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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1 \ r 661 »er Regierungszeitung solche Anschauung über den Ritualn.ord findet, so ist doch leider unsere Zeit so in der Reaction, daß wir jede derartige Aeußerung von maßgebender Stelle konstatiren müssen. Danzig. Hierselbst fand ein sehr zahlreich besuchter Verbandstag der westpreußischen Synagogengemeinden statt. Nach Erstattung des Jahresberichtes und des Berichtes über die Revision der Religionsschulen in der Provinz wurden zwölf kleineren Gemeinden Beihilfen für den Religionsunterricht im Gesammtbetrage von 3800 Mk. und für das Provinzialwaisenhaus in Greudenz Mk. 1000 bewilligt. Nach Erledigung von Wahlen und sonstigen geschäftlichen Angelegenheiten kamen dann die Vorgänge in Könitz, Baldenburg etc. zur Sprache. Es wurde mitgetheilt, daß der Minister des Innern am 20. d. M. eine Verfügung an den Regie ungspräsidenten in Marienwerder erlassen habe, wonach alle erforderlichen Maßnahmen zum rechtzeitigen und erfolgreichen Einschreiten gegen die Excedenten getroffen werden sollen. Nachdem der Minister dann Abends Nachricht von den Ausschreitungen in Baldenburg erhalten, hat er sofort den Vortragenden Rath, Geheimen Oberregierungsrath Maubach, nach Könitz, Schlochau, Baldenburg etc. gesandt mit der Vollmacht, das Geeignete anzuordnen, insbesondere erforderlichen Falls militärische Hilfe zu requiriren. Herr Geheimrath Dr. Maubach ist noch an demselben Abend abgereisi. Nach eingehender Debatte nahm die Versammlung einstimmig folgende Resolution an: „Die Theilnehmer des heute in Danzig versammelten Gemeindetages des Verbandes der westpreußischen Synagogengemeinden erklären, daß sie ihren bedrängten Glaubensgenossen in Könitz und anderen Orten der Provinz ihre vollste Sympathie entgegenbringen und ihnen alle Zeit mit Rath und That zur Seite stehen werden. Die Versammelten sind aber der Meinung, daß die Widerlegung des Märchens vom Ritualmord für jeden verständigen Menschen überflüssig ist, rathen vielmehr ihren Glaubensgenossen, das Resultat der Untersuchung mit Ruhe und mit Vertrauen in die Unparteilichkeit der Richter und das thatkräftige Vorgehen der Staatsbehörden abzuwarten. Königsdorff - Jastrzemb. (Israelitische K i n d e r h e i l st ä t t e.) Die in dem altbewährten Soolbade Königsdorff-Jastrzemb im Jahre 1890 gegründete Israelitische Kinderheilstätte soll nunmehr am 16. Mai d. I. zum elften Male eröffnet werden. Diese Anstalt, die sich in weiten Kreisen des besten Rufes erfreut, zeichnet sich durch ihre hervorragende Gemeinnützigkeit aus. Nicht armen Kindern allein läßt die Anstalt ihre Wohlthaten zu Theil werden, indem sie dieselben ganz unentgeltlich aufnimmt; ihre Segnungen erstrecken sich auch auf mehr oder weniger bemittelte Kinder, die gegen einen, je nach den Verhältnissen bemessenen Satz, Aufnahme finden. Der Beamte, der Handwerker, der kleine Kaufmann, kurz alle jene Familien, die selbstständig und durch ihre eigene Kraft ihr Haus erhalten, aber doch in Lebensführung und Gewohnheiten eine gewisse Beschränkung sich auferlegen müssen und gar nicht in der Lage wären, ihren kranken Kindern eine Badekur angedeihen zu lassen, empfinden es als eine große Wohlthat, wenn ihren Kindern die Pforten einer gut eingerichteten Heilstätte gastfreundlich sicy öffnen. Das humane Wert wird durch milde Beiträge erhalten und ist der Förderung edler Menschenfreunde würdig. Nähere Auskunft ist der Vorsitzende der Anstalt, Herr Rabbiner Dr. Wilhelm M ü n z in Gleiwitz, zu ertheilen gern bereit. Pasewalk. Herr Dr. E. F i n k e l ist vom Gesaramtvorstande und Repräsentantenkollegium unserer Gemeinde e i n st i m m i g zum Rabbiner gewählt worden. Demselben geht ein sehr guter Ruf voran. In seinen ersten Studienjahren bereits versuchte er sich mit Glück als Korrespondent hebräischer und deutscher Zeitschriften. Nach Beendigung seiner Studien that er sich rühmlich auf verschiedenen Gebieten des jüdischen Lebens hervor. Der jüdische Rede- und Diskutierklub „Graetz" sowie die hebräischen Sprachkurse in Breslau, die auch in anderen Städten Nachahmung gefunden haben, zählen ihn zu ihren Gründern. Außerdem hat er schon als Student in Wort und That eifrig die Kolonisation Palästinas gefördert. Für die Idee, die Juden in größerem Maße der Landwirthschaft zuzuführen, hat er durch Vorträge in verschiedenen Gemeinden des deutschen Reiches erfolgreich gewirkt und sich dadurch die Anerkennung des Kuratoriums der landwirthschaftlichen Schule zu Alem bei Hannover erworben. Seine Bedeutung als Kanzelredner ist von den Gemeinden in Kattowitz und Berlin, wo er wiederholt als Hilfsprediger thätig war, genügend anerkannt worden. Möge es ihm gelingen, in dem neuen Wirkungskreise seine Fähigkeiten weiter zu entfalten und so zum Heile unserer Glaubensgemeinschaft beizutragen. S. G. München, 23. April. Ein Affaire, über welche s. Z. in diesen Blättern berichtet wurde, beschäftigte dieser Tage das hiesige Schöffengericht. Es handelte sich um die Privatklage, welche Herr Dr. Merzbacher wegen Beleidigung gegen die Redacteure Ludwig Wenng vom „Deutschen Volksblatt" und Otto Schoy vom „Bayer. Vaterl." erhoben hatte. Hierbei kam die Frage zur Besprichung, ob auf Anregung des sog. Dreyfuß-Syndikates in Paris durch die „Alliance israel. univers." hier in München Geld gesammelt wurde zu Gunsten des unschuldig Berurtheilten. Wenng und Schoy hatten in ihren Blättern diesbezügliche Behauptungen aufgestellt, wogegen Herr Dr. Merzbacher als Vorstand des hiesigen Verbandes der „Alliance isr." den genannten Blättern Berichtigungen zugehen ließ, welche erwähnte Behauptungen als unwahr bezeichneten. Nun wurde in Nummer 236 des „Bayer. Vaterl." vom 16. Okt. 1899 und in Nr. 42 des „Deutsch. Volksbl." vom gleichen Datum dein Privatkläger öffentlich der Vorwurf der bewußten Unwahrheit, bezw. der Lüge gemacht, indem behauptet wurde, Herr Dr. Merzbacher habe als Vorstand der hiesigen Abtheilung der „Alliance israel." bezüglich der i;. r ■i; 1!! l 3t

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