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Der Israelit · 1900-04-23 · Heft 32-33 (23.4.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 32-33 (23.4.1900)
Date
1900-04-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
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654 flefammlcn erwähnten Gegenstände zurückließen, kann die Verwunderung über die Thatsache nicht beseitigen, ivic es überhaupt möglich sein konnte, solche Dinge auf der Bahn liegen zu lasten. (Jsr. G.-Bl.) O e st er r. -Ungar. Monarchie. Wien, Z8. April. (Enunciation des n. - ö. Statthalters.) Endlich ist ein klares, scharfes, entschiedenes Wort der Staatsregierung erfolgt gegen die fluchwürdige Bluthetze und deren Urheber. Was in Ungarn schon vor zwanzig Jahren geschehen ist, was in Deutschland anläßlich der Xantener Affaire erfolgt ist, dazu hat mcm sich nunmehr auch in Oesterreich entschlossen! Freilich erst, nachdem eine zügellose Agitation, eine Ai spiellose Aufreizung der Bevölkerung unsägliches Unheil heraufbeschworen, nachdem die parlamentarische Tribüne geschändet, die heilige Stätte der Rechtsprechung entweiht, das Ansehen des Staates nach Außen und seine Autorität im Innern schwer geschädigt worden war. Ströme von Thränen des Zornes und des Schmerzes mußten erst fließen, der Aufschrei unschuldig Verfolgter mußte erst gegen Himmel dringen, Leben und Eigenthnnr der treuesten Bürger dieses Reiches mußten erst bedroht werden, ehe das Berdammungsurtheil ausgesprochen wurde über die Frevler und ihre Frevelthat. Es iß ein entschiedenes Wort, das der Statthalter in Beantnwrtung der Interpellation des Abgeordneten Doetor Ofner gesprochen, aber es ist noch kein entscheidendes. Der Statthalter beruft sich auf das Zeugniß der hervorragendsten christlichen Kenner der jüdischen Religion und Litteratur und der obersten kirchlichen Autoritäten, die betheuert haben, daß iveder in der jüdischen Glaubenslehre, noch im jüdischen Schriftenthum der rituelle Ehristenmord irgendwie begründet oder geboten wird. Tie Dinge sind heute leider schon so inert gediehen, daß man die Frage aufwerfen muß. ob die Hetzer und die Verhetzten der Regierung mehr Glauben schenken >ve den, als jenen erleuchteten Päpsten, die gegen die Blutlüge auftraten und deren höchste Autorität Herr Schneider mit dem Zlvischenrufe abzuthun suchte, daß ße ihre menschenfreundlichen Bullen, ebenso wie etwa Hcri Bergani seine Pauschalien-Artikel, gegen Bezahlung niederschrieben. An diesem einzigen Zwischenrufe mag man ermessen, zu welcher Erschütterung nicht des jüdischen, sondern des christlichen Glaubens bereits die Ritualmordhetze geführt hat. Das Ministerium Koerber ist nicht verantlvortlich für die Unterlassungssünden seiner zahlreichen Vorgänger. Wir wissen es ihm Dank und rechnen es ihm zu hohem Verdienste an, daß es nicht gesäumt hat, sein Bedauern über die Ritualmordhetze gerade an jener Stelle auszusprechen, wo durch die unverantwortliche Pflichtvergessenheit des Landmarschalls vor wenigen Tagen erst der brutalste und niedrigste aller Angriffe gegen die Juden erfolgt ist. Die optimistische Auffassung der Regierung freilich, daß die fortschreitende Aufklärung der Wirkung derartiger Wühlereien ein Ziel setzen inerbe, können wir nicht theilen. In unserm lieben Oesterreich schreitet nicht die Aufklärung, sondern die Finsterniß, nicht die Erleuchtung der Geister, sondern ihre Verdummung vorwärts, und fürwahr, man müßte lange warten, wenn man von dem freien und natürlichen Spiel der Kräfte allein den Sieg der Vernunft und der Menschlichkeit erhoffen lvollte. Das scheint auch die Regierung zu fühlen, den sie ist der Aufforderung des Abgeord. Dr. Ofner, die Ausstreuer solcher Gerüchte zur Verantwortung zu ziehen, wenigstens formell nicht aus dem Wege gegangen. Daß sie die Verpflichtung zu solcher Verfolgung anerkennt, daß sie zugibt, über gesetzliche Repressionen gegen die Hetzer zu verfügen, geht aus den Worten des Statthalters hervor. Mit sehr verstände licher Anspielung auf jene erbärmlichen Feiglinge, die da? Gewerbe der Verhetzung unter dem sicheren Schutze der Immunität betreiben, bedauert sie, daß durch die geltenden Gesetze der Verfolgung dieser Leute gewisse Grenzen gesteckt sind. Diese Grenzen bestehen thatsäch lich, soiveit cs sich um Aeuszerungeu in der parlamentarischen Körperschaft handelt. Aber gerade an dieser Stelle vermissen wir - und diesmal ist das Bedauern aus unserer Seite! —- ein Wort der Zurückiveisung oder Zurechtweisung gegen jenen Mißbrauch der parlamentarischen Amtsgewalt, deren sich der Landmarschall von Riederösserreich mit der Zulassung des Antrages Schneider und auch früher schon mit der Duldung feige'- Beschimpfungen gegen die Juden schuldig gemacht hat. Es hätte das Getvicht der Regierungserklärung wesentlich erhöht, wenn diesem blinden Werkzeuge der rlerital-antisemitischen Majorität die Augen über den Umfang seiner Befugnisse geöffnet lvorden wären. Das ist ein empfindlicher Mangel in der Enuu ciation des Statthalters. Der zweite, noch wesentlichere, tritt in dem Schlußsätze zu Tage, in welchem die Re aierung betont, daß sie „in jedem einzelnen ihr zur Kenntniß gebrachten Falle" die bestehenden Bestimmungen auf das Schärfste und Rachdriicklichste zur Anwendung bringen werde. Pndnpest, 16. April. Die hiesige orthodore Eul. tusakmeinde hielt dieser Tage ihre Generalversammlung ab, in welcher der Bau einer Snnagoge einhellig be schlossen wurde. Die Gemeinde besitzt seit vielen Jahren nur ein aemiethetes Betlokal, bekannt unter dem Rameu „Orezische Schul" und will nun diese brennende Frage der Lösung zuführen. Für die regelmäßigen Ausgaben zu Eultuszwecken sind 70,000 Kronen präliminirt, von denen 24-00 Kronen der Talmud- Torah gelvidmet sind. Der hauptstädtische Magistrat bat für Schulzwecke der orthodoren Gemeinde eine jährliche Subvention von 1000 Kronen bewilligt. — Dem jüdischen Dichter Ludwig P a l a g p i ist eine seltene Ebrung zu Theil gelvorden. Die königl. Akademie der Wissenschaften bat seinem neuesten Drama ..Die römischen Sklaven" den Ehrenpreis zuerkannt. Palagvi ist der Sohn eines jüdischen Lehrers aus der alten Schule. Namens M. Silberstein, und hat in seiner

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