Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1900)
- Date
- 1900-04-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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WWWWWWWWWWW WWW« 661 fuirt ober Heilbronn die Kosten für Unterhaltung der Anstalt ziemlich große Iverden. Kassier Wolf erstatieie den Rechenschaftsbericht pro 1898 und 1899. Die Reineinnahmen betrugen im ersten Jahre 14,298 Mk., im zweiten 10,602 Mk. Der Gesammtvermögensstand belief sich im Dez. 0. I. auf 61,684 Mk. Vorstand des Vereins ist Kaufmann S p i e g e l t h a l hier. Konik, 1?. April. Ueber die näheren Umstände, unter denen der Kopf des ermordeten Winter gefunden wurde, schreibt man dem „Verl. Tagebk.": Dre> hallnviichsige Jungen, .ein Schreiber, ein Malerlehrling und ein Volksschüler, hatten am Wiesenrande, dicht unter dem Abhange des Stadtparkes, zwischen dem Olarten des Dr. M. und dem Abbau Dunkershagen, in einem Seitengraben der Rieselwiese, die am Äbflußbä.chlein des Mönchssees liegt, auf ihrem Festtagsspaziergang den Kopf des Winter aufgefunden. Auf ihre Meldung war eine Kommission, bestehend aus dem Ersten Staatsanwalt, dem Bürgermeister, einem Amtsgerichtsrath, dein Dr. M., einigen Polizeibeamten, einein Gensdarmen und einigen anderen mehr zufällig hinzugezogcnen Personen, zur Feststellung des Fundes on Ort und Stelle. Der Berliner Kriminalkommissarius ioar auf Urlaub ablvesend. Der Kopf wurde von 1'euoandten des Wiiiter als der des Ermordeten fraglos festgestcllt. Er ioar wieder in braunes Pappapier einaeivickelt. Interessant ist aber, da sich außer dieser Poppe noch ein Stück Zeitungspapier als Hülle gefunden hat. Welcher Zeitung dies angehörte, ist bisher noch nickst festgestellt worden. Der Kopf paßt nach Ansicht d-'s anwesenden Arztes in die Schnittfläche des bereits v^r fünf Wochen im Mönchsee gefundenen Rumpfes. Derselbe ivar deutlich zu erkennen und gut erhalten: jedoch zeigten sich am Hals bereits die ersten Spuren von Fäulnis:, so daß bisher die Ansicht besteht, der Kopf sei auch bald nach der Mordthat, ähnlich lote der auf dem evangelischen Kirchhof gefundene Arm, an dieser entleaencn Stelle versteckt worden. Es muß nämlich für die Möalichkeit einer so späten Auffindung bemerkt werdcr. daß der Kovf mit der Hülle etwas in den Morast versenkt ioar. Die Knaben glaubten zuerst, ein Stück altes Fleisch gefunden zu haben, bis der jüngste derselben, auch toohl angeregt durch die in Aussicht gestellte Velobnuna. ausrief: ..Hier ist ja was von Winter!" Mil dein Ablagen des Mönchsees, das vor wenigen Taoev durch volizeiliche Auordnung lvegen der Winterscheu Mordsache geschehen ist. bängt der Fund nicht zusammen. Der Kopf kann nicht an die Fundstelle in der sgefundenen Lage durch die Strömung etwa eine gute Vierlckmeike lveit getrieben sein. Selbstverständlich wurde aleich Absverruug an der Fundstelle vorgenommen und genau die Umaeaend abgesucht. Es wurde in der Tdat auch ein überraschender Fund gemacht, nämlich ein seines Taschentuch mit dem Buchstaben A. Bei der ''-'rinnen Zuversicht, die mnn ru einer schnellen Auffindung des Mörders jetzt hat. ist man nickt sofort geneiad das Taschentuch mit dem Mord in Verbindung y\ bringen. Immerhin ist aber der Fundort für die Jahreszeit ein recht entlegener, und es verdient jedenfalls auch dieses wenige Schritte von dem Kopf gefundene Taschentuch Beachtung, ebenso wie in noch höherem Maße das Fragment der Zeitung. (Da die Aufregung in Könitz und Umgebung leider noch immer im Wachsen begriffen, so haben wir einen Spezialberichterstatter dorthin entsandt, der in nächster Nummer dss. Bl. seine Beobachtungen mittheilen lvird. Red. d. Jsr.) O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. '-Wien, 19. April. In der heutigen Sitzung des nieder-österreichischen Landtages brachte der Abgeordnete R o s k e folgende interessante Interpellation ein: Als in der Sitzung des Landtages vom 6. April 1900 Abgeordneter Dr. Ofner eine Interpellation einbrachte, in der er darauf hinwies, daß die lügenhafte Blutbeschuldigung gegen die Juden in Bullen einer Reihe von Päpsten als Lüge anerkannt worden sei, rief der Abgeordnete Schneider dazwischen: „Der alte Schwefel! Als ob's nicht auch Päpste gegeben hätte, die Geld gebraucht haben," und als der Statthalter in der Beantwortung dieser Interpellation darauf hinwies, daß das Ritualmordmärchen von den „obersten kirchlichen Autoritäten der römisch-katholischen Kirche" als grundlos erklärt worden sei, veranlaßte dies Herrn Schneider neuerdings zu dem Zwischenrufe: „Gegen Bezahlung!" Durch die Zwischenrufe erklärt Herr Abgeordneter Schneider eine Anzahl von Päpsten und oberste kirchliche Autoritäten als bestechliche Individuen, die um Geldes tvillen falsches Zeugniß abzulegen bereit gewesen wären. Der Landurarschall wird zugeben, daß eine ärgere Verunglimpfung der Päpste und der kirchlichen Autoritäten kaum mehr gedacht tverden kann als die, die durch die erwähnten Zwischenrufe von einem Mitglied einer Partei verübt tvurde, die sich christlich-sozial nennt, verübt unter stillschweigender Duldung der Majorität des Landtages, deren Führer alljährlich zum Papste eine Wallfahrt unternimmt, um ihn seiner und seiner Partei Unterwürfigkeit zu versichern. Wäre diese Huldigung nicht bloß Mittel zum Zweck, sondern Ausfluß einer aufrichtigen katholischen Ueberzeugung, so hätte die christlich-soziale Partei gegenüber den vorerwähnten Zwischenrufen in flammende Entrüstung ausbrechen und solcherart wenigstens ihre Solidarität mit derlei Beschimpfungen ablehnen müssen. Es muß aber auch wundernehmen, daß der der christlich-sozialen Partei so nahestehende Herr Landmarschall kein Wort der Abwehr gefunden hat, als ein Mitglied der Mehrheit den höchsten kirchlichen Autoritäten gegenüber, deren sich die Ehristlich-Sozialen so gern bedienen, wenn es ihren Ztvecken frommt, eine Beschuldigung hintvarf, wie sie der größte Feind dieser Autoritäten nicht ärger hätte ersinnen können. Mit Rücksicht auf den parlamentarischen Anstand, auf dessen Wahrung wohl die höchsten kirchlichen Autoritäten ihnen gegenüber auch dann Anspruch haben, wenn er durch Mitglieder der christlichsozialen Mehrheit des Landtages verletzt wird, erlaube ich mir, an den Landmarschall die Frage zu richten: