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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 10)
Language
German
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68s der Helfer bei dem Mord gefunden worden ist. Ueber den Handwerlsburschen, der stark verdächtigt ist, selbst den Mord begangen zu haben, schreiben sie wenig, der Handwerksbursche scheint doch kein Jude zu sein, er paßt also nicht in ihren Kram, und wo sie seiner erwähnen, kommt das Bedenken zum Vorschein, daß der starte Zimmermannsgeselle den Mord unmöglich ausgefühU haben könne, was sie ohne Weiteres von dem schwachen, alten Juden annehmen zu können glauben. So wird es gemacht, und so wird weiter gelogen, geschwindelt und das Volk zum Aufruhr verleitet. Wie gesagt, gewaltig ist der Schaden, den jüdische Kaufleute erlitten, aber sie bedenken nicht, daß auch die christlichen Bürger geschädigt werden, denn viele sonst ruhige Bürger machen sich Beleidigungen und Mißhandlungen schuldig, wofür sie bestraft werden müssen. Bestialisch ist die That, aber weil sie es ist, weil die Spuren so sorgsam verhüllt, so ist gerade das ein Beweis, daß ein Jude, ganz abgesehen von der wahnsinnigen Beschuldigung des Ritual-Mordes, an diesem Morde nicht betheiligt sein kann. Wo haben wir in der ganzen Geschichte einen Beweis, daß jemals ein Jude einen muthwilligen Mord begangen hat, und wenn sich an dem betreffenden Tage ein Jude in der Nähe des Thatortes gezeigt hätte, hätte sich nicht sicher ein Zeuge gefunden, um diesen oder jenen Juden zu verdächtigen? Der Verdacht, der ausgesprochen wird, lenkt sich immer mehr auf einen Moment des Mordes, den sog. Schächtschnitt, der merkwürdiger Weise auch von gutgesinnten Blättern wiederholt ausgesprochen wurde. Von Anatomen wird in diesem Falle in Abrede gestellt, daß hier ein Schächtschnitt ausgeführt wurde, aber selbst wenn der junge Mensch in dieser Weise um's Leben gekommen, was ist damit bewiesen? Durch einen Schächtschnitt werden die Thiere nach jüdischem Ritus bekanntlich geschlachtet und jeder Schlächter-Lehrling ist im Stande, diesen Schnitt auszufllhren. Durch die bis zum Ekel wiederholte Beschreibung der „Staatsbürger-Zeitung" ist jetzt jeder Redacteur, jeder Reporter, ja selbst jeder Setzer im Stande, den Schächtschnitt nach allen Regeln der Kunst auszuführen. Was noch werden wird, wer soll es wissen? Wir können nur hoffen, daß es der Polizei bald gelingen möge, den Mörder zu eruieren. Der Hüter Israels aber, er schläft und schlummert nicht, er wird unsere Glaubensgenossen in Westpreußen aus dieser Gesere erretten. L. W. — In der Mordangelegenheit ist eine wichtige Verhaftung erfolgt. In Krone a. d. Vrahe hatte sich ein Handwerksbursche dadurch verdächtig gemacht, daß er den Mühlenbesitzer Radke um einen reinen Kragen bat, den er gegen seinen blutbefleckten vertauschte. Ferner erscbien es verdächtig, daß der Handwerksbursche über einenr sehr schäbigen Anzug einen schwarzen Ueberzieher trug und einen ziemlich großen Koffer mit sich führte. Es besteht der dringende Verdacht, daß der Paletot derjenige des ermordeten Gymnasiasten Winter ist. Die Behörden ermittelten, daß der Handwerksbursche der Böttcher Friedrich Klebs aus Ellerwalde fei, und die Staatsanwaltschaft erließ einen Steckbrief gegen ihn, der raschen Erfolg hatte, denn die Verhaftung des Verdächtigen gelang in der im Kreise Gerdauen gelegenen Stadt Bartenstein. — Der Vorstand der israelitischen Gemeinde K o n i tz hat sich an die Regierung mit der Bitte um Schutz gegen die allabendlich sich wiederholenden Excesse gegen die jüdische Bevölkerung gewandt. — Die aus Anlaß des Konitzer Mordes in Nach, barorten jener Stadt vorgekommenen Ausschreitungen gegen Staatsbürger jüdischen Glaubens haben, wie die „Berl. Korr." meldet, den Minister des Innern veran laßt, einen seiner Vortragenden Räthe, den Geheimen Oberregierungsrath Maubach, nach Könitz u. Schochau mit der Vollmacht zu entsenden, im Namen des Mini sters die geeigneten Anordnungen zu treffen, insbesondere im Bedarfsfälle eine Verstärkung der Sicherheit^ organe zu bewirken. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz. Dem 47. Jahresberichte des Vorstandes des „Vereins zur Unterstützung und Erziehung mittelloser Waisen der israelitischen Religionsgemeinde zu Mainz" entnehmen wir: Die Zahl unserer Pfleglinge betrug 32 und können wir zu unserer Genugthuung mittheilen, daß sowohl nach unseren eigenen Wahrnehmungen, wie auf Grund des Berichtes des uns so wirksam unterstützenden verehrlichen Damenpflegschaftsrathes, wir im Allgemeinen mit der Entwickelung der Kinder in körperlicher, wie geistiger Beziehung zufrieden sein können. Die Verpflegungstosten betrugen Mk. 6426.60, an Geschenken und Vermächtnissen gingen Mk. 4396 ein und sprechen wir allen mildthätigen Gönnern und geehrten Mitgliedern nochmals unsern wärmsten Dank hierfür aus und hoffen, auch weiter auf deren thatkräftige Unterstützung rechnen zu dürfen. Wir können aber nicht unerwähnt lassen, daß im Laufe des Jahres die Zahl unserer Mitglieder durck Ableben und Wegzug erheblichen Rückgang erfahren und bitten wir Sie, in Ihren Kreisen zu weiterem Beitritt anzuregen, damit unser so segensreich wirkender Verein sich immer weiter entfalten kann und auch in Zukunft allen Anforderungen zur Förderung seines edlen Zweckes gewachsen sei. Mainz. Dem Rechenschaftsbericht des „Israelitischen Hilfsvereins in Mainz, über seine Wirksamkeit im Jahre 4899, entnehmen wir: Das abgelaufene Vereinsjahr hat sich insofern günstig für uns gezeigt, als die Mitgliederzahl sich um 24 vermehrt hat. Sie beträgt jetzt 376, da wir das Glück hatten, 30 neue Mitglieder zu erwerben, wogegen wir durch Tod oder Wegzug leider 6 verloren haben.

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