Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 34 (26.4.1900)
- Date
- 1900-04-26
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449081--50590-2501023- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Malbim 3× ep/1002711
OCR text
ju ajferit," d. h., das; er es für religiös verboten erklärte. Fleisch von Thieren zu essen, die dieser Schächter geschachtet hatte? Wie durften Sie Rabbi Malbim als Autorität für Ihre Sache nennen, wenn lebende Zeitgenossen berichten, „dieser Schächter sei hauptsächlich darum von R. Malbim „geassert" worden, weil er sich in den Dienst des Vorstandes der nach Rabbi Mecklenburgs Tode zu Reformen geschrittenen Synagogengemeinde gestellt hatte?" Meine Herren, bekennen Sie! Hatte ich Unrecht, wenn ich von geringer Vorsicht sprach? Hatte ich auch mit meiner negativen Begründung so ganz Unrecht, wenn ich hinzusüge, daß die Königsberger Synagogengemeinde nicht ihren Stolz darin gesucht hat, einem so großen, frommen Manne, wie Rabbi Malbim s. A., einen sorgenlosen Lebensabend zu bereiter:, daß vielmehr Rabbi Malbim wenige Jahre vor seinem Tode gegen seinen Willen Königsberg verlaßen mußte und unter traurigen Verhältnissen unstät dem Grabe zuwanderte? Doch, meine Herren, Sie nannten noch einen dritten Gelehrten als Referenz. Da Rabbi Jisroel Salant s. A. keinen „Anstoß nahm" an der Schcchitahordnung der Synagogengemeinde, so durfte auch ich keinen Anstoß nehmen, meinen Sie. Aber kennen Sie denn die Verhältnisse in Ihrer eigenen Gemeinde nicht genau? Wissen Sie denn nicht, daß Rabbi Jisroel Salant gar nicht ein Rabbinatsamt versah, sondern als Privatgelehrter lebte? Welches Mandat hatte er also zu einem offiziellen Vorgehen im Namen irgend einer Gruppe? Womit wollen Sie über die bloße Behauptung hinaus beweisen, dieser fromme gelehrte Mann habe sich in Ritualangelegenheiten mit den Maßnahmen einer Reformgemeinde zufrieden gegeben? Etwa daraus, daß Rabbi Jisroel Salant nur aus dem Fleischgeschäfte Waare bezog, dessen Besitzer Lewinneck s. A. war, ein anerkannter Lamdon, d. h. ein strengreligiöser Mann, mit talmudischer Bildung? Oder daraus, daß Rabbi Jisroel Salant, obwohl Privatgelehrter, „nur auf sich selbst" sich verließ, indem er den Schächter, von dessen Schechitah er genoß, persönlich bis zu seinem Todestage kontrollierte? Meine Herren, wir beneiden Sie wahrlich nicht um den Muth, zu schreiben, noch dazu in gesperrter Schrift: „Wir wiederholen zum Schlüsse dieses Abschnittes ausdrücklich, daß, wenn die Gemeinde als solche erst jetzt die Fürsorge für die gesummte Schechitah übernommen hat, dies für die vorhergegangene Zeit keine Vernachlässigung involvirt. Rabbiner strengster Observanz, wie Mecklenburg, Malbim, Israel Salant s. A. haben niemals an den bestehenden Zuständen irgend welchen Anstoß genommen." In Punkto Schechitah nennen Sie drei große altkonservative Männer als Gegenbeispiele gegen den Rabbiner der Separatgruppe Adaß Jisroel in seinem Verhältnisse zum Reformrabbiner der Synagogengemeinde. Einer dieser Männer sah gar keinen Reformrabbiner neben sich, sondern war selbst Gemeinderabbiner; einer war weder Gruppennoch Gemeinderabbiner; der dritte allein war Gruppenrabbiner und lag wirtlich mit der Synagogengemeinde in heftiger Fehde - wegen der Schechitah. Wie weit müssen die Herren am grünen Tisch der jüdischen Gemeindeverwaltung zu Königsberg von der jüdischen Wahrheit doch bereits entfernt sein, wenn sie wirklich die Stirne, ja man darf geradezu sagen, den Unverstand haben, diese drei erwähnten Koryphäen des orthodoxen Judenthums als ihre Gewährsmänner aus. zugeben! Von diesem Schlage werden sie sich nicht erholen und Iver nur diesen einen Zug in dem Gebühren dieses Vorstandes in seiner ganzen Bedeutsamkeit zu würdigen weiß, der wird sich nicht so sehr darüber wundern, daß die gesetztreuen Mitglieder der Königsberger Gemeinde ausgetreten, als vielmehr darüber, daß sie so lange in einem solchen Verbände geblieben sind. Ob der Königsberger Vorstand diesen Brief beantworten wird oder nicht, und wie er ihn auch immer beantworten möge, wer den Gemeindefrieden daselbst gebrochen hat, darüber kann heute auf keiner Seite mehr ein Zweifel walten. Zeitungsttachrichterr und Korrespondenzen. Deutschland. Hamburg, im April. Am Sonntag den 8. April d. I. fand im Vereinsbureau, Wexpassage 28, die diesjährige ordentliche Generalversammlung des israelit. Stellenvermittelungsvereins zu Hamburg statt. Der Vorsitzende, Herr Julius Rosen st ock, eröffnete dieselbe 2V-> Uhr Nachmittags, unter ungefährer Mittheilung folgenden Berichtes: Wenngleich wir, wie weiter durch Zahlen belegt wird, eine langsame Fortentwickelung des Vereins, sowie Resultate, die der aufgewandten Mühe einigermaßen entsprechen, constatiren können, so ist dennoch der Verein noch weit entfernt von dem Ziele, welches er bei seiner Gründung erstrebt hat und den Resultaten, die erreicht werden könnten. Die Ursachen liegen in dem leider zu geringen Interesse, welches allen denjenigen Institutionen und Vereinen entgegen gebracht wird, welche die Erhaltung unserer rvttc speziell des rcty aus ihre Fahnen geschrieben haben. Welcher Jndifferentismus macht sich in erster Reihe dadurch bemerkbar, daß die Inhaber der am v"ns> geschlossenen Geschäfte, trotzdem ihnen die Zuweisung junger Leute seitens unseres Vereins durchaus keine Kosten verursacht, die geringe Mühe der Anmeldung einer Vacanz scheuen und sich lieber auf anderen Wegen Gehülfen schaffen, von denen sie oftmals nicht wissen, ob denselben an der Heilighaltung des Sabbat gelegen! Zwar ist die Zahl der bei uns gemeldeten Vacanzen höher, als der sich an uns wendenden Bewerber, doch befinden sich unter ersteren viele Lehrlingsgesuche aus Großstäd-