Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 35 (30.4.1900)
- Date
- 1900-04-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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705 W Zeitungsnachrichten und Corlespondenzen. Deutschland. Berlin, 24. April. Der „Verein zur Förderung der Interessen der israelitischen Taubstummen in Deutschland" war am Sonntag in Dressels Festsälen zur vierten Jahresversammlung vereinigt. Der Verein, der sich der Unterstützung zahlreicher jüdischer Gemeinden, so der in Nürnberg, Posen, Bromberg, erfreut, erstrebt vor allem die Errichtung eines Heims für altersschwache israelitische Taubstumme und sucht vorläufig einen Baufonds für diesen Zweck zu samineln. F-rankfurt a. '.Vf. Der Einladungsschrift zu der am Samstag den 7. und Sonntag den 8. April stattgefundenen öffentlichen Prüfung der „Israelitischen Reliaionsschule zu Frankfurt a. M." entnehmen wir: Im abgelaufenen Schuljahr wurden in unseren Anstalten 559 Schüler und Schülerinnen (gegen 523 im Vorjahre) unterrichtet. Der Cursus für Schülerinnen ist unverändert fortgeführt worden und war gut besucht. Im Bethhamidrasch, das von 20 Schülern besucht war, wirkten im Vorjahre die Herren Jacob S. Posen, Dr. Grünbaum und Unna, und in der Aorbereitungsschule für den rabbinischen Beruf, die zehn Schüler zählte, die Herren Jacob S. Posen, Dr. Grünbaum und Lipinsky. Herr Rabbiner Dr. Horovitz hat, unterstützt von edlen Gönnern der jüdischen Wissenschaft, einen Theil der in der Genisah zu Kairo aufgefundenen Handschriften erworben. Tausende von Blättern und zahlreiche Binchstiicke von größeren Werken sind da, die, nach einigen bereits näher geprüften Nummern zu schließen, eine große Wichtigkeit für die Erforschung der jüdischen Vergangenheit haben. Herr Rabbiner Dr. Horovitz hat in Uebereinftimmung mit den Herren, die zu den Ankaufskosten so bereitlvillig beigetragen haben, das Ganze der hiesigen Stadtbibliothek mit dem Vorbehalte überlviesen, daß alles, was nach der endgültigen Sichtung de:u halachischen und liturgischen Gebiet angehört, der Bibliothek der Israelitischen Religionsschule gegeben werde. — Wenn unsere Bibliothek in den Besitz dieser Zuwendung und der Berlinerschen Doubletten gelangt sein wird, wird sie eine der bedeutenderen Sammlungen ihrer Art werden. Wir danken den gütigen Spendern von Herzen. Mit dem Wachsen der Bibliothek nehmen aber auch die Ansprüche zu, welche ihre Unterbringung, Ordnung, Instandhaltung und Verwaltung erfordern. Im Februar 1900 machte Herr Louis Runkel zwei Snstungen von je Mk. 2500. Von den Zinsen der einen soll das Schulgeld für arme Kinder bezahlt werden. Die Gegenleistung für die andere ist, daß einstmals für den Spender am Jahrzeittage Licht gebrannt und Kaddisch gesagt werde. Allen Freunden unserer Anstalt drücken wir unsere herzlichste Erkenntlichkeit aus. Im März 1900 kam uns aus dem Nachlaß des Herrn Joseph H. Oppenheimer in Paris, eines geborenen Frankfurters, eine Summe von Mk. 4000 zu. Dem dc Hingeschiedenen Gönner, der sich durch eine große Stipendiensiiftung verewigt hat, werden wir ein dankbares Andenken bewahren. Hannover, 24. April. Der hier stattgehabte „Deutschnationale Handlungsgehilfentag" beschäftigte sich neben anderen Fragen mit einigen Abänderungen seiner Satzungen. Paragraph 6 der Satzungen lautet: „Juden und sich in einem bewußten Gegensatz zum Deutschthum befindende Angehörige können keinerlei Mitgliedsrechte erwerben." Hierzu beantragte Pape- Bcrlin hinter dem Worte „Juden" möge man das Wort „Sozialdemokraten" einfügen. In der Erörterung dieses Antrages erklärte Schack-Hamburg, unter den deutschnationalen Handlungsgehilfen befände sich eine ganze Reihe von Sozialdemokraten; es liege auch durchaus kein Grund vor, Sozialdemokraten zurückzuweisen. Der Pape'sche Antrag wird darauf mit großer Mehrheit abgelehnt. Den Herren Sozialdemokraten unseren innigsten Glückwunsch. Liegniü, 24. April. Kinder dürfen nicht am Religionsunterrichte zweier Konfessionen theilnehmen, auch wenn dies die Eltern ausdrücklich wünschen. Darüber schafft eine Entscheidung der Liegnitzer königlichen Regierung Klarheit. Der Pfarrer von L—g in Niederschlesien hatte in einem Dorfe seines Pfarrsprengels zwei rein katholische Elternvaare, deren Kinder, obwohl sie katholischen Religionsunterricht planmäßig zugewandt erhielten, auch am biblischen Geschichtsunterricht der evangelischen Schule, die sie besuchten, mit Genehmigung ihrer Eltern beigewohnt, welch' letztere einen ibnen vorgelegten Revers zum Ausweis dieses ihres Einverständnisses unterschrieben. Der katholische Pfarrer führte Beschwerde bei der Regierung zu Liegnih, welche sich äußerte, daß die Antheilnahme dieser Kinder am evangelischen Unterrichte in der biblischen Geschichte nur so lange aufrecht zu erhalten war, als sie anderweitigen Religionsunterricht überhaupt nicht erhielten. Selbstverständlich muß die Betheiligung schulpflichtiger Kinder am katholischen und evangelischen Religionsunterrichte zugleich zur Verwirrung führen. Durch diese Erklärung der Eltern wird hieran nichts geändert. Den Eltern steht zwar frei, darüber zu bestimme n, in welcher Religion ihre Kinder erzogen werden sollen, nicht aber, an welchen Fächern des evangelischen oder katholischen Religionsunterrichtes sie Theil zu nehmen haben. Rendsburg, 26. April. Im Interesse unserer Glaubensgenossen, die vor einer Berufswahl für ihre Söhne stehen und denen an der Heilighaltung des Sabbat liegt, bringe ich Nachstehendes zur Kenntniß der Leser des „Israelit:" In Rendsburg in Holstein besteht seit Kurzem eine Fachschule für junge Leute,