Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1900)
- Date
- 1900-04-09
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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616 Herr Julius Hirsch: Glicht einen rvLn will ich Dir halten, mein theurer Bruder, nickt was Dir gebührt in Worte kleiden, nicht ein Bild zeichnen, das Dein Wirten wiederspiegelt — das haben Andere in meisterhaften Reden gethan, Andere werden es tbun. In weiter Judenheit, der Du ge lebt, der Du nun gestorben bist, wird man, Deinen Verlust betrauernd, versuchen. Deinem segensreichen Schaffen in Worten der Schilderung gerecht zu werden. Ich vermag es nicht, vermag es beute nicht! Ist ja das tbränenmnflorte Auge nicht geeignet. Dein ganzes strahlendes Lebensbild in seinen Umrissen klar zu schauen! •? rv—■ rrz'.s! stieben will ich, um meinem gevresttem Gemüthe Erleichterung zu getväbren! -L x-rr p-",' Gar weh, gar eng ist unr's um's Herz, um Dick, mein tbeurer Bruder. Schtver, ach tvie schwer bat Gott in seiner unersorschlicken Weisheit unser Haus gelroisen - in tiefster Demuth beugen wir uns seinem Rathschlusse, sind r~“ rs p'-^; vor wenigen Monden erst, da standen )vir Beide in Hannover schmerzzerrisien an der Bahre unseres theuren unvergeßlichen Bruders Isaae, der auch ein grösster Biann gewesen - G rcve —.wr!vie lieb, ivie treu, rein und zärtlich warst Du da gegen mich, wie lernte ich in diesen Trauertagen stündlich neue Vorzüge an Dir schätzen. Wir weinten miteinander, nur klagten zusammen - und nun reifst die neue Wunde, die Gottes Rath uns geschlagen, die noch nicht vernarbte tvieder aus, unb beide ststmerzen tief und bluten im Verein. Damals iveinten wir zusammen und suchten einander auszurichten und;ü trösten, lind nun px bist Du, mein lieber Bruder Mendel, mein zriz der Du mein Tröster dautals tvarst, inir, uns Allen entrissen! Das rhnt gar >oeb! Ich gebäre es drängt mich, dies hier auszusprechen zu seinen ersten Schülern, mit deren Unterricht seine gesegnete Wirksamkeit vor 45 Jahren begann, ja, ich bin sogar sein allererster Schüler, denn bereits vorher unterrichtete er mich im Lateinischen. Ich kann es bekunden, wie er schon damals, selbst noch in erster Jugend stehend, es verstanden hat. in die jungen Gcmüther und Geister die Liebe zu unserer heiligen Thora zugleich init der Erkenntnis; der Pflichten, die sie uns auserlegt, zu pflanzen und die Begeisterung zu wecken für Alles, >vas uns l)eilig fein soll; gleichzeitig aber auch, wie bereits von den hochverehrten Vorrednern erwähnt, in die empfänglichen Herzen der Jugend die unumstößliche Wahrheit zu senken, daß das Judenthum nicht feind der Wissenschaft und Bildung ist, vielmehr wahre Wissenschaft, die rechte Wissenschaft und die echte Bildung gerade aus den? Boden des alten, überliefernngstreuen Indenthums kür den Juden am besten gedeiht. Wie lehrte er uns Gott erkennen und lieben in dem Teuergesetze des Sinai, Gott erkennen und lieben in den Gesetzen der Ratur, Gottes Walten erkennen und lieben in den Gängen der Geschichte. So hell sein Geist, so scharf sein Verstand, so weitumsassend sein Wissen und seine Bildung, so allumfassend war sein Herz, und — er hatte ein weiches Herz und hilfsbereit war stets seine Hand. Wahrlich, nicht i ch habe nöthig dies zu bekunden, nach vielen Hunderten zählen die, die es bezeugen tonnen. Und nun stehe ich an seiner Bahre, schmerzdurchwühlten Herzens, und spreche ihm den Dank aus für Alles, was er mir, was er uns gewesen. Weh! daß >vir ihn haben so früh verlieren müssen, weh uns, — i h n aber — beklage ich nicht, seiner wartet der reiche Lohn dort oben, dessen Anwartschaft er fick durch sein Wirten hienieden in vollem Maße sicherte. Das letzte Wort, welches Du. indem Du mir die Hand reichtest, wenige Stunden vor Deinem Tode zu mir sprachst, war: „Gute Nacht!" — ich aber erwidere Deinen Wunsch heute mit dem Morgengruße, denn dort oben bricht für Deine reine Seele der lickte Morgen an! 7:2 rrnx p~'jz \\x: Du hast gewirkt für die Erreichung des göttlichen Pflicht- und Rechtideals, Du warst c-““ rs 7-^7, hast ganze Generationen dafür erzogen, hast sie für die Pflichttreue erzogen. Erst eben habe ich es geschaut bas Geschlecht, in dessen Heranbildung Du begriffen warst, als Du abaerufen wardst. ich sab es vvranziehen Deinem p'x sp-pn, das ist pp-tt ~*;£s pbr*, das ist Dein p-is:, wel' ches Dir voranwandelt, dort oben wirst Du den Gott, für den Du gelebt, dem Du Ztigeftrebt, in seiner Waltung schauen, irrer ppn:: rr;zt**s Dein ganzes reiches Leben, so reich an Wahrheit und Lichthelle, ist doch nur Dämmerung und Traum im Vergleich zu der Strahlenfülle des Morgens der ewigen Seligkeit, zu dem Du nun erwacht bist! rTr n?, dies ist's, was uns trösten kann! Herr Rekt. Schnabel von der Battonnschnle: Im Namen des Vorstandes vom „Verein für Ferienkolonien" möchte ick dem Entschlafenen an dieser Stätte unseren schuldigen Dank Nachrufen. Er rvar Mitbegründer unseres Vereins und hat während der 22 Jahre seines Bestehens dein Vorstände ununterbrochen als Mitglied angehört. Und was mehr ist! Er hat stets treu zu der Sache gestanden und sich mit regem Eifer an unserer Arbeit betheiligt. Das danken ivir ihm. Das danken ihm mit uns viele unserer gewesenen Pfleglinge, insonderheit die bedürftigen Kinder ans der ihm s. Z. unterstellten israelitischen Volksschule. Er hat sich in unserem Verein ein dauerndes und ehrendes Andenken gesichert. Herr M. M. Rapp: Sehr geehrte Trauerversammlung! Schmerzerfüllt und tiefbewegt steht die Verwaltungs-Commission der Israel. Volksschule an der Bahre ihres Mitbegründers und geistigen Führers. Es ist nicht meine Aufgabe, das gottgesegnete Leben dieses großen Mannes, eines Vh: zu skiziren. Fortleben wird der Name Mendel Hirsch s. A. als Leuchte des orthodoxen Judenthums von Geschlecht zu Geschlecht. Weit über das Weichbild unserer