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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
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680 entsprechend der Offenbarung des Gottesgesetzes auf religiös-geistigem Gebiete. Da ist der Frühling zu Ende, war er ersehnt, gehofft und geahnt, steht in voller Reife du. Auf das geräuschvolle Werden und Wollen ist die Snlle der Vollendung gefolgt. Und ebenso hat das Freihcitswerl, welches das Frühlingsfest uns in materieller Beziehung gebracht hat, seinen Culminationspunkt in der Thatsache erfahren, daß Gott die wahre Freiheit der Menschenseele durch Thora und Sinai, der Freiheit aus den Banden der Sünde und Sinnlichkeit, zu einer allgemein giltigen, dauernden und vollendeten geprägt hat. So hat das Schowuosfest als das durch Gottes Hand dem menschlichen Ringen nach Wahrheit und Klarheit vorgezeichnete Ziel und Ergebniß, einen überirdischen, faft metaphysischen Charakter. Hier ist die menschliche Erkentniß zu Ende, hier setzt die göttliche Offenbarung ein. Was sie uns aber bringt, soll uns nicht unvorbereitet treffen; darum zählen wir die Tage, die den Frühling mit dem Sommer, die Gerstenernte mit der Weizenernte, die Blüthe mit der Vollenreife, das Werden mit der Vollendung verbinden. Und dieses Zählen ist der wahre Gewinn des Menschen, das treffende Bild des menschlichen Lebens, dem es von Natur aus nicht immer eigen ist, zu ernten und zu genießen, sondern dessen Hauptinhalt und einziger Genuß das Streben ist, das Sichdurchdringen, dem dann die göttliche Offenbarung zu Hülfe kommt und den Zielpunkt feststeckt. So verstehen wir auch den sonst räthselhaften Ausspruch des Midrasch: n“?p -itijh r'ift: K”n ba r* L'wß m? “n r. rra bvv daß die Verbindung Abrahams, Israels Ursprung, mit Kanaan, dem Ziele Israels, uns andeuten will, daß das Zählen das Bild des wahrhaft menschlichen Strebens ist, dem dann am Ende das gelobte Land feiner Ahnung und Sehnsucht entgegenwinkt. Nicht anders, als mit dem Seelenleben des Einzeluienschen, verhält es sich mit dem Seelenleben unseres Vollsganzen. Die für Israel in jener Mitternachtsstunde Aegyptens begonnene Sephira, jener damals angebrochene Frühling, währt heute noch fort. Doch so gewiß wir die vollste Schärfe aller Frühlingsstürme erfahren haben, deren wir namentlich in den Sephiratagen gedenken, die Niedermetzelung von Akiba's Jüngern, die Gräuelthaten der Kreuzzügler, die Leiden der alten Gemeinden am Rhein, die Grausamkeiten des Kosakenbetmanns, so gewiß geht auch Israel seinem Sommer, der heilsamen Stille seiner erfüllten Miffion entgegen. Unsere Weizenernte, bis zu der wir zu „zählen, das heißt an unserer Fortentwickelung zu arbeiten," Grund genug haben, liegt in der Erfüllung des Prophetenwortes.- cm '-r na nvn p.>o Tirrßv Diese zwiefache segensreiche Wirkung der Omerzählung, das Verständniß des Lebensinhalts des einzelnen Israeliten, wie auch die Erkenntniß des Berufes und der Berufung Gesammtisraels haben unfern Alten uns schon erschlossen im Hinweis auf die Gegenüberstellung des nb'tbib'w und des gottgeweihten vrßi-v ‘x*iDiy« So hat das Gesetz der Omerzählung für unsere Zeit namentlich den hohen sittlichen Zweck, uns symbolisch vor Augen zu führen, daß ein stetes Zählen, ein Vorwärtsschreiten des Menschen Pflicht ist, daß ein Siehenbleiben einem Rückgänge gleichkommt und daß dcw Leben nur ein vorbereitendes Streben ist, nach der gottgeosfenbarten Wahrheit. Dr. R. F., Wien. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 20. April. Vom kaiserlichen Postamt 3 erhalten wir unter obigem Datum folgende Zuschrift: Die Ursache der verspäteten Aushändigung einer Anzahl Kreuzbandsendungen mit der Zeitung „Der Israelit" nach Orten in der Provinz Posen bez. nach Berlin, hat durch die eingeleiteten Nachforschungen nicht festgestellt werden können. Es ist aber anzunehmen, daß das Bund, in welches diese Sendungen von hier ausgenommen waren, bei einer unbekannt gebliebenen Durchgangsstelle während des damals vorherrschenden regen Drucksachenverkehrs gelagert hat. Das Postamt spricht sein Bedauern über die entstandene Verzögerung aus und gibt anheim, etwa auch fernerhin eingehende Beschwerden zur Verfolgung hierher anzeigen zu wollen. Die vorgelegten 9 Postkarten lverden beiliegend zurückgesandt. I. V.:Zott. An die Expedition der Zeitung „Der Israelit" hier. Berlin, 24. April. Die „Nordd. Allgem. Ztg.," betanntlich das Sprachrohr der Regierung, bringt eine Besprechung des Buches von Prof. Strack, „Das Blut im Glauben und Aberglauben der Menschheit." Diese Rercnsion hat aber mehr als blos litterarisches Interesse, denn sie beschäftigt sich speziell mit dem Ritualmord und sieht das Verdienst des Buches darin, daß es diewn thörichten und wahnwitzigen Vorurtheilen die Wurzel ausreißen will. Der Glaube an den Ritualmord erscheint dem Recensenten eine pathologische Verirrung und zum Schlich zitirt die Zeitung die Worte Strack's: „Die Gesch/chre zeigt, daß gleichartige Beschuldigungen wiederholt eine furchtbare Waffe gegen Unschuldige gewesen sind. Die Christen des zweiten und dritten Jahrhunderts haben unter ihnen schwer gelitten, die Feier des heil. Abendmahles, das Sprechen vorn Genießen des Leibes und Blutes des Herrn bot einen Anknüpfungspunkt. Leider haben die Christen die einst gegen sie gerichtete Verleumdung, nachdem die christliche Religion zur Herrschaft gelangt war, gegen Andere gerichtet; zuerst gegen die Montanisten, im späteren Mittelalter gegen Ketzer und seit dem 13. Jahrhundert gegen die Juden." So gewiß es auch sein müßte, daß man in ei-

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