Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 34 (26.4.1900)
- Date
- 1900-04-26
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449081--50591-2501024- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
pgpigipipy^ uu:,,^.,;W 697 teu, welche selten zu besetzen sind, indem wenige Eltern den auswärtigen Unterhalt ihrer Söhne selbst bestreiten »vollen und können. Aber auch die jungen Leute unterstützen den ihnen unter Umständen nützlichen Verein nicht genügend. Einerseits wendet sich nur ein geringer Bruchtheil Stellensuchender an uns, andererseits scheuen selbst diejenigen jungen Leute, denen wir Stellungen Nachweisen, die Ausgabe des geringen jährlichen Beitrages und versagen durch ihren Austritt dem Verein die nöthigen Mittel, welche zu einem Erfolg versprechenden Arbeiten unbedingt erforderlich sind. Leider fehlt gerade in Hamburg-Altona das nöthige Interesse an unserem Verein, während wir auswärts weit mehr Anerkennung finden und daher auch unsere Erfolge hauptsächlich anderen Städten zu gute kommen. Beispielsweise haben sich in diesem Jahre nur sehr wenige Bewerber um Lehrlingsstellen an uns gewandt, trotzdem viele derselben, unseres Wissens noch Mitte März ohne Stellung waren. Wie gering das Interesse für unsere Bestrebungen am hiesigen Platze ist, beweisen die folgenden Zahlen der Vacanz- und Bewerber-Meldungen in den letzten zwei Geschäftsjahren: Vom ersten April 1898—31. März 1899 waren bei uns gemeldet: Commisvacanzen 160 (wovon nur 8 aus Hamburg-Altona), Lehrlingsvacanzen 100 (wovon nur 13 aus Hamburg-Altona). Diesen 260 Vakanzen standen gegenüber 116 Bewerber (100 Commis und 16 Lehrlinge). Es wurden besetzt Commisvacanzen 27, Lehrlingsvacanzen 19, zus. 46. „Es fanden also 40 pCt. der Bewerber durch uns Stellung." Vom 1. April 1899 bis 31. März 1900 wurden gemeldet: Commisvacanzen 103 (wovon nur 6 aus Hamburg-Altona), Lehrlingsvacanzen 66 (wovon nur 9 aus Hamburg-Altona). Diesen 168 Vacanzen standen gegenüber 108 Bewerber (90 Commis, 18 Lehrlinge). Besetzt wurden Commisvacanzen 32, Lehrlingsvacanzen 10, zus. 42, also wiederum 40 pCt. der Bewerber. Seit Bestehen des Vereins waren gemeldet: Vacanzen 2230, Bewerber 1307. Placirt wurden 460 Be- »vcrber, also ungefähr ein Drittel aller sich an uns wendenden Stellesuchenden, gewiß ein erhebendes Resultat, 460 jungen Leuten Gelegenheit zur Feier des rrep gegeben zu haben. Viel mehr hätte der Verein leisten können, wenn ihn: größere Mittel zur Verfügung ständen und der Vorstand, wie früher, mehr annonciren könnte. Die Ausgaben betrugen: im Jahre 1898—99 Btt. 1166.64, ' 1899—1900 Mk. 1066.30, Summa Mt. 2221.94; denen entgegenftehen Einnahmen im Jahre 1898—1899 Mk. 1128, im Jahre 1899—1900 Mk. 1166.66 (2284.66). Es verbleibt mithin ein Cassasaldo von Mk. 62.72. Der Vorsitzende verlas nunmehr die Namen der edlen Spender, welche bei freudigen Familienfesten Spenden in das ihnen vom Vereinsboten vorgelegte Spendenbuch zeichneten und dankte den freundlichen Gebern, daran die Bitte knüpfend, daß auch die Mitgliederzahl sich vermehren und die regelmäßigen Beiträge besser, als bisher, eingehen möchten, f Nachdem alsdann die zum Zwecke der Eintragung in das Vereinsregister nöthigen Statutenänderungen genehmigt worden, wurden die statutenmäßig ausscheidenden Mitglieder des Vorstandes: Rosenstock, Zuckermann, Flörsheim, Jacobsen, Möller, wiedergewählt. Es wurden in den Vorstand neu gewählt die Herren Arnold Cohn, Israel Meyer und Jonas Strauß. Der Vorsitzende schloß alsdann die Sitzung mit dem Wunsche, dem auch wir uns anschließen: Möge unserem Vereine von allen Denjenigen, denen die Erhaltung der £ Feier in streng-orthodoxem Sinne am Herzen liegt, ein regeres Interesse, als bisher, entgegengebracht werden! Mögen Alle dem Vereinsvorstande die ihnen bekannt werdenden Vacanzen melden, oder zuweisen, »nögen alle Glaubensgenossen dem segensreich wirtenden Vereine als Mitglieder beitreten und ihm durch Spenden bei Festlichkeiten zu weiterem Gedeihen verhelfen! München, 22. April. Wenn auf der antisemitische»» Tingeltangelbühne die Productionen der Localgrößen selbst ihrem mehr als genügsamen Publikum zu abgedroschen sind, so verfällt man nach richtiger Cominödkantenmanier auf den Tric, erprobte Jongleurs von auswärts komrnen zu lassen. In dem hier in Betracht kommenden Falle »var es der Redacteur Schoer vo»n „Deutschen Volksbl." in Wien, welcher über die allerneueste Novität „Die Blutgräuel in Polna" sprach. Nachdein noch Ehremnann Wenng sein Sprüchlein vorgebracht hatte, sollte Discussion stattfinden. Der anwesende Polizei-Kommissar untersagte jedoch die Discussion, so daß die Versaminlung nach dem Berichte der beiden Hetzredner geschlossen werden mußte, — Am 8. Februar 1900 hatte vor dem hiesigen Schöffengerichte, wie s. Zt. in diesen Blättern zu lesen war, die Beleidigungsklage des Herrn Rabbiner Dr. phil. Goldberg in Polna gegen den Antisemiten Wenng den Gegenstand einer Verhandlung gebildet. Das der Klage zu Grunde gelegte Delict war ein von dem Beklagten verfaßter, in Nr. 43 des „Deutsch. Volksbl." vom 22. Oktober 1899 abgedruckter Artikel, in dem mit Bezug auf die in Polna vorgekommene Er- »nordung eines Mädchens der Rabb., Herr Dr. Goldberg, der Theilnahme an diesem Morde beschuldigt »var. Diese Aeußerungen bildeten die Grundlage der Klage, die mit der Verurtheilung des Beklagten zu vierzehn Tagen Gesängniß endete. Die von beiden Theilen eingelegte Berufung wurde als unbegründet verworfen. Hierüber hatte das Kgl. Landgericht München l am 21. April zu befinden gehabt, welches zu dem vorstehend erwähnten Entscheid sich veranlaßt sah.