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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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690 laffenen besetz über die Sonntagsruhe die Klausel hin. zugefügt wurde, daß die Arbeitgeber, welche an Sabbathen und jüdischen Festtagen feiern, ihre Fabriken am Sonntag in den ersten Morgenstunden offen halten dürfen. Trotz der ausgedehnten Pflichten seines Geschäftsberufes fand der Verblichene doch Muße, sich mehrere Stunden des Tages dem Studium des religiösen Schriftthums, das er wie ein Meister beherrschte, und der Hebung praktischer Wohlthätigkeit, die geradezu eigenartig genannt zu werden verdient, zu widmen. Seiner Hochherzigkeit danken nicht nur die unmittelbaren Mildthätigkeits-Vereine und -Anstalten, sondern alle religiösen Institutionen unserer (Gemeinde kräftigste Förderung und Gedeihen. So war es der Heimgegangene, der aus eigenen Mitteln zwei Mikwaoth errichtete und in Steigerung seiner Opferwilligkeit vor Kurzem der Stadtverwaltung einen namhaften Betrag überwies, damit diese Anstalien dauernd von jeglicher Zahlung für den Wasserbedarf befreit seien. Auch folgender Zug ist für die hochsinnige Art, wie der Entschlafene Wohlthätigkeit übte, kennzeichnend. Vor einigen Jahren sollte ein elternloser jüdischer Knabe, der bereits mehrmals bestraft war, auf Anordnung des Waisenraths auf See geschickt werden, falls sich nicht binnen vierundzwanzig Stunden Jemand fände, der ibn unter seine Fürsorge und Obhut nimmt. Sofort tvar Weinberg dazu bereit, und als man ihm entgegenhielt, daß die Schiffszucht für den Knaben das Heilsamste sei, wehrte er ab mit den Worten: „Nein, wenn der Junge nur einmal am Jom Kippur am Gottesdienst theilnimmt und nur ein einziges Amen sagt, bin ich für alle Mühe und Kosten, die seine Erziehung verursacht, reichlich belohnt." Der hochherzige Mann hatte die Befriedigung, seinen Pflegebefohlenen zu einem tüchtigen Menschen und braven Juden heranwachsen zu seben. Selbstverständlich beschränkte sich seine Gabenfreudigkeit, welche im Stillen geübt, ihm innigste Herzenssache war, nicht auf die Bedürfnisse unserer Gemeinde und unserer Stadt, sondern war mit gleicher Liberalität allen Interessen und Aufgaben der Gesammtjudenheit zugewandt, namentlich den Bildungsstätten, welche dem Thorastudium und der Erziehung seiner Träger, der Rabbiner und Lehrer, gewidmet sind. Zeugniß dessen ist neben zahlreichen anderen Anstalten das Rabinner-Seminar zu Berlin, dem er seit dessen Begründung eine namhafte Jahresleistung zugehen ließ. Dieser reichgesegneten bewundernswerthen Wirksamkeit auf allen Gebieten jüdischer Pflichtbethätigung ist nunmehr durch Gottes unerforschlichen Rathschluß ein Ziel gesetzt, und in gerechtem Schmerze klagen die tiefgebeugten Hinterbliebenen, die ihres Hauses Haupt und Zier in die Gruft sinken sahen. Mögen sie Trost und Aufrichtung schöpfen aus dem Bewußtsein, daß mit ihnen nicht nur unsere Gemeinde, sondern alle diejenigen, die den theuren Toten gekannt, sich verwaist fühlen und ihm ein treues Gedenken inniger Verehrung über das Grab hinaus bewahren werden. Letzte Nachrichten. Könitz, 25. April. Der in der Mordsache verhaftete Wanderbursche Friedrich Klebs scheint mit dem Morde nicht in Verbindung zu stehen und ist mit dem in Krone gesehenen Burschen nicht identisch. Es ist fcsigestellt, daß die von ihm in Schneidemühl versetzte Uhr eine ganz andere Nummer, wie die des ermordeten Winter, hat. Schließlich soll Klebs auch im Monat März in Marienwerder gearbeitet haben. Dagegen kommt eine Meldung, die, falls sie sich bestätigt, in die Affaire Licht bringen dürfte, darnach soll jener beim Bäcker Radtke in Krone a. d. Brahe bettelnde Wanderbursche, hinter dem die Staatsanwaltschaft bereits einen Steckbrief erlassen hat, auf seiner Tour nach Marien Werder zu in einenc Dorfe eine silberne Uhr verkauft haben, die als dem ermordeten Winter gehörig erkannt wurde. Außerdem habe dieser Wanderbursche einen dunklen Krimmerüberzieher getragen, wie ihn der Gymnasiast Winter am Sonntag der That angehabt hat. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat der Oberstaatsanwaltschaft in Marienwerder zur weiteren Verfolgung des Wanderburschen bereits telegraphisch Mittheilung von dem Verkauf der Uhr gemacht. — Die Aussage einer Tischlermeistersfrau, welche den nach Berlin verzogenen hiesigen Einwohner Mathcftö Meyer in unklaren Andeutungen der Mitwissenschaft beschuldigt, fei hier erwähnt. Die Frau will gehört haben, wie in dem Meyer'schen Laden die Tochter des Meyer zu ihrem Vater sagte: „Wenn Du das unterschreibst, und es geschieht, das überlebe ich nicht." Ebenso behaupten zwei Leute, vernommen zu haben, daß die Frau Meyer zu ihrem Manne gesagt habe: „Aber Papa, wenn Du das unterschreibst — es ist ja ein Mord." Frau Meyer soll auch die Tischlersfrau gefragt haben, ob sie den jungen Winter kenne, und als dies bejaht wurde, die Aeußerung gethan haben: „Ach, es wäre doch gut, wenn die Eltern den Sohn vom Gymnasium nehmen möchten!" Alle diese Aussagen bestreitet die Famiue Mever unter Eid, dem nun die ebenfalls abgegebencn Eioe der genannten drei Zeugen gegenüberstehen. Inwieweit M. selbst in der Lage ist, über diese mysteriöse Geschichte und ein eventuelles Mißverständnis; Aufklärung zu geben, wird seine angeordnete Vernehmung ja wohl ergeben. as Erste Jahres-Supplement zu MeyerS Konversations Lexikon Meyers Konversations-Lexikon besitzt vor allen Werken dieser Art den unbeschrittenen Vorzug, daß es alljährig eine Verjüngung erfahrt. sozusagen einen neuen Sproß treibt, der es vor dem Veralten schützt. Es ist keine Frage, daß hierdurch jedem Besitzer des Lexikons die Freude an seinem wertvollen Besitz wesentlich dauerhafter gemacht, ja bis zum Erscheinen einer neuen Auflage vollkommen gewährleistet wird. Pünktlich in Jahresfrist nach Abschluß der fünften Auflage des Riesenwerkes ist soeben das „Erste Jahres-Supplement" erschienen, der 19. Band in der ganzen Reihe. Man darf kühn behaupten: dieses Meyerische Jahres- Supplement ist eine unerschöpfliche Fundgrube der Belehrung auf allen Gebieten der vielgestaltigen Gegenwart. Dazu ist die Kunst des Zeichners u. Malers aufs auögtebigsie diesem Zwecke dienstbar gemacht: nicht weniger als 622

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