Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 32-33 (23.4.1900)
- Date
- 1900-04-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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655 Jugend auch jüdischen Unterricht genossen. Kr hat zuerst hebräische Dichtungen in'S Ungarische übersetzt und sich dadurch einen Namen als Poet erworben. Seit mehreren Jahren ist er auch Professor an der staatlichen Präparandie zu Sarospatal; sein dichterisches Talent verschafft ihm aber immer neue Lorbeeren auch außerhalb seines eigentlichen Wirkungskreises. England. London. Bor Kurzem bat die Weltstadt an der Ifhemse ihre erste Bolksküche bekomiiten. Die Anstalt stcbt unter deui Protertorate der Prinzessin von Wales, welche als ihre Vertreterin in das Komitee die Frau des früheren Lord Mayor Faudel-Philipps entsendet. Diese Dame und Sir Thomas Liptou sind die beiden t bängsten Personen im Komitee, die auch die großen uothivendigeu Geldmittel aufgebracht haben. Lady Faudel Philipps ist es auch gewesen, die sich nach dein Kontinent begab, uni dort die in Betrieb besindlicheii Voltslücheii zu studieren. Sie hat daruui auch die Khrc voll verdient, um als einzige Dame in das Komitee ciutreten zu können. Sprechsaal. Fetzt eben, da der Minister der geistlichen Unter i'üvts uiid ediiiia 1 a11gelegeiibeiteii durch Nundschrei heu an die Negierungen sich über die Lage der jüdischen Lehrer in Preußen informieren will, ergeht an die Kol legen, und besonders au diejenigen in den Landgemein den die Mahnung, ihre Schuldigkeit zu thun und nicht et;va die Hände in den Schoß zu legen. „Wenn es nichts tiiit’t-. so schadet eS ivenigstens auch nichts." Die Kollegen sind doch getviß alle mit den Herren Bürgermeisllru bekannt und könnten nebenbei durch schriftliche Darstell'.'ng der Verhältnisse ihr Scherflein zum all gemeinen Wähle beitragen, im Falle es ihnen nicht inöglich mor, die sechSzebn Fragen zu beantivorten. Es sind ja vornehmlich die Landgemeinden, auf welche die betreffenden Fragen hinzielen. Bon diesen sechs zebn Fragen sind besonders zwei eingehend zu erörtern, d. Ist der hteligionslehrer von der Synagogengemeinde lebeuslänalich oder eitf Kündigung angestellt? Ks muß v-r allem betont werden, daß die Kläglichkeit der Kündigung an. und für sich im höchsten Grade traurig und ungeziemend für einen Beamten ist, da beständig das Da-noklesfelnveri der Entlassung über dem Haupte des Beamten ßhioebt. Tritt nun bei dieser unsicheren Stellung ein svärliches Kinkonnnen hinzu, so fehlt nichts, nur dem Lehrer die Freude am Amte zu vergällen. Die Nokh der Beamten Iväre bei weitem nicht so groß, wenn feste Anstellung ohne Kündigung erreicht und durchgesetzt würde, ks muß namentlich bei dieser Frage um Abstellung dieses Ilniversalübels gebeten werden. Aber nicht allein die Lage der Lehrer, sondern auch die der Gemeinden muß eingehend erörtert werden. Frage 1<;. Ist die Synagvgengemeinde in der Lage, ausreichende Mittel für die Ertheilung des Neligionsunltlrichtes zur Verfügung zu stellen? Es sind leider, und besonders in der jetzigen Zeit, wo die Landbevölkerung unter den Juden ständig abnimmt, viele Gemeinden auf dem Lande, die beim besten Willen nicht mehr aufbringen können. Der Minister soll einen Einblick in die schwere Noth der Gemeinden und ihrer Lehrer erbalten, damit er dem liebet von Grund aus abhelfen kann und einmal etwas Greifbares und Nennenslverthes geschieht; denn die Zustände, wie sie in manchen Gegenden unseres preußischen Paterlandes herrschen. sind in der That unhaltbar. Hoffentlich haben die meisten Kollegen ihre Schuldigkeit in der fraglichen Angelegenheit gethan! A. Seliger, Lehrer in LangenlohnSheim. mttfyfUunsen aus den fiii). Armeunrreineu und für dieselben. <Säm»i1lichc jüd. Wittderbettervere,,e und Aasfett für Durchreisende sind gebeten, uns Mittyeilungen über Erfahrungen die sie auf dem Gebiete ihrer Thätigtcit machen, zukommen zu lasseu ) Insterburg. (W a r n u n g.) Seit Jahren reist ein gcivisser Hermann Stern — in seinen hebr. Zeug nisscn genannt — in ganz Europa umher und gibt sich als Proselyt, t, aus. Seinen Uebertritt im Knabenalter bestätigen die Zeugnisse namhafter Rabbiner nno empfehlen ihn aus'S wärmste. Säinmtliche Zeugnisse sind enttveder gefälscht oder mit Berufung auf die gefälschten Zeugnisse ertheilt worden. Mit Hülfe einiger Herren ans Eydkuhnen, denen er verdächtig vorkain. gelang es, hier den gefährlichen Schwindler zu entlarven. Bei der vorn hiesigen srns angestellten Urrtersuchnng ergab sich, daß jener Stern in Wirtlichkeit ein russischer Jude Namens Grannom Ehrlich, geb. zu Last, Kreis Kalisch, ist, der schon in seiner Jugend die schändlichsten Betrügereien und Fälschungen verübt hat. Ans den bei ihm Vorgefundenen und Briefen seiner Frauen geht hervor, daß er sich fünf Frauen in verschiedenen Ländern nach jüdischem Ritus angetraut, die er biutereinander böswillig verlassen hat, obne die Ehe durch ein Get zu lösen. Wiewohl ihm säinnitliche Zeugnisse abgenommen wurden — darunter auch zwei Zeichnungen für Erfindungen — ist die Möglichkeit rlicht ausgeschlossen, daß er unter irgend einer anderen Fori» neue Schwindeleien verüben wird. Ehrlich ist etlva 3n—4() Jahre alt, von mittlerer Statur. faltigem Gesicht, länglicher, scharfgeschnittener Nase, schwarzem Haupt- und röthlich-blondem Barthaar und trägt eine Brille. Seine Ausdrucksweise ist Jargon von Großpolen, jedoch spricht er auch mehrere fremde Sprachen geläufig. Wer über diesen gefährlichen Hochstabler oder über den jetzigen Aufenthalt seiner Frauen Angaben zu machen weiß, wird gebeten, sich