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Der Israelit · 1900-04-09 · Heft 29 (9.4.1900) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 29 (9.4.1900)
Date
1900-04-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
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602 ein äußerst günstiges, indem aus demselben eine Mehr- Einnahme von Mk. 744.50 zu ersehen ist und sich daher das Vermögen des Vereins auf Mk. 5347.93 gehoben hat. In Folge dieser glänzenden Bilanz ist vom Vorstande folgende Abänderung des Paragraphen 46, Absatz 2, der Statuten vorgeschlagen worden: „Hat ein Mitglied demnach 52 Wochen, gleichviel ob ununterbrochen oder mit Unterbrechungen, das festgesetzte Krankengeld bezogen, so kann dasselbe erst, nachdem es zwei volle Jahre von der 52. Woche an kein Krankengeld mehr erhalten hat, wiederum für 52 Wochen Krankengeld und zwar in den ersten 26 Wochen 10 Mk., in den folgenden 26 Wochen 6 Mk. erhalten. Jedoch sollen dem Mitgliede, welches dem Verein mindestens 10 Jahre angehört und nicht mehr als 26 Wochen Krankengeld erhalten und von dieser letzten Woche an gerechnet in den darauf folgenden fünf Jahren kein Krankengeld bezogen hat, das bereits empfangene Krankengeld nicht in Anrechnung gebracht und mit der höchsten Rate die Zählung der Wochen wieder angefangen werden. Diese Bestimmung kann indeß nur einmal stattfinden. Von der letzten 52. Woche der zweiten obenstehenden Periode hören alle ferneren Ansprüche auf Krankengeld auf. Dagegen steht den Mitgliedern nach wie vor ein Anspruch auf freie ärztliche Behandlung durch den Vereinsarzt und verordnet Medicamente zu." Womit sich die Anwesenden einverstanden erklärten. Nachdem die weitere Tagesordnung, welche sich auf Ergänzungsbezw. Neuwahlen und zwar zum Vorstande, als Ersatzmänner, Revisoren und Mitglieder des Schiedsgerichts erstreckten, erledigt wurden. schloß der Vorsitzende, Herr Joseph Meyer, die Versammlung. Köln, 4. April. Vergangenen Dienstag veranstaltete der jüdische Geselliqkeitsverein „Achawah" einen Familien-Unterhaltungsabend. Es wäre eigentlich keine Veranlassung vorhanden, an dieser Stelle eines solchen Felles Erwähnung zu thun, aber der Umstand. daß ein nach streng-ritueller Weise hergestelltes Buffet und Wein in einem Kreise, der aus den neoloasien Mitgliedern theilweise besteht, verabreicht wurde, bedingt als ein Zeichen der Zeit öffentliche Besprechung. Ein der aesetzestreuen Richtung angehörendes Mitglied leate out Grund jüdischer Anschauungen die Nothwendiakeit eines ..Bruderschaftsvereins" dar und der glänzende Erfola der Rede war. daß zwölf Anwesende ihren Beitritt dem Vereine anmeldeten. Der Abend verlief dank der reaen aetiven Betbeiligung von Mitgliedern und Nichtmitaliedern bei musikalischen, humoristischen und Gesangsvorträgen äußerst amüsant. (Vor einiger Zeit landen bekanntlich hier Festlichkeiten jüdischer Vereine statt, an denen „nicht koschere" Speisen verabreicht wurden.) Borken i. W., 2. April. Mit dem gestrigen Tage schied Kerr Lebrer und Cantor M. D e i l e r aus unserer Mitte. Seine im zartesten Alter stehenden Schüler, denen er nicht blos Lehrer und Erzieher, sondern auch in innigster fürsorglicher Liebe verbunden war, ahnten vielleicht den bevorstehenden Verlust. Man sah es beiden Theilen beim Scheiden an, wie innig die kleinen Herzen mit dem ihres Lehrers verwachsen waren. Und nicht nur hat sich Herr Deiler bei seinen Schülern ein bleibendes Denkmal gesetzt, sondern auch in den Herzen Derjenigen, die ihn kannten, ein freundliches Andenken hinterlassen. Sein freundlich biederes Wesen, sein edler Charakter, öffneten ihm die Thore zu allen Gesellschaftskreisen und ist es nicht blos die israelitische Gemeinde, die ihn so unaern scheiden ließ, sondern auch mancher Freund und Bekannter unserer Borkener Mitbürger drückte ihm beim Scheiden wehmllthig die Hand. Ein herzliches Lebewohl dem Scheidenden! Ein heißer Wunsch für ferneres Wohlergehen auf allen Lebenswegen und ein letzter Händedruck auf ein frohes Wiedersehen! I. Unterfranken, Ende März, moi m w haben wir schmerzvoll bei der Nachricht von dem plötzlichen Hinscheiden des Herrn Lehrer Moses G o d - lewsky in Gerolshofen am Abend des 19. v. Mts. ausgerufen. Gewiß, wer wie wir Gelegenheit hatte, den Mann kennen und würdigen zu lernen, der wird diesen Schmerz mit uns theilen, der wird empfinden, daß der Tod dieses seltenen Mannes nicht nur einen schweren Verlust für die bangeprüfte Familie und für die Gemeinde, sondern auch für das Allgemeine, für den bbz bx-iK” bedeutete. Herr Godlewsky war sozusagen ein vor allem ein "Ln, ein 'rt x*v, ein reiner, hoher Charakter, selbst- und anspruchslos wie selten einer, musterhaft in Pflicht- und Berufstreue. Von guter, ehrenwerther Familie in Rußland stammend, war er niit reicher Thorakenntniß ausgestattet, ein Gelehrter in und B'ps's: B"t? sein Hebräisch war klassisch und bewundernswerth. Seit Jahrzehnten in Bayern naturalisirt, hat er sich rasch die Kenntniß im Deutschen ungeeignet, so daß er nicht nur den gesetzlichen Ansprüchen für den Lehrerberuf mehr als genügte, sondern auch bei den kgl. Behörden, bei Vorgesetzten und Collegen, sowie in der Gemeinde und deren Umkreis in hohem Ansehen stand. Bei seiner seltenen Begabung und seinem energischen Willen war es ihm gelungen, bisher ihm fremde Kenntnisse und Fähigkeiten sich anzueianen, ward ein gewandter, angenehmer pn, ein tüchtiger B^tr, ein geschickter Site und erlernte noch in späteren Jahren Stenographie und Schriftmalerei. Was er für die Ausbildung seiner Kinder, die ebenfalls von besonderer Begabung, gethan und geleistet, erregte allgemeine Bewunderung. Von seinen fünf Söhnen studierte einer Medizin, der bereits als tüchtiger Arzt praktizirt, die vier anderen ließ er als Lehrer ausbilden und suchte sie so der rrto'i rrvn zu erhalten. So hatte Herr Godlewsky im engeren Kreise gelebt und gewirkt, bis eine tückische Herzkrankheit seine Schaffenskraft lähmte und ihn schließlich im besten Mannesalter, im 67. Lebensjahre, dem Tode überlieferte. Hart empfindet die trauernde Wittwe mit ihren

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