims gewährten. Der Bestand der Anstaltsbibliothek hat sich um 100 Bücher vermehrt; erwünscht sind insbesondere solche Bücher, die geeignet sind, die Erreichung der Vereins zlvecke unmittelbar zu fördern. Zahlreiche einmalige Zuwendungen sind dem Verein im Berichtsjahre zu Theil geworden, vor allem vou den Familienangehöri geil des verstorbenen großen Philantropen Herrn Adolf Ginsberg, auch das von Herrn Arnold Weiß gegebene Beispiel, Beträge zur Anlage vou Sparkassenbüchern würdiger Zöglinge zu stiften, hat wiederholt Nachah mung gefunden. Frankfurt n. M., .‘IO. April. Es dürfte iveitere Kreise Ihrer Leser interessircn, daß am Samstag, den 30. Juni d. I., Sabbat Korach, der Religionslehrer und Kantor E. M a n n h e i m c r in Okriftel, Kreis Höchst a. M., sein ssOjähriges Amtsjubiläum und zwar — was ja nur zu selten ist auf einer und derselben Stecke wirkend, feiert. Trotz seiner anstrengenden Thätiatcit, er hat außer Okriftel noch die Gemeinden Hattersheim und Hofheiur i. T. als Filialen, erfreut sich der Genannte vorzüglicher Körper- und Geistesfrische. Die Ehefrau desselben ist eine Nichte des verstorbenen Reb Elosor Ortensoser in Höchberg und ist ein Esches chajil, eine Perle jüdischer Frauen. Daß auch die Kinder, zwei von ihnen wirten ebenfalls als Lehrer, zu echten Jehudim heranerzogen tvurden, bedarf wohl keiner Erwähnung. Die einzige Schattenseite, die den Kenner der Situation jüdischer Kultusbeamten bei ähnlichen frohen Gelegenheiten beschleicht, ist die, daß diesem ehrenwerthen Stande keine Pensionsberechtigung oder Reliktenversorgung zugesichert ist, so sie nach dornenvoller, beschwerlicher Laufbahn sich vom Dienste zurückziehen müssen; auch mangelt es den Landgemeinden oft an Intelligenz, an Mitteln und gutem Willen, die treuen, aufopfernden Dienste eines so biederen Schulmannes und Beamten anzuerkennen. Mögen daher die Gönner, Freunde und Bekannten, sv. aber die Kollegen dieses bewährten Lehrerveteranen, dazu beitragen, das seltene Ehrenfest desselben gebührend zu verschönen. Breslau, 30. April. Die entsetzlichen Mordthaten von Könitz und Skurz sind seit Bekanntwerden des am Gvinnastasten Winter verübten Mordes von der öffentlichen Meinung sofort mit einander verglichen worden, wenn auch nur mit dein Hinweis, daß der Skurzer Mord dem von Könitz „ganz ähnlich" gewesen sei. Seit den letzten Tagen haben sich auch die Staatsanwaltschaft in Könitz und der Berliner Kriminalkommissar Wehn rnit den Akten des Skurzer Mordes sehr eingehend beschäftigt; der genannte Kommissar bat auch inzwischen den in die Skurzer Mordangelegenheit verwackelten, jetzt ungefähr 70jährigen Händler Josepbsohn vernommen. Der Mord in Skurz hat sich nickt kurz vor Ostern — wie in vielen Zeitungen und Flugblättern und sonstigen Veröffentlichungen fälschlicher Weise angegeben wird — zugetragen, sondern ist in der Nacht vom 21. zum 22. Januar verübt worden, eine Thatsache, die für die Beurtheilung des Falles —