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Der Israelit · 1900-04-09 · Heft 29 (9.4.1900) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 29 (9.4.1900)
Date
1900-04-09
Page
– (sequence 10)
Language
German
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608 reichende Mittel für die Ertheilung des Religionsunterrichts zur Verfügung zu stellen? 17. Bemerkungen. (Jsr. Gem.-Bl.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. (Elberfeld. (Verspätet.) Ani Vorabend des Sabbat Zaw starb im Alter von 85 Jahren Herr Abr. L ö w e n t h a l in Ronsdorf. (Lin echt jüdisches Herz hat aufgehört zu schlagen. Mit seltener Hingebung widmete er sich dem Studium der Thora, jede freie Stunde suchte er in den Dienst der jüdischen Wissenschaft zu stellen. Für Arme und Bedürftige hatte er eine stets offene Hand, besonders die Armen des heil. Landes werden feinen Heimgang tief bedauern, denn fein Name war in den Spendenlisten dieses Blattes, stets zu finden, dessen eifriger Leser er gewesen. Aber auch in seinem Heimathsorte ivar der Verblichene eine geachtete und beliebte Person, dessen greises Haupt Biederkeit, Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit zierten. Sein Andenken sei gesegnet. Ticgburg, 6. April. Mit dem 1. April d. I. ist die seitherige Privat-Elementarschule zu einer öffentlichen Volksschule erhoben worden und der seitherige Inhaber der Stelle, Salomon S e e l i g , als Lehrer von der Königl. Regierung zu Eöln unter dem 28. v. Mts. bestätigt und ernannt worden. Es ist hiermit einem langersehnten Wunsche der Gemeinde und des Lehrers entsprochen. In der am 2. September v. I. stattgehabten Stadtrathssitzung wurde der Antrag der israelitischen Gemeinde auf Uebernahme der Schule auf die Stadt einstimmig angenommen. Heidelberg, 5. April. Der Student Alfred Lublin aus Neidenburg, der von mehreren Studenten im Restaurant „Perkeo" als Jude verhöhnt worden war, forderte den Studenten Oskar Wilh. Sauer aus Spaichingen zum Zweikampf auf Säbel. Das Ehrengericht betrachtete die Forderung gegenüber den Schweren der Beleidigung als zu leicht, und Sauer stellte infolgedeffen schwere Bedingungen, die Lublin annahm. Sauer wurde bei dem Duell am Arm und Ohr verwundet. Nun kam der Fall vor die Strafkammer. Sauer wurde mit vier Monaten, Lublin mit drei Monaten und der Student Oskar Michelsohn aus Hannover wegen Kartelltragens mit einer Woche Festungshaft bestraft. Hcilbronn, Z. April. Auch hier entstand im Laufe des letzten Jahres ein „Jüdischer Geschichtsverein." Die Herren H. Wollenberger und A. A m b e r g dürfen das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, als die ersten Vorstände des Vereins diesen lebensfähig gemacht zu haben. Als Dozenten des Vereins wurden die Herren Rabbiner Kahn- Heilbronn und Schullehrer Spatz- Affaltrach gewonnen. Es wurde ein gewisser Vortragsplan eingehalten. Jni vergangenen Wintersemester wurde die jüdische Geschichte bis auf die seleueidische Zeit (ca. 200 v. d. übl. Ztr.) in chronologischer Folge behandelt. Den einleitenden Vortrag hielt Herr Rabbiner Kahn über das Thema: „Wozu studirt man jiidische Geschichte?" Vor 14 Tagen sprach Herr Rabbiner Kahn über das sopherische Zeitalter; dieser Tage referirte Herr Spatz über die Zeit vom Niedergang der persischen Oberhoheit bis zum Beginn der seleucidifchen Herrschaft über Judäa. Herr Spatz hatte die Güte, schon vor Wochen eine Quellenstudie in unserem Verein zum ersten Male der Oeffentlichkeit zu übergeben. Er behandelte das Thema: „Betheiligung der Juden an der kominerziellen Entwicklung Württembergs im letzten Viertel des 18. und im ersten Viertel'des 19. Jahrhunderts, mit besonderer Berücksichtigung des Hauses Kanla." Der Verein unterhält die gelefensten jüdischen Zeit fchristen, welche in feinem Vereinslokale (Adlerbrauere: Würzburger) ausliegen und an den Leseabenden eifrig benützt werden. Auch hat sich der Verein die Beschaffung einer Bibliothek zur Aufgabe gemacht. Wir rufen dem Verein ins zweite Semester hinüber zm rrs. C»oliimr, 5. April. Einen drolligen Lohntarif hat, nach einer Mittheilung der „Straßb. Post", die Ver einigung der Eolmarer Lohnkutscher aufgestellt: „Wir sehen uns durch das Aufschlagen aller Handwerker ge ztr-nngen, auch unsere bisherigen Preise zu erhöhen, und zwar für Hochzeiten pro Wagen: Zweispänner, katholische 10 Mt., protestantische 12 Mt., israelitische 15 Mk.; Begräbnisse pro Wagen: Zweispänner, katho lische 8 AK., protestantische 10 AK., israelitische 15 Mt. .Kindtaufen pro Wagen: Ziveispänner 6 Mk., Einspänner 3 Mk. Einspänner zu Hochzeit und Begräbnis; Pro Wagen die Hälfte der Zweispänner." Die Eolmarer Lohnkutscher zeichnen sich also dtirch einen bemerkenswerthen Mangel an Parität aus, da Protestanten und Israeliten bei ihnen bedeutend höher im Werthe stehen als Katholiken. Tnuendoif, Unter-Elsaß. (Ungern verspätet.) Unsere Gemeinde hat einen harten Verlust zu beklagen. Es hat dein Allmächtigen gefallen, den Vorsteher der hiesigen orthodoxen Gemeinde, Herrn L. L e h m a n n , im Alter von 76 Jahren, in ein besseres Leben abzurufen. Vierzig Jahre hat der Verstorbene seine Gemeinde in Freud und Leid geführt. Als im Jahre 1874 die alte Synagoge nicht mehr zum Gottesdienste benutzt rverden tonnte, ließ er ohne weitere menschliche Beihülfc dieselbe auf's schönste und würdigste wieder Herrichten. Sein imposanter Leichenzug am 23. Februar bewies, welchen Ruhm er sich über die Grenzen unseres Reichs landes erworben hatte. Seine Kinder sind treue An Hänger des alten unverfälschten Judenthums. Die Herren Rabbinen L e v y aus Hagenau u. Dr. B a m b e r g e r aus Soulz waren herbeigeeilt, um dem Edlen rührende Worte der Anerkennung zu widmen. Auch der Vereinsrabbiner, Herr V o n d i aus Hagenau, hiel: im Trauerhause einen Hesped.

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