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Der Israelit · 1900-04-09 · Heft 29 (9.4.1900) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 29 (9.4.1900)
Date
1900-04-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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603 sieben Kindern den Berlust des geliebten, sorgsamen Gatten und Vaters, die Gemeinde des treuen Führers und Berathers, Lehrers und Freundes, beklagens>oerth erscheint der frühe Heimgang eines so frommen, thätigen Mannes allen, denen das allgemeine Wohl und Heil am Herzen liegt. Kein Wunder, daß die Theilnahme an diesem Trauerfalle eine sehr lebhafte und allgemeine N'ar und sie gab sich kund bei dem Leichenbegängnisse, dem sich nichr nur die Gemeinde-Mitglieder, sondern auch viele Niclnisraeliten, darunter städtische und kgl. Beamten, die Lehrerschaft und viele seiner Verehrer aus der Umgegend anschlossen. Herr Distr.-Rabbiner Tr. Stein aus Schweinfurt gab sowohl im Hause als am Grabe den Traueraesühlen, der Anerkennung und der Bedeutung des pflichttreuen, gelehrten und frommen Hingeschiedenen beredten Ausdruck. Es spracheii noch außerdem Herr Lehrer Hirsch- Zeilitzheim im Namen der Collegen, Herr Lehrer Oppenheimer- Prichsenstadt im Namen des jüdischen Lehrervereins und endlich der Cultusvorftand im Namen der Gemeinde. Möge der gebeugten Familie himinlischer Trost werden und der 7 des Dahingeschiedenen ihr beistehen; er selbst aber den reichen Lohn seiner Thaten in einem schönerem Leben finden und am Sternen- Himmel verdienstvoller Ntänner glänzen für und für. J-jn Lb'xb B'irca -nr er: 'pnxzr O e st e r. - U n g . Monarchie. Wien, Z. April. Im niederösterreichischen Landtage beantragte Abg. Schneider, die Regierung aufzufordern, mit Rücksicht auf die herannahenden Ostern die Rabbiner und Schächter besonders zu beaufsichtigen, da es erwiesen sei, daß die Juden zu Ostern Christenblut fiir rituelle Zwecke, insbesondere für die Mazzes benöthigen. Abg. Ofner sagt: Es ist eine Schande, daß man im Landtage einen solchen Antrag verlesen darf! Gregorig ruft: Er soll zerspringen! Der Landmarschall Baron Gudenus ertbeilt dem Abg. Ofner den Ordnungsruf. iEs ist fiir den Landtag wie für seine Leitung bezeichnend, daß der Abg. Schneider wegen seines schamlosen Antrags keine Zurechtweisung erhalten bat. Red.) Wien, 4. Avril. l.K undgebung der jüdischen C u l t u s g e m e i n d e.) Mit Rücksicht aus den gestrigen Antrag des Abg. Schneider im niederösterreichischen Landtage, es mögen angesichts der herannabenden jüdischen Osterfeiertage jüdische Funktionäre unter eine besondere Beobachtung gestellt werden, berief das Präsidium der israelitischen Cultusgemeinde für heute Abend eine außerordentliche öffentliche Sitzung zum Zwecke der Stellungnahme gegen diesen Antrag. Der Vorstand war vollzählig erschienen, und das Auditorium war dicht gefüllt. Der Vorsitzende. Vice- Präsident Dr. Alfred Stern, eröffnete die Sitzung init einer Ansprache, in welcher er hervorhob, daß das Gefühl der Entrüstung und des Ekels sich weniger gegen den Antragsteller richte, mit dem man sich überhaupt nicht zu beschäftigen habe, als dagegen, daß die Interpellation von dem Landmarschall zur Verlesung gebracht wurde, der schon öfters Interpellationen zur Verlesung nicht zuließ, weil er sie der Würde des Landtages oder dem Gesetze nicht entsprechend erachte, weiters, daß dieser Antrag von dein Haupte der Verwaltung der Stadt Wien zum mindesten durch einen Zuruf gefördert wurde, daß weiters eine abfällige Aeußerung eines Abgeordneten über diesen Antrag den Ordnungsruf gegen diesen zur Folge hatte. Das rufe tiefste Entrüstung hervor —- und die Funktionäre seien es den Glaubensgenossen in Wien, sowie im ganzen Reiche schuldig, dieser Entrüstung öffentlich Ausdruck zu geben. Vor einigen Monaten, fuhr Dr. Stern fort, mußten wir Protest gegen derartige Anlvürse erheben, welche an einer der Rechtspflege gewidmeten Stätte erhoben worden lvaren —- heute thun wir dasselbe gegenüber Vorgängen an einer Stätte der Gesetzgebung. Da sich unsere Verachtung gegen solche Enunciationen durch Stillschweigen nicht deutlich genug nach außen hin documentiren würde, so müssen wir laut sprechen, und zwar an entscheidender Stelle. — Kaiserlicher Rath Pollat glaubt, daß man von dem betreffenden Abgeordneten gar nicht so viel Wesens machen solle, da lveder ein Jude noch ein vernünftiger Christ an seine Worte glaube, die ausschließlich auf Wählerfang berechnet seien. Der Vorsitzende weist darauf hin, daß es sich gar nicht um den Abgeordneten, sondern um die Majorität des Landtages und um dessen Vorsitzenden handle. - Bürgerschul-Direktor S i in o n hebt hervor, daß inan die Lüge als Lüge bezeichnen müsse, damit nicht das anUimninug nuci.ueleu— eine Bestätigung finde. -- Ober - Rabbiner Dr. Güdemann sagt, Schneider beantrage eine Beobachtung der Rabbiner, und doch sei der Stifter der christlichen Religion selbst von seinen Jüngern ..Rabbi" genannt worden. Aber Schneider kennt das Neue Testament so gut wie den Talmud. Man sollte eigentlich dem Heiterkeitserfolge, den der Antrag in der ganzen gebildeten Welt erzielen lverde, entgegentreten, wenn es sich nicht um einen praktischen Zweck, die Erregung von Instinkten der Massen, handeln würde. Man müsse reden schon wegen des Ansehens unseres Staates, und man habe ein gutes Recht auf den Schutz der Regierung. — Baurath S t i a ß n N führt aus, daß man in einer Eingabe an die Regierung die Verantwortungen seststellen und die Regierung aufmerksam machen müsse, daß Bürger des Staates in Folge dieser Agitation an Ehre, Eigenthum und Leben bedroht seien. — Herr Julius Reitl i n g e r verlangt besonders den Schutz der Juden in der Provinz. Hierauf wurde auf Antrag des Vorsitzenden Herrn Dr. Stern folgende Resolution einstimmig angenommen: „Ein Abgeordneter, unterstützt von gleichwerthigen Gesinnungsgenossen, hat am 3. d. M. im niederösterreichischen Landtage eine Interpellation eingebracht, welche Ivie alle seine Enunciationen jeder Logik und jedem Rechtsgefühle spotten und welche wir — wie Alles, was der Genannte thut — mit Verachtung und

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