Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1900)
- Date
- 1900-04-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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609 Noch in [einen letzten Jahren lies; der verstorbene ein mit allem (somsort versehenes rituelles Bad nach religiöser Vorschrift Herrichten, Er war nicht nur ein echter und wahrer frommer Jehudi, sondern auch ein ausgezeichneter Mensel, und Bürger. Weit über die Grenzen seiner edlen Wirksamkeit Danendorf verbreit tete sich der Nus seiner grenzenlosen Ehrlichkeit und Bescheidenheit. Birgprcppach. Dem 24. Rechenschaftsbericht über die „Israelitische Präparanden Schule (Talmud-Thora)" zu Burgpreppach für das Jahr 1898 -99 entnehmen wir: Die Frequenz der Anstalt ist luteberum gelvachsen. -ümt den Schälern des 8. Kurses traten im Frühjahr fünf in das israelitische Seminar zu Eassel und im Herbst ein Schäler in die Kölner Anstalt ein. Für die zum Besuche eines bayrischen Seminars bestimmten vier Schäler fand die vorschriftsmäßige schriftliche Prüfung am 18. und 14. Juli v. I. statt. Die mündliche Prüfung lvurde in Anwesenheit des Herrn Kreisschulinfpektors Dr. Weber, der als kgt. Priifungskommissar und Vorsitzender fungierte und des Herrn Diftr.- NabbinerS Bamberger aus Wärzburg am 27. Juli v. I. abgehalten und hatte das erfreuliche Ergebnis;, daß allen Prüflingen die Reife zum (Übertritt in das Seminar zuerkannt werden konnte. Für den llnterrichtsbetrieb war das abgelaufene Jabr insofern von besonderer Bedeutung, als mit dessen Anfang die neue Lehrordnung vom 30. Juli 1898 in Wirksamkeit trat. Die finanzielle Berichterstattung ist auch in diesem Jahre eine angenehme Pflicht: wir konnten mit Gottes Hilfe den tviederum gesteigerten Anforderungen an die UnterstätzungSthätigkeit unserer Kaste nachkommen und haben dabei - zum ersten Male seit dem Bestehen der Anstalt -- den Betrag von 3000 Ml. überschritten. Außerdem baden wir nach Tilgung der vom vorigen Jahre verbliebenen Bauschuld dem Pensionsfonds einen Betrag von Btt. 1000 zugeführt. Allerdings ist dieser Fonds noch lange nicht im Stande, selbstständig seinem Zwecke zu dienen, vielmehr müssen seine Pflichten einstweilen noch von der Hauptkasse erfüllt werden. Darum gestatten wir uns wiederum die eindringliche Bitte an unsere verehrten Freunde, dieses Fonds namentlich bei besonderen Anlässen wohlwollend zu gedenken. O e st e r r. - U n g a r. M o n a r ch i e. Budapest, 3. April. Der Minister des Innern ordnet an, daß die Grenzbehörden die Einwanderung der aus Rumänien ausgetviesenen Juden nach Ungarn mit allen Mitteln verhindern sollen. Oderberg, April. <V o m R i t n a l m ord : märch en.) Wir haben vor einiger Zeit über nachfolgenden Vorfall anssährlich berichtet, der nun vor dem Bezirksgericht verhandelt wurde. Der Sachverhalt ist folgender: Der hoebbetagte Kaufmann Hermann Schönmann aus Kurotv fuhr in Begleitung eines Dienstmädchens, Namens Katharina Antonik, aus der Nordbahn, um sich nach München zu begeben, woselbst die genannte Magd bei seinem Sohne, dem Fabrikanten Heinrich Schönmann, in Dienst treten sollte. In demselben Eoupee saß ein Herr, der mit der Magd ein cchechisches Gesvräch anknüpste, welches Hermann Schönmann insoweit verstand, daß er demselben zu entnehmen vermochte, der Fremde rede dem Mädchen ab, „mit dem Juden zu reisen, derselbe wolle sie abschlachten, da er wahrscheinlich ihr Blut zu den Osterseiertagen brauche; sie möge lieber in Oderberg aussteigen und bei ihm bleiben." Kaum hielt der Zug in Oderberg an. als das Mädchen ausstieg u. dem Manne - e-S tvar der Privatbeamte Leopold Strengczek — folgte. Nun verließ Schönmann auch den Waggon, im nächsten Moment wurde er von einer zahlreichen Menge umringt, des Ritualmordes bezichtigt, beschimpft und mißhandelt. Während er um sich blickte, um Rettung zu erspähen, erschien der Grenzpolizeibeamte auf dem Oderberger Bahnhofe, Johann Mattel, trat auf Schönmann zu und rief: „Kommen Sie, Jude! Ich bin der Polizeicommissar!" Während der Eskorte dutzte er den alten Mann, indem er schrie: ..Wart' Jude! Ich werde Dick lehren, ein Mädchen verführen und betrügen!" Sodann zwang er Schönmann unter Vornahme einer Leibesvisitation, dem Mädchen seine Effecten und Papiere sofort zu übergeben und ließ ihn dann frei. Schönmann reiste in seine Heimath zurück, erstattete aber Strafanzeige. Die Staatsanwaltschaft erhob gegen den Polizisten Mattel die Anklage wegen grundloser Arretirung und gegen Strengczek wegen Verbreitung eines beunruhigenden Gerächtes, worüber nun vor dem Einzelrichter des hiesigen Bezirksgerichts, Adiunkten Dr. Goliath, verhandelt wurde. Derselbe fand Mattel der Einschränkung der Freiheit schuldig und verurtbeilte ihn zu 24 Stunden Arrest, Strenczek wurde schuldig erkannt, das falsche Gerücht verbreitet zu haben. Schönmann wolle eine Magd „zur Gewinnung von Blut für Osterbrote schlachten," und hierdurch Aufregung, Unheil und Gefahr heraufbeschworen zu haben und wurde zu acht Tagen strengen Arrest verurtheilt. Frankreich. Paris, 28. März. Der Seinepräfekt hat die verschiedenen, in dem Testamente der im vorigen Jahre verstorbenen. Baronin Hirsch bedachten Personen und Stiftungen des Seinedepartements von den sie betreffenden Abmachungen des Testaments in Kenntniß qesetzt. Jnsgefammt sind von der Verstorbenen für Paris und Umgebung 75 Millionen ausgeworsen worden. die sich folgendermaßen vertheilen. 45 Millionen :ür die israelitische Elementarlehrerschule für den Orient in Paris. 4 Millionen für Erweiterung derselben schule, 3 Millionen für einen Pensionsfonds für ihre Lehrer. 3 Millionen für die Schulen der Alliance israelite. 5 Millionen für das israelitische Wohlthätigkeitskomitee in Paris. 1 Million für die vhilantrovische Gesellschaft, 200,000 Francs für die fortschrittlichen israelitischen Genossenschaften in Paris, 100,000 Frcs. für die Stiftung Bischoffsheim, 500,000 Frcs. für die