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Der Israelit · 1900-04-26 · Heft 34 (26.4.1900) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 34 (26.4.1900)
Date
1900-04-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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_41. Jahrgang. Jfe Der Israelit. Ein Kentrat-Hrgan für das orthodoxe IudenIHum. Begründet von Dr. fe^ntattn in Utaini Donnerstag, den 2« April 3b6v (ISstv). ungenutzt in Ermattung und Erschlaffung ausschwingen zu lassen. Für 3wei Mavkl flbounlrt man bei allen Postanstalten für die Monaie G Mai u. Juni © aus den Tiefer Preis tritt aber nur ein bei Abonnements, welche rechtzeiiig am Post Zeitungsschalter des Wohnsitzes deS Bestellers oder bei dem betreffenden Landbrieftrager aufgegeben werden. Ausland entsprechend höher. Die Erprüition des „Israelit". Leitender Artikel. Kmkr-HkösnKen. Unter den verschiedenen Festen des Jahres üben sonderbarer Weise diejenigen, welchen geschichtliche Ereignisse zu Grunde liegen, eine nachhaltigere Wirkung auf das Gemüth des Israeliten aus, als jene Feste, welche das Verhältniß des Menschen zu Gott uns in Erinnerung bringen sollen. Zeugt dies auch einerseits von dem hohen unserem Volke',' gewöhnenden Idealismus, indem nämlich dieses AuU rischen historischer Ereignisse die Tiefe der Volksseele berührt, so ist gerade bei dem Pessachseste andererseits diese Thatsache auch äußerlich gekennzeichnet, indem wir nämlich den Tag der jährlichen Erneuerung der Freiheilsoffenbarung zum Ausgangspunkte einer Zählung, der Omerzählung, machen. Diese Zählung sei, wie die Thora es schon ausdrückt, ein Bindemittel, das auf die nothwendige Zusa.nmengehörigkeit der materiellen Erlösung mit der göttlichen Geistesbefreiung Hinweisen soll, ein Mittel aber auch, um die erhöhte Elasticität der Seele, welche das Frühlingsfest in uns hervorgerufen hat, nicht Frühling ist's geworden. Wieder regt es sich in Feld und Flur, in Wiese und Grund. Die Blüthen werden wieder sichtbar auf Erden und die Stimme der Turtel wird wieder vernommen. Die aus den Fesseln des Winters freigewordene Erde freut sich wieder ihrer Jugendkraft und schafft und wirkt und zeigt, wie sie von ihrer wiedergewonnenen Freiheit Gebrauch zu machen ve> sieht. Allüberall erweckt sie Leben, entwickelt sie Keime, befruchtet das Verdorrte, macht groß das Unscheinbare und weckt das Schlummernde. Und seit das erste Gerstenkorn gereift und von frommer Hand dem Ewigen als Dankesspende geweiht ist. zählt Israel die Tage des Frühlings, die Tage des Werdens, bis zum Tage der allgemeinen Vollreife, da aus allen Knospen Blumen, aus allen Saaten reife Früchte geworden sind. Und wenn nun unsere Weisen die Tage der Omerzählung den fünfzig Jahren, vom zwanzigsten bis zum Alter des Psalmisten, da der Mensch entwickelt und in seiner Vollkraft dasteht, vergleichen, so wollen sie damit nichts anderes sagen, als daß des Menschen Beruf ist, die Ausgestaltung seiner sittlichen Persönlichkeit, das Zählen, ein ewiges Werden, ein Blühen, eine Entwickelung, ein Frühlingssehnen. Und in der That! Bei den Grenzen, die dem menschlichen Schaffen sowohl, wie seiner Glückseligkeit auf Erden gezogen sind, bildet den wahren Lebensinhalt des Menschen lediglich das Streben, das Werden, das Aufwärts und Vorwärts, das „Zählen." Darum betet auch der Psalmdichter: 22^ X'2N jrrn p ire* nwn in der Erkenntniß, daß derjenige ein weises Herz erst sein eigen nennen kann, d. h., daß derjenige das Leben erst versteht, der seine Tage zu zählen weiß, der sie einer, wenn auch endlichen Zahlenreihe gleichsetzt, in welcher immer der folgende Tag eine nächst höhere Zahl bedeutet. Aber das Endziel unserer Omerzählung ist die Zeit der Weizenernte, der Vollreife in der Natur und dem-

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