Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 29 (9.4.1900)
- Date
- 1900-04-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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601 brechen, die seine Wohnung von dem Kassenschranke des Millionärs trennt. Als gelernter Schlosser sei es ihm leicht, diesen Schrank zu ösfnen und einige Hum dertsrancsbillets herauszunehmen, um damit sein zerrüttetes Geschäst wieder neu zu beginnen. Sobald er in der Lage wäre, wolle er das Geld wieder zurücklegen, wie er es genommen. Der reiche Banquier werde voraussichtlich den Verlust gar nicht merken und ihm selber sei damit die Möglichkeit gegeben, sich und seine Familie vor Noth und Schande zu schützen. Erlauben Sie mir das, Herr Rabbiner!" „Was hätten Sie diesem Alaune geantwortet?" „Nun. das kann doch nicht zweifelhaft sein, daß Sie es keinem Menschen erlauben können, sich durch Diebstahl eine Existenz zu gründen." „Warum denn nicht?" „Sie scherzen, Herr Rabbiner! Ich brauche Ihnen doch nicht zu sagen, daß es in den Zehngeboten heißt: „Du sollst nicht stehlen!"?" „Sie haben Recht, so dachte ich auch, und so denke ich auch heute noch. Aber in denselben Zehngeboten steht doch auch: „Gedenke des Sabbat, ihn zu heiligen!"" Seitdem hatte der Grand-Rabbi vor dem Fragesteller Ruhe. — Aber unsere Sonntagsjäger kaffen sich nicht so leicht aus dem Concept bringen. Sie sind deßhalb hübsch vorsichtig und sprechen nur von allgemeinen Reformen, ihre wahre Herzensmeinung, die Abschaffung des Sabbat und seine Verlegung auf den Sonntag, behalten sie dagegen wie einen guten Trumps bis zuletzt in der Hand und thun ganz entrüstet, wenn Jemand das Kind bei seinem rechten Namen nennt. Wenn daher der Verfasser dieser Lamentos, dem die Redaction das Zeugniß eines besten jüdischen Herzens ausstellt, den Sabbat nicht mehr halten, aber seine Abschaffung auch nicht so frank und frei aussprechen will, so muß er, um doch etwas gesagt zu haben, irgend etwas zum Vorschlag bringen, wie man so beredt geschildertes Unglück füglich doch pariren kann, wenn es auch nicht ganz abzuwenden ist. Und was schlägt er vor? „Es fehlt uns nicht allein eine zeitgemäße Organisation, sondern es fehlt uns vor allen Dingen ein Konsistorium in Preußen. Glücklich ist das Großherzogthum Baden daran und könnte so leicht als Vorbild dienen. Wenn erst die Juden preußischer Nationalität ein Konsistorium erreicht haben — diese bilden doch die Mehrzahl aller deutschen Israeliten — so wird es sich gar bald um Vieles bessern müssen. Wir treten dann als nicht zu unterschätzender Faktor auf, wir können unsere Wünsche in erheblich deutlicherer Weise, als jetzt zum Ausdruck bringen, es entsteht mehr Rückgrat.-— -Es wird nicht eher um uns besser bestellt sein, als wenn ein Konsistorium ins Leben gerufen wird, und da würden meiner bescheidenen Ansicht nach der weitverzweigte Deutsch-Israelitische Gemeindebund, die deutschen, preußischen Rabbiner und die Gemeindevorsteher zu einer Synode berufen werden müssen, um das Weitere in die Wege zu leiten." Jetzt wissen wir's. Es lohnte sich, doch einmal eine Entdeckungsreise in das glückliche Großherzogthum Baden zu machen, um sich persönlich zu überzeugen, wie sic sich dort alle mit ihrem „Oberrath der Israeliten" so unbändig freuen, wie dort die Selbstlosigkeit so weit gediehen ist, daß die erdrückende Mehrheit der badischen Synagogengemeinden diesen Apparat gern ihren preußischen Schwestergemeinden überlassen und zwar nicht nur probeweise, sondern dauernd, lvie es dort keine Jünglinge mit Seelenkonflikten und bedürftigen Müttern mehr gibt, und das alles hat mit ihrem Singen die badische Konsistoriums-Loreley gethan! Wenn die Expedition, die zu diesem Zwecke entsendet wird, sich auch nock ein wenig westwärts zu wenden beauftragt würde, in das frühere Gallien, so man heute Frankreich nennt, so müßte das die rechte Gegend sein, um Konsistoriums-Studien zu machen. Dort ist ja die Konsistorialwirthschaft zu Hause, dort hat sie ihre Wirksamkeit schon am längsten entfaltet. Dort müssen in Folge dessen auch die Zaddikim und Chassidim wie Pilze aus dem Boden schießen, und die Heiligkeit des Sabbat muß dort respektirt werden, daß es eine helle Freude ist! Die Konsistorial-Mitglieder vor allen müssen da mit dem leuchtenden Beispiel der Sabbatheiligung vorangehen; wenn ein Konsistorium uns den Sabbat wirklich wiederbringt, dann muß dort der enüge Weltsabbat schon lange angebrochen fein! Rein, nein, dieses Verlegenheitsmittel ist so durchsichtig kindisch, daß es selbst die „Allgem. Ztg. d. I." einsieht und sie das Ganze mit dem Satze schließt: „Ob gerade ein Konsistorium alle diese Fragen lösen könnte, scheint uns mehr als unwahrscheinlich." Und mit diesen Armseligkeiten glauben erhitzte Sonntags-Juden-Gemüther wirklich die alte Gottesinstitution des Sabbat bei Seite schaffen zu können. In dem Kampfe mit diesen Sabbatstürmern kann einem eine Ahnung von der Seelenstimmung aufgehen, wie sie Friedrich den Großen erfüllte, als er seinen Ausspruch that: „Und mit diesen Mameluken muß ich mich herumschlagen!" Zettrrrrg-«achrichterr und Eorresponverrzerr. Deutschland. .Hamburg. „Verein „Tifereth Bachurim" (Eingeschriebene Hilfslasse Nr. 136). Am 21. März hielt dieser Verein (Mitgliederzahl: 128 männliche, 71 weibliche und 5 Kinder) seine diesjährige General-Versammlung ab. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete „Rechnungs-Ablage und Berichterstattung." Das Resultat der Abrechnung für das Jahr 1899 ist