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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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683 dessen baldige Leistungsfähigkeit und Aetivirung zu er möglichen. S cf) w e i z. Genf. lD r c y f u s in d e r S ch w e i z.) Der ehemalige Artilleriehauptmann Alfred Dreyfus ist mit dem Lyoner Schnellzuge, von Earpentras lommend, hier eingetroffen. Dreyfus ist sehr gealtert, er trägt schneeweißes Haar und gebt gebeugt. Am Bahnhof wurde er von Niemand erkannt. Sein einziger Begleiter war sein Neffe. Er wurde nur von zwei Herren. Bernhard und Cramer. welche ihm eine Billa gemiethet hatten, bei seiner Ankunft daselbst erwartet. Nachdem die Zollwächter sein Gepäck revidirt hatten, bestieg Dreyfus mit seinem Neffen und den genannten beiden Herren einen Zweispänner und fuhr durch die Stadt nach Eolognh zu der der Familie Tnrrettini gehörigen Billa Hanterive, wo er den Sommer über zu verbleiben gedenkt. Bald darauf traf auch Frau Dreyfus, vom Schriftsteller Albin Balabregue begleitet, in Cologny ein. -> Dersonaüen. Mainz, 18. April. Der älteste Jude von Mainz, Herr Salomon Metzler, ist dieser Tage hier im 94. Lebensjahre gestorben. Er war ein sehr frommer und braver Mann und hat noch vor Pesach seine Tochter gebeten, nur sorgfältig alle Vorbereitungen zum Pesach feste zu treffen. In seiner Jugend betrieb er eine Metzgerei und zählte mit seinen zwei Brüdern zu den kräftigsten Leuten der Stadt. Vor einigen Jahren machte er noch inehrmals Vergnügungsreisen zu seinen in Amerika wobneuden Kindern. Wien, 8. April. Heute wurde hier Frau Katharina B r ü l l zu Grabe getragen, eine Frau, die es redlich verdient, daß an dieser Stelle ihrer Erwähnung getban werde. Als Tochter des berühmten Rabbiners Horwitz von Wien beirathete sie 1846 nach Preßburg den später rühmlichst bekannten Chaim Brüll, an dessen Seite sie viele Jahre lang Woblthätigkeit im tvahren und vollsten Sinne des Wortes übte. Letzterer war Gründer und langjähriger Borsteber der größten Preßburger Wohlthätigkeits-Jnstitutionen, so der Chewrath Thoras Ehesed zur Unterstützung armer Thorabeflissencn, ferner der Chewrath Bachurim zur Beköstigung bedürftiger Talmudjünger der Preßburger Jeschibah, w-elche später von seinem leider attzufriih Heimgegangenen Sohne David Brüll weiter ausgebaut und gepflegt wurden und der Preßburger Gemeinde heute noch zum Segen gereichen. Im größten Stile wurde auch im Hause selbst Woblthätigkeit und Gastfreundschaft geübt und hier war es namentlich die Verstorbene, die ihrem Gatten und später ihrem Sohne bei diesem edlen Werke der Nächstenliebe mit vollster Hingebung gssistirte. Sie war ferner ausgezeichnet durch reiche edle Eigenschaften des Herzens und des Geistes, durch wahre aufrichtige Frömmigkeit, tadellosen Charakter und eine Selbstlosigkeit sondergleichen. Jeder, der sie gekannt, lui rb ihr ein ehrendes Andenken bewahren. Piclitz. Die Wissenschaft des Judenthums hat einen großen, ja unersetzlichen Verlust erlitten. Am 24. v. Alts, ist nach längerem Leiden Hierselbst Herr S. I. H a l b e r st a m rn im 68. Lebensjahre gestorben. Von Berus Kaufmann, hat der Dahingegangene, der aus einer alten Gelehrtenfamilie Krakaus stammte, schon in jungen Jahren mit der Sammlung einer Bibliothek begonnen, die mit der Zeit zu einem rechten Archiv der Wissenschaft des Judenthums geworden war. Die seltenen Schätze dieser großartigen Bibliothek stellte er Jedermann mit einer Liberalität ohnegleichen zur Verfügung, aber er selbst hat wohl diese Bibliothek am fleißigsten benützt. So erwarb er sich eine geradezu phänomenale Kenntniß der jüdischen L'ittevahir des Mittelalters, ein Wissen, das in seinen gelehrten Editionen von philosophischen und exegetischen Werken Abrabam ibn Esras, Hillels aus Verona, Jomtobs ben Abrabam und des Jehuda Barzilai, sowie in zahlreichen, wissenschaftlichen Aufsätzen für alle gelehrten Zeitschriften auf diesem Gebiete seit mehr als einem halben Jahrhundert, und in einer imponierenden Fülle von Beiträgen, Anmerkungen, Ergänzungen und Berichtigungen zu den Werken und Katalogen anderer, noch lange nicht erschöpfend zum Ausdrucke kam. Es sind in den letzten 50 Jahren nur wenige wissenschaftliche Werke über die hebräische Litteratur des Mittelalters erschienen, zu denen Halberstamm nicht sein Scherflein beigesteuert hatte. Jeder Forscher auf diesem Gebiete wandte sich an ihn mit seinen Fragen und Zweifeln und konnte sicher sein, eine ebenso befriedigende wie liebenswürdige Antwort zu erhalten. Auch als er sich von den Schätzen seiner Bibliothek und Handschriften trennen mußte, setzte er seine Studien und Arbeiten mit unvermindertem Eifer bis in seine letzten Lebenslage fort. S. I. Halberstamm loar aber nicht nur ein lvahrhaft edler Mensch, sondern auch ein lauterer Charakter, eine vornehme, echt humane Natur, der nichts Menschliches fern lag und die keine Schicksalsschläge zu bei gen verniochte. Er war eine jener immer seltener werdenden Ersmeinungen, wie sie eigentlich nur die Geschichte des Judentbums Hervorbringen konnte. Sein Name wird »uvergcssen bleiben und sein Andenken wird mit Ehren sartleben in der Geschichte der jüdischen Wissenschaft, dir er während seines arbeitsreichen Lebens mit so aratzeu Schätzen bereichert hat. Worms Be der hiesigen Briickeneiniveihung waren der eilte evangelische nnd der erste kaholisckie Geistliche ge laden, ebenso Rabb Dr. Stein und zwar vom Minineiium. 9Iuift bei dem Gastmahl. das die Stadt dein Groyherzoge und seinen Gästen gegeben, war Dr Stein geladen. Zeppenheim. Tie hiesige neuebaute Synagoge geht ihrer Vollendung entgegen, doch soll dieselbe erst eingetveiht

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