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Der Israelit · 1900-04-09 · Heft 29 (9.4.1900) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 29 (9.4.1900)
Date
1900-04-09
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Vaterstadt, weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus werden seine Werke, welche nur einen kleinen Bruchtheil seines thatenreichcn Lebens darstellen, begeisternd. belehrend, erziehend der Nachwelt als Muster und Vorbild dienen. Mitbegründer unserer Schule vor 10 Jahren war Dir. Dr. Mendel H i r s ch s. A. stets der geistige Führer und Leiter derselben. Trotz seiner umsaffenden Thätiakeit und einer Inanspruchnahme nach allen Seiten liest er es sich nicht nehnten, aus innerem Herzensdrang, au? Liebe für das Edle und Gute, das Rektorat 17 volle Jahre in selbstlosester Weise zu führen, bis die sich immerfort steigernden Ansprüche der Arbeit eine Erleichterung seiner zahlreichen Pflichten erforderten. Vor ungefähr einem Jahre bei der Einführung eines neuen Rektors - der zu seinem lebhaften Bedauern durch ein Unwohlsein hier zu sprechen verhindert ist — hatten wir zum letzten Male das Vergnügen und die Ehre, ihn in unserer Mitte zu sehen. Wenngleich er die Fübrting aus der Hand gegeben balle, to hing er doch mit ganzer Hingebung und Liebe an umerer Schule und lieh uns stets seinen wohlbe wähnen fachmännischen Rath zu Dheil werden, den wir gerne befolgten. Ihm verdanken nur es, die Israel. Volksschule auf die Hobe gebracht zu sehen, auf der sie nunmehr steht. Seine Rathschläge und Vorschriften lverden lvir stets beherzigen und sein erhabenes Vorbild wird uns stets als Leitstern dienen! Im Namen der Israel. Volksschule, im Namen der Tausende, die aus ihr hervorgegangen und in alle Welttheile zerstreut sind, sage ich dem theuren Verbliebenen Hit all die unserer Schule in so außerordentlieb reichem Masze erwiesenen Wohlthaten, bevor wir seine sterbliche Hülle der Erde anvertrauen. Dank nnd tausendmal Dank! Wie oft hat sein beredter Mnnd von gleicher Stelle, wo ich jetzt stehe, in so rührender und ergreifender Weile den letzten Scheidegrust nachgernfen. Der Mund ist nun versttimnit! Was der Verstorbene für uns gelvirkt und gefdaafft, die Saat, die er gesäet, wird unter Gottes gütigen! Beistand ausgehen und segenbringende Früchte tragen. Sein Name wird in den Annalen der Israel. Volksschule für immerdar fortleben, als Ideal vornehmster und treuster Pflichterfüllting. Herr Dr. Z. H. Borrdi: Nur schwer ringt sich das Wort von den Lippen, denn zu weh ist noch das Leid im Herzen. Gestern waren es vierzehn Tage, da tauschten wir fröhliches Gespräch, nnd am folgenden Tage, da warf Dich jäh die Krankheit auf's Lager, und Du bist nicht wieder erstanden. Daß wir an Deiner Bahre weinen muffen, tSs *“*, Du mein Lehrer und vertrauter Freund.' Tu hast sie mich kennen lehren, Deine große Persönlichkeit, die sich ihrer selbst entäußerte, der Du nichts anderes fein wollest wls — ehrungsvoller Sohn. Zehn Jahre sind's, da trat ich in Deinen Kreis, und leise, im Wandel der Jahre, enthüllte sich mir Dein Wesen. Eine höchste Idee erfüllte Deinen Geist, der jüdische Gedanke, wie Dein Vater ihn Dich gelehrt. Alle Fülle Deines reichen Wiffens, Deiner unrfassenden Erfahrung, Deines tiefen Sinnens ordnete sich harmonisch unter diesen letzten Gedanken: der ganzen wirren Mannigfaltigkeit der Welt gabst Du das Leitlicht aus einer Duelle, und eine herrliche Einheitlichkeit durchdrang Dich. Deinen Thaten geboten Deine innersten Ansprüche, und Dein Wollen entfloß dem höchsten Gesetz. Stark im Bewußtsein der Pflicht, lvar Deine Seele erfüllt von der siegreichen Macht der Milde. Du kanntest die Menschheit und ihre Schwächen und überwandest und verziehst. Mit tiefer Inbrunst liebtest Du die Menschheit, und bange Sorge um sie bewegte Dich, und in unzähligen durchglühten Worten hast Du jene glückliche Zukunft gefeiert, die das Gotteswort und der Prophetenmund verkünden, da ein Gedanke des Höchsten und ein Allgesühl der Brüderlichkeit durch die Well strömt, und das allnlächtige Einheitsgcfühl, wie es Dich beseelte, Dich so stark und beiter machte, die unlösliche Gemeinsamkeit schassen werde. Und Deine erhabene Begeisterung forderte ihre Auslösung und Du tratest in die Kreise der Umnündigen und der Gereisten nnd verkündigtest die heilige Lehre und erzogst Geschlechter, denen Du das kostbare Gut weihevoll mitgetheilten Gotteswortes mit in das Leben hinausgabst und wirktest so am Fortschritt der Menschheit. Und wer das Glück hatte, an Deiner Seile zu arbeiten, dem eröftnetest Du tiefe Einblicke und weite Ausblicke, und er lernte in Dir den großen Führer und Leiter kennen, der stets auf's Ganze schallte und nicht auf's Kleine, der Jeden aus die Stelle tvies, ivo seine Kräfte zur rechten Wirkung gelangten, und der jedem ernst und gutgesinnren Willen das freie Spiel des lustersüllten Schaffens im nmriffenen Gebiete vergönnte, die wahre Freiheit. Welch' ein froher Mensch warst Du, lvie rastlos und beglückt in der Arbeit, wie edel im Lebensgenuß, lvie offen für die ganze loeite Welt und all' ihr Schönes, und das alles lvar Dir heilige jüdische Pflichtet füll ung. Ich sehe Dich vor mir sinnenden Auges und lächelnden Mundes, wie wir zusammensaßen, stundenlang, manchmal bis in die späte Nacht hinein, und von den großen Anliegen der Menschheit sprachst Du nnd dann hobst Du wohl den Arm und wiesest aus ein Bild und leise zitterte es von Deinen Lippen: Er! Ja Du warst der wahre Erbe seiner Geisteswelt, Du warst ganz in ihr aufgegangen. Du warst ihr Behüter, ihr Beschützer, ihr Vorkämpfer und unbeirrbarer Verkünder, und hast sie in so und soviel Handlungen und in so und soviel Geistesthaten lebendig werden kaffen. Das war Dein Stolz, das bleibt Dein Ruhm. Du herrlichste Leuchte am Lichtbaum, den Samson Raphael Hirsch s. A. entzündet, bist erloschen. Vieles hast Du Vielen gespendet; Israel, der Menschheit hast Du reiche Erbschaft hinterlaffen. Du bist un-

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