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Der Israelit · 1900-04-23 · Heft 32-33 (23.4.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 32-33 (23.4.1900)
Date
1900-04-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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652 schliche gewesen, der dem alten Juden in moderner Zeit die Richtung zu weisen vermochte. W i r haben nie behauptet, daß Lehmann das ganze Verdienst der Erhaltung und Wiedererweckung des jüdischen Geistes für sich in Anspruch zu nehmen habe, wir verschließen dagegen aber auch nicht unsere Augen, um das nicht zu sehen, was ihm allein zu danken ist. Hat Hildesheimer eine große Zahl von Rabbinern erzogen, deren Lehren und Wirken einem späteren Geschlechte zu Gute kam, mag Hirsch eine Religionsphilosophie begründet und entwickelt haben, die jedem wahren Juden, der zugleich ein moderner Mensch ist, den inneren Halt gewährt, die breiten Massen des jüd. Volkes in Deutschland blieben im Momente der Gefahr von dem Wirken der Beiden weniger berührt, das war vor Allen Dr. Lehmann, der. wie seine eignen Worte lauteten, „den Weg zu den Herzen der Söhne und Töchter Israels fand." Ein ebenso tiefgründiger Lamdon wie tüchtiger Gelehrter, ein ebenso gewandter Schriftsteller wie gottbegnadeter Dichter gelang es ihm unter übermenschlicher Anspannung aller Seelenkräfte, die seinen Körper auch vorzeitig aufrieb, die erhabensten Dinge in scheinbar einfacher schlichter Form wiederzugeben und so weite Kreise für die Empfängniß hierfür so zu befähigen, daß besonders durch ihn das alte gesetzestreue Judenthum seine Volkstümlichkeit, die in Gefahr war, verloren zu geben, wiedergewann. Seine leitenden Artikel, seine Erzählungen, seine Novellen und Sagen, alles besitzt einen so berückenden Zauber, athmet eine so unwiderstehliche Liebenswürdigkeit, durch alle seine Schilderungen geht ein Hauch von Erhabenem, Edlem und Vollkommnen, dem sich so leicht Niemand zu entziehen vermag. Ein Glaubensheld wie Pinchas, ein Eiferer wie Elijahu war er zugleich ein großer schaffender Künstler, der durch die Kraft seiner Feder Tausende und Abertausende, gleichsam spielend, indem er ihnen durch die Lektüre seiner Werke Erholung, Belehrung und Genuß verschaffte, auf die Wege der Thora und Abodah zurückfübrte. Er wird fortleben unter uns, so lange es Juden giebt. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Frankfurt a. M. Der Jahresbericht der Realschule der Israelitischen Religionsgesellschaft in Frankfurt a. M. 01899—1900) weist in der Realschule 230, in der Vorschule 110 und in der höheren Mädchenschule 221 Schüler aus; 20 Zöglinge erhielten das Zeugniß der Reife, davon 16 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung. Auch in diesem Jahre hatte sich die Schule vielfacher Beweise freundlichen Wohlwollens zu erfreuen. Außer den vielen Geschenken für Spezialkassen werden Stiftungen von 49,000 Mk. aufgeführt. Brest au, 17. April. An Stelle des nach Heidelberg berufenen Herrn Dr. P i n k u ß ist Herr Rabbiner Fabian, bisher Lehrer an der zweiten Gemeindereligionsschule zum zweiten Rabbiner der Neuen Synagoge gewählt worden. Ferner wurden die Herren Dr. phil. Dienemann, Hörer des hiesigen jüdischen theologischen Seminars, B e r l i n g er , bisher Lehrer an der Religionsschule der Adaß-Jsroel-Gemeinde zu Königsberg und Siegfried Sachs aus Berlin zu Lehrern an den Gemeindereligionsschulen gewählt, während Herr Rabbiner Dr. Deutsch- Lissa die auf ihn gefallene Wahl abgelehnt hat. Herr Dr. Emil Schlesinger, Hörer des hiesigen jüdischtheologischen Seminars, ist zum Rabbiner der israelitischen Religionsgesellschaft in St. Gallen (Schweiz) gewählt worden. Stuttgart. Die Württembergische Judenheit hat sich nachgerade daran gewöhnt, den Amtsantritt des Herrn Kirchenrath Dr. K r o n e r als Beginn einer neuen Aera anzusehen. Er gilt als Schirmvogt der Drthodoxie und ist den radicalen Neuerern ein Dorn im Auge. Bei seinen Vorgängern war's umgekehrt und die sanguinischen Schafe seiner Heerde stehen nicht an, dos als einen großen Fortschritt zu bejubeln. Betrachtet man die Dinge nüchtern, wie sie thatsächlich liegen, so muß man zunächst einräumen, daß es für jeden Rabbiner seine unverkennbar großen Schwierigkeiten hat, die Hinterlassenschaft eines Wassermann und gar eines Meyer anzutreten. Es gibt wohl wenige Rabbiner in Deutschland, die im Vergleich mit diesen Kirchenlichtern nicht in orthodoxer Färbung erschienen und ebenso wenige, die in der Lage wären, diese Amtsvorgänger an Radicalismus zu übertreffen. Man konnte also im voraus ohne viel prophetische Begabung sich sagen, daß der Rabbiner, welcher es als Stuttgarter Kirchenvater Allen recht zu machen versteht, noch nicht geboren ist. Da stehen auf der einen Seite die Herren, welche die Leugner Gottes und seiner Thora noch als vollgültige Juden anerkennen, es sind das unsere kulturgeschichtlichen und wissenschaftlichen Vereinsjuden und ihr Anhang, die vor einiger Zeit an dieser Stelle trefflich als wunderliche Heilige gezeichnet wurden. Auf der anderen Seite ist es die numerisch kleine, aber gesinnungstüchtige Minorität, die von dem hier herrschenden Fanatismus des Unglaubens zur Bildung einer separaten Vereinigung gedrängt wurde. Daß es einem Rabbiner unmöglich ist, eine Amtswirksamkeit zu entfalten, die Allen entspricht, das ist klar. Unser Herr Kirchenrath hat aber das Kunststück fertig bringen wollen und dadurch ist er zwischen zwei Stühle gerathen. Er gehört ja zu den Chassidim der I Breslauer Schule, die Rabbiner für Alles und Alle I liefert. Sein Chassidismus erschien nun schon von! vorhinein als im hohen Grade fadenscheinig, noch ehe I man Herrn Dr. Kroner persönlich kannte. Ein auch I nur halbwegs frommer Rabbiner kann keine Stelle in I

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