Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1900)
- Date
- 1900-04-09
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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m 6io zwanzig Pariser Unterstützungsbureaus. 1 Million für die ,,^6^i8llOol0iii2ati0HN880eintion", 1 Million für die noch zu gründende Schule Lucian Hirsch, 100,000 Francs für das Spital Laennec u. s. w. Rumänien. Bukarest, 3. April. (Die antisemitischen Excesse in Jassy.) In dem Prozesse wegen der im vorigen Jahre in Jassy versuchten antisemitischen Ruhestörungen wurden 31 Angeklagte zu Gefängnißstrafen zwischen 5 Tagen und 6 Monaten verurtheilt. Die angeklagten Studenten und 18 andere Angeklagte wurden freigesprochen. Musikalische Notiz. Göttingen. „Esther," Drama in vier Akten, Text Und Musik von Lehrer und Cantor Fabisch in Göttingen. Mit der Aufführung dieses Werkes ist der geniale Verfaffer mit seinem reichen Können zum ersten Male in die Oeffentlichkeit getreten. Die Musen der Poesie und Musik haben ihr reichstes Füllhorn über dieses Drama gegosien, um die Veröffentlichung desselben zu einem künstlerischen Ereigniß zu gestalten. Der künstlerisch vollendete Aufbau der Akte ist die vornehme Grundlage für die einfache, packende Scenerie. In textlicher Beziehung sind die historisch getreuen Charaktere in „Esther" mit psychologischer Feinheit belauscht, tiefdurchdacht und meisterlich verwerthet. Wir erinnern nur an die pantofselschwingende Seresch, die in Haman nur ihren Pagoden sieht; an den Mordanschlag des Bigsan und Seresch, an die Krönungsscene, an den eingelegten Huldigungsreigen. Die ganze unbestrittene Meisterschaft des Musikers aber erklingt uns herrlich und tiefergreifend aus den altbekannten Melodien der Megillah entgegen, die der Komponist in künstlerisch vollendeter Weise motivisch verwendet und so in den alten vertraulichen aber hochveredelten Tonen zum eingeweihten Zuhörer spricht. Die Maffenchöre der persischen Ritter, der Zecher beim Gelage, der geängstigten Beterschaar im Tempel bezaubern durch ihre Schlichtheit und wiederum durch ihre Allgewalt. Die ganze Darstellung erfolgte von Schülern in Prachtkostümen, welche historisch getreu nach Zeichnung, von einem Damenkomitee mit tiefem Verständniß und selbstloser Hingebung angefertigt waren. Die Vorstellung ging mit voller Orchesterbegleitung, von Fabisch selbst dirigiert, in Scene und erntete enthusiastischen Beifall, der sich am Schluffe zu einer imposanten Ovation für den Verfasser steigerte. Unser Kollege Fabisch hat sich mit seinem Erstlingswerke den unbestrittenen Lorbeer des reichbegabten Künstlers errungen. Aus Wunsch eines hervorragenden Musikers wird die Drucklegung des Werkes erfolgen, so daß sich den interessierten Kollegen Gelegenheit bieten wird, das Aufführungsrecht von „Esther" zu erwerben. -ch. Letzte Nachrichten. Berlin, 8. April. Am Freitag Abend, den 6. April, fand in der alten Synagoge die feierliche Amtseinführung des Herrn RabbinerDr. Eschelbacher statt. Der Vorsitzende des Gemeindevorstandes, Herr Justizrath M eher, begrüßte denselben mit herzlichen Worten, auf welche Herr Dr. Eschelbacher erwiederte. Samstag, den 7. April, fand die Antrittspredigt statt, welche ihres gediegenen Inhaltes halber einen vortrefflichen Eindruck hervorrief. E. R. Bereut, Westpreußen. Die räthselhafte Mordthat in Könitz hat in weiten Kreisen und besonders in unserer Provinz Westpreußen eine tiefe Aufregung hervorgerufen. Das alte wahnwitzige Märchen vom Ritualmord muß wiederum herhalten, um Haß und Fanatismus gegen die Juden zu erregen. In Könitz und in Flatow sind sogar arge Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung vorgekommen. Auch unsere sonst so friedliebende Stadt bleibt von der Wühlarbeit der Antisemiten nicht verschont. Berufsmäßige Hetzer suchen jene böswillige Lüge von dem Blutritus bei den Juden zu verbreiten. Unser verehrter Rabbiner, Dr. S. M ü n z, der für Recht und Wahrheit jederzeit eintritt, hat eine Kundgebung in der hiesigen Zeitung veröffentlicht, die zur Aufklärung der Bevölkerung viel beiträgt. Wegen Raummangel können wir die sehr interessante Zuschrift leider nicht zum Abdruck bringen. Könitz, 8. April. Ein neuer Aufsehen erregender Todesfall ist hier vorgekommen. Die Arbeiterfrau Eckert und deren Schwestern wurden als Leichen, Erstere in ihrem Bette, Letztere auf einem Stuhle sitzend, aufgefunden, nachdem man sie seit vorigen Samstag vermißt hatte. Ob ein Unglück, ob Verbrechen oder Selbstmord vorliegt, weiß man noch nicht. —■ Inzwischen nehmen die abendlichen Ruhestörungen, wie das „Kon. Tgbl." berichtet, ihren Fortgang, trotzdem nun schon wiederholt davor gewarnt worden ist. Fast täglich kommen hier Flugblätter an, welche, geschickt vertheilt, die Leidenschaften auf's Aeußerste erregen. Ein energisches Einschreiten gegen die gewerbsmäßigen und gewissenlosen Hetzer und Unruhestifter ist dringend erforderlich. Eine ganz vorzügliche Kundgebung gegen die Blutbeschuldigung hat der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens in hiesigen und Berliner Blättern erlassen. Hoffentlich hat dieselbe die gewünschte Wirkung. Briefkasten der Expedition. L. K. in H.: Betrag von Mk. 10 dankend empfangen.