Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 35 (30.4.1900)
- Date
- 1900-04-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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70' mirfc von Ort zti Ori geführt, itkm dem Vaterherzen, der Gerechtialeit und Herzensgute Etirer Majestät erflehe ich Hilfe! Wenn Eure Majestät die Gnade haben wollten, den Wunsch auszusprechen, daß mir mein Kind tvieder gegeben werde, so erhoffe ich hiervon die einzige Rettung und werde bis an mein Lebensende für das He'i Eurer Majestät beten." Der Kaiser erwiederte hierauf: „Ich bin über die Angelegenheit einigermaßen informirt, werde Mich aber noch iveiter informiren. Die Behörden haben doch das Erforderliche gethan?" Herr Araten entgegnete: „Der Justizminister hat sehr bestimmte Weisungen gegeben, die zugreifende Hand >oird aber vermißt." Der Kaiser fragte sodann Herrn Araten, ob er eine Vermuthung über den gegenwärtigen Aufenthalt seiner Tochter habe, tvorauf Herr Araten entgegnete, er glaube bestimmt, daß sich dieselbe im Lande befinde. Herr Araten fügte tveinend hinzu, daß seine Gattin schwer krank sei und eine ungünstige Antwort, die er nach Hanse brächte, ihren Tod bedeuten tvürde. In tiefer Erregung sank er dem Kaiser zu Füßen. Der .Kaiser forderte ihn auf, sich zu erheben und sagte hierauf huldvoll: „Ich werde neue Weisungen an die Behörden geben, damit dieselben ihre Pflicht und Schuldigkeit thun." E n g l a n d. London. Die hiesige jüdische Armenkommission der Jewish Board os Guardiane hat am 20. März stattgesunden. Die gesammten Einnahm, dieser großen Anstalt beliefen sich aut rund 1,20«>,000 Mk., die Aus gaben noch um 6000 Mk. höher. Sehr charakteristisch für englische Verhältnisse ist, daß von dieser enormen Stimme die regelnAißigen Jahresbeiträge den kleinsten Jheil ausmachen. 1290 Mitglieder zahlen im Ganzen 22,000 Mk. pro Jahr, eine Summe, die für die enormen Ausgaben des Board kaum in's Gewicht fällt. Auch das ist charakteristisch, daß diese Anstalt mit ständigem Deficit arbeitet und nichtsdestoweniger den gesteigerten Preisen der Lebensmittel ete. entsprechend die Beträge ihrer Hilfsleistungen in iebein einzelnen Fall erhöbt, unbekümmert um das steigende Deficit. In dielc'n Jabre ninßten 10,290 Personen in insgefnmint 4219 Fällen unterstütz! werden, tvährend t»ori mm Jahr es noch 4462 Fälle waren. Trotz der steigenden Zahl der Juden in London und trotz der unausge setztei, Einwanderung sinkt die Zahl der Unterstützungssätze von Jahr zn Jahr. Unter der Zahl der Hilfsbedürstigen befanden sich nur 496 Personen, die inEng-!and geboren tvaren, alle anderen tvaren Fremde. In 222 Fällen half der Board zur Allswanderung und in 696 Fällen zur Rüäwanderung in das Heimathland der Hilfsbedürftigen. Von der Baronin Hirsch erhielt der Board ein Legat von drei Millionen Francs, wovon indesten rund 060,099 Akk. Steuer zn zahlen sind, so daß mir 1,220,000 Mt. zur Auszahlung gelangen. In der Generalversammlung legte Mr. B. L. Eohen den Vorsitz, den er seit dreizehn Jahren geführt, nieder und tvurde an seiner Stelle Baron Walter Rothschild ge wählt. SR ti | [ fl ii d. Petcrotilllg. Rabbiner Temkin hat die Regierung bewegen, für die durch die Ueberschwemmungen geschädigten iüdischeu Betvehner in Elisabethgrad, aus der Fleischsteuer 19.OOO Rubel zu beivilligen. Der Unterrichtsnrinister hat die Anordnung getroffen, daß in den jüdischen Schulen die Lehrer keine Mädchen, die Lehrerinnen keine Knaben unterrichten dürfen, eine neue und höchst unnütze Erschwerung des ji-discheu Unierrichtstvesens. — An der Universität von Petersburg sind zur Zeinur 117 jüdische Studenten, das heißt 2,22 pCt. der Gesammtzabl. Im Vorjahre waren es noch 138, d. h. 4,18 pEt. der Gesammtzahl. Trotzdem haben vier Auszeichnungen erhalten, Gregor Landau und Feodor Wolkenstein Goldmedaillen, Salomon Grusenberg, eine Silbermedaille und Alexander Janofsky ein Ebrendivlom. - In Bestarabien dauert das Elend unter der jütischen Bevölkerung noch weiter fort. Die Alliance bat 1°,090 Francs gespendet, und Zadok Kahn, der auch diese Bewilligung bewirkt bat, setzt seine Bemühungen auch noch weiter fort. Aber diese Beträge sind begreiflicherweise ungenügend siir die Roth und die Regiernng tbut nichts. Obwohl die lokalen Autoritäten scho" 400,000 Rubel wir Bertheilung erhalten haben, ist den notbleidenden Juden nicht eine Kopeke dieser großen Somme zugeslosien. Die jüvische Gemeinde hat bei dem Gouverneur von Berditschess petitionirt. um die Bewilligung von 4299 Rubel aus der Fleischsteuer für eine jüdische Mädchenschule, aber der Gouverneur hat die Petenten abschfäa sich he sch ie den. Hier Ivird demnächst eine Delegiertenversammluna der russischen Handtverker stattfinden, zu der auch Delegierte der jüdischen Handwerker aus Charkow komnien worden, um ihr eigenes Interesse zn vertreten. In der Odessaer Stadtbibliothek ist die Nachkraae nach hebräischen Werken so stark, daß die Berivcltung diese Abtheilung vergrößern muß. Der be^ kannte jüdische Schriftsteller Dnbnow ist zu diesem Ztvecke berufen tvvrden. - - In Liban ist tvieder ein skandalöser Fall von religiöser Vergetvaltigung vorgekommen. Den jüdischen Mädchen, tvelche die dortige Schule besuchen, war aufaegeben tvvrden. am Sabbat zu schreiben, und diele', iaen, die sich dieser Vorschrift nicht fügten, waren aus der Schule geivieserr tvvrden. Die Eltern dieser Kinder haben nun an die höchste Instanz, den Senat, apvcllirt. aber dieser hat die Entscheidung der Schulverwaltung bestätigt, so daß jetzt die jüdischen Eltern vor die Wahl aestellt sind, entweder ans die bessere Ausbildtina ihrer Kinder Bericht z» leisten, oder zuzugebev. daß dieselben die religiösen Vorschriften übertreten. - Wie es beißt, bemüht man sich tvieder eifrig, mm Kolonisten für die argentinischen Kolonien zu ge-