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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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pp WWW 689 Des Weiteren zeigt die stärkere Vermehrung der Summcit, die wir als Geschenke in diesem Jahre erhielten, daß die Bestrebungen des Vereins allseits in der Gemetnbe immer mehr Anerkennung finden und daß wohl auch die Art und Weise der Unterstützungen, die wir unseren alten und arbeitsunfähigen Brüdern und Schwestern zuwenden konnten, von unseren Gönnern gebilligt werden. Diesen günstigen Umständen gegenüber dürfen wir aber nicht unerwähnt lasten, daß in diesem Jahre imhr Personen ständig unterstützt werden mußten und daß auch die Anforderungen für einmalige Gaben, sow\e für Darlehen sich bedeutend erhöht haben, so daß >vir gezwungen waren, außer der Verwendung der Mitgliederbeiträge noch Mk. 1882.11 den Zinsen und Geschenken zu entnehmen. Bei dem starken Wechsel in der Zahl und der Höhe der Geschenke, die >vir erhalten (dieses Jahr 5936.07 Mark und voriges Jahr nur Mk. 2549.89) und den voraussichtlich wachsenden Anforderungen an den Verein müssen wir immer das Ziel im Auge halten, daß wir unsere Unterstützungen wo möglich nur aus den regelmäßigen Beiträgen bestreiten können und bitten wir Sie daher, bei allen Gelegenheiten unseres Vereins zu gedenken und uns neue Mitlgieder aus der Zahl Jyrer Freunde und Bekannten zuzuführen. Die Unterstützungen bewegten sich als dauernde zwischen Mk. 120 und Mk. 360 pro Jahr — als einmalige zwischen Mk. 10 und Mk. 150 — als Darlehen wurden Mk. 825 gegeben. Der separat verwaltete Fonds zur Erbauung eines Pfründner- und Krankenhauses beträgt Mk. 9760.75. Wenn wir dieses Haus erstehen lasten wollen, dann wird diese Summe auch in Verbindung mit dem großen Legat, das uns zu diesem Zwecke in Aussicht gestellt nuirde, nicht ausreichen. Wir müssen also Alle thätig sein, noch anderweitige derartige Zuwendungen von Gönnern zu erhalten und erheben wir nochmals die Bitte darum. Der Vorstand ist schon jetzt mit verschiedenen israelitischen Pfründner- und Krankenhäusern in Verbindung getreten, um uns eine Uebersicht über Erbauungs- und Verwaltungskosten zu verschaffen. Berlin, 24. April. Die ausgesprochen antisemitische Zeitschrift „Tägl. Rundschau" will die Möglichkeit nicht ausschließen, daß die Antisemiten den Konitzer Mord aus Haß gegen die Juden begangen und „die Umstände der That so eingerichte haben, wie es der populären Vorstellung vom Blutmord entspricht." Merkwürdigerweise haben hiesige Blätter auf dieses eigenartige Geständniß des Antisemitenblattes noch nicht aufmerksam gemacht. Berlin, 23. April. Zur Ergänzung der Mittheilung über das segensreiche Wirken der Chewra Kadischa innerhalb der Adaß Jisroel-Gemeinde gestatten Sie mir noch den Hinweis auf die Thätigkeit des daneben bestehenden Frauenvereins, unter der Leitung der Frau Dr. P e r l i n e r u. der Frau Rabbiner B i b e r f e ld. Wenn man bedenkt, wie schwierig die Ausübung solcher Liebespflichten in einer so großen Stadt wie Berlin ist, so wird man um so geneigter sein, auch diesem Zweige des ncs* bw "icn die gebührende Anerkennung nicht zu versagen. Außerdem wird auch vom Vereine der Wohlthätigteit, namentlich der Waisenpflege, nach Kräften Rechnung getragen und in ächt jüdischer Weise ivn rnv'n geübt. E. R. Kyllburg, 22. April. (Eigenthümliches T e st a m e n t.) Vor etwa 14 Tagen verstarb hier ein alter allein stehender Herr im Alter von 89 Jahren. Er hinterließ ein schönes Vermögen. Eine eigene Familie hatte er nicht; seine Frau ist schon mehrere Jahre todt, doch leben noch zwei von seinen Geschwistern, sowie Bruderkinder hier im Ort. Seine übrigen Geschwister sind alle auswärts verheirathet. Da nun dieser Tage in B'.tburg am Amtsgericht in Gegenwart aller ausgeforderten Verwandten das Testament eröffnet wurde, ivar das Erstaunen allgemein. Wie nun bekannt wird, soll der Verstorbene sein schönes großes Gebäude in der Hochstraße, dicht neben dem Eifelerhof, an die Judengemcinde „zum Zwecke eines Synagogenbaues" vermacht und den übrigen Theil seines Vermögens an zwei auswärtige Neffen vererbt haben. Einer der Letzteren war sein Pathe. Seine hiesigen Verwandten sollen gar nichts erhalten. Der Verstorbene war ein Katholik und soll aus Antipathie gegen den hiesigen Clerus so gehandelt haben. England. Nottingham, ini April. Der letzte Purim hat sich für unsere Gemeinde in einen Tag der Trauer verwandelt: ihr angesehenstes, meistverdientes Mitglied, Herr Jacob Weinberg, ist nach kurzer Krankheit im Alter von siebzig Jahren abberufen worden. Weit über die Bannlinie unserer Stadt, ja unseres Heimathlandes hinaus hat der Name des vortrefflichen Mannes einen ausgezeichneten Klang, und die Kunde von seinem Heimgang wird allüberall, wo die Treue für das altüberlieferte Judenthum, wo die Bewunderung und Anerkennung jüdischer Tugend und Pflichterfüllung noch eine Stätte hat, ein tiefschmerzliches Echo wecken. Gehörte ja der Verblichene zu jenen in unseren Tagen immer seltener werdenden Auserlesenen, welche auf den Höhen des Lebens wandelnd, mit Glücksgütern reich gesegnet, in unerschütterlicher Gewissenhaftigkeit festhalten an den Idealen und Traditionen des altüberlieferten Judenthums, nach seinen Vorschriften und Satzungen ihr ganzes Leben gestalten. Im Jahre 1830 in Hamburg geboren, kam er als Zwanzigjähriger hierher, um ein Zweiggeschäft der Firma Simon May u. Comp, zu begründen, und es gelang seinem Fleiß und seiner Tüchtigkeit, das Handlungshaus zu einem der hervorragendsten, geachtetsten unserer Stadt emporzuheben. Für das Ansehen, das er selbst und seine Firma in merkantilen Kreisen genoß, zeugt die Thatsache, daß ihn die hiesige Handelskammer, eine der bedeutensten Englands, zu ihrem Präsidenten ernannte. Seinem Einfluß ist es zu danken, daß dem im Jahre 1876 er- L

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