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Der Israelit · 1900-04-05 · Heft 28 (5.4.1900) · page 28

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 28 (5.4.1900)
Date
1900-04-05
Page
– (sequence 28)
Language
German
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594 ruhte auf ihnen mit väterlichem Wohlwollen. Dieses innige Verhältniß befähigte ihn auch, die Schule nicht nur auf der Höhe zu halten, wie er sie von ihrem großen Gründer empfangen, sondern auch ihre Leistungsfähigkeit stets zu steigern, und ihr in weiten Kreisen die Anerkennung zu gewinnen, deren sie sich mit Recht allseitig erfreut. Vor allem aber, und das wollen wir uns stets wiederholen und vor Augen halten, vor Allem galt es ihm, den Geist und d i e Gesinnung zu entwickeln und zu pflegen, deren Ausdruck von je auf der Standarte unserer Schule prangte, unseren Wahlspruch:! px "j*n cy min mPn nc strenge Religiosität im Verein mit moderner Bildung! Fest, mit allen Fasern seines Herzens in unserer alten überlieferten nrnp-i mm unserer heiligen Lehre, wurzelnd, war er ganz ein Sohn unseres großen Jahrhunderts, ein durchaus m o d e r n er Mensch, und wußte die moderne Lebensanschauung zu berichtigen und zu bereichern, und zu d u r ch g e i st i - gen mit der Gottesfurcht unserer großen Väter. In diesem Sinne offenbarte er unserer Jugend den Geist der jüdischen Gesetzeslehre, in diesem Sinne führte er sie ein in die herrlichen Bücher unserer Propheten. Formvollendet, in meisterhafter Rede floß der Vortrag von seinen Lippen und oft hat er seine Secundaner und Primaner zu Thränen hingeriffen. Und wenn im Wechsel des Jahres die Haftoraus und Piutim an uns vorüberziehen, so lesen, so verstehen wir sie in seinem Geiste. Und weil wir von der Richtigkeit und der ungeheuren Wichtigkeit dieser Weltanschauung und dieser Auffassung des Judenthums so durchdrungen sind, darum blickten wir alle, seine Mitarbeiter, voll Vertrauen zu ihm auf, denn wir wußten, daß, so lange das Steuer in seiner kraftvollen, erprobten Hand ruhte, der Kurs unseres Schiffes der alte blieb, unbeirrt, unverwandt gerichtet auf das Hochziel der Vereinigung aller Ideale: px yn oy mm! — — Run ist er dahingegangen, zu früh, ach, allzufrüh für uns, nach unerforschlichem Rathschluß hinweggerissen mitten aus rüstigem, emsigem, unermüdetem Schaffen. Und da ergeht in dieser ernsten Scheidcstunde der Ruf an uns, das Erworbene festzuhalten, weiter zu wirken und zu wachen, auf daß jener Geist lebendig bleibe in uns und in unserer Schule!- Und nun wende ich mich zu Dir, bringe Dir den Scheidegruß: mmm 'v^x ms Verklärter Meister! Dank, innigen Dank zollt Dir Deine Schule, die Hirsch 'sche Schule, ewigen Dank! Mit unauslöschlichen Lettern iss Dein Name, Deine gesegnete Wirksamkeit in ihren Annalen eingegraben. Ein reiches Lebenswer? hast Du vollbracht! So rufe ich Dir denn die Worte des Propheten zu: nnxi gehe hin und erfülle das Dir bestimmte Geschick,—rrum genieße die verdiente Ruhe, - -zb-wbmsyni pm pb und erstehe dereinst wieder auf nach dem Willen Deines Schöpfers am Ende der Tage! fax. Herr Josef Kösterich: Im Aufträge des Rektors, Herrn Benjamin Falk, der es tief bedauert, in diesem Augenblicke nicht hier stehen zu können, und im Namen des Lehrkollegiums der Israelitischen Volksschule, ist mir die traurige Verpflichtung geworden, es hier am offenen Grabe auszusprechen, was der theure Dahingeschiedene, dessen irdische Ueberreste wir hier trauernd umstehen, der Israelitischen Volksschule und ihren Lehrern gewesen ist. Er war es, der die erste Anregung zur Gründung der Volksschule gegeben hat. Galt es doch, den weniger beglückten Kindern eine Stätte zu schaffen, in welcher sie in liebevoller Weise zur Religion der Väter herangeführt und mit dem nothwendigen Wissen für das Leben ausgerüstet werden sollten! Mit 40 Kindern wurde vor 19 Jahren die Schule gegründet, und unter seiner Leitung entwickelte sie sich so, daß nunmehr nahezu 400 Kinder in seinem Geiste in ihr Unterricht erhalten. Er hat es mir gegenüber, der ich ihm im Leben nahe gestanden, wiederholt ausgesprochen, daß die Volksschule seine liebste Schöpfung sei, und wie der Vater für sein Lieblingskind, so suchte er für die Volksschule zu sorgen. Und noch kaum vor Jahresfrist sprach er es in feierlicher Stunde, als er die Leitung der Schule, die er in so uneigennütziger Weise während 17 Jahre geführt, in andere Hände legte, begeistert aus, daß er sich glücklich schätze, es erlebt zu haben, daß die Schule nunmehr die Selbstständigkeit erlangt habe, die er für sie erstrebt. Und nun gestatten Sie mir, aus dem reichen Schatze des so herrlichen und köstlichen Lebens des leider auch für uns nur allzufrüh Dahingegangenen zu all' dem Schönen, das Sie vernommen, noch einige Züge hinzuzufügen. Bei den Berathungen über die früher gebräuchlichen Auszeichnungen der fleißigen und braven Schiiler — wie kam es da wohl vor, daß wir unter seinem Vorsstze länger denn anderthalb Stunden über ein einzelnes .Kind uns besprachen, welchen Grad der Auszeichnung ihm zuerkannt werden sollte! Und wenn Sie bedenken, daß diese Berathungen zu einer Zeit stattfanden, während welcher in der Realschule die Examina vor sich gingen, zu einer Zeit, in der die Versetzungsconferenzen und die so ermüdenden und anstrengenden öffentlichen Priifungen jener Schule stattfanden, werden Sie das Hochherzige solcher Handlungsweise ermessen können! Und um wen und um was handelte es sich dabei? Nicht etwa um das Kind eines mit Gütern gesegneten oder sonstwie reichen Mannes — nein! — es handelte sich darum, ob das siebenjährige Töchterchen eines galizischen Hausirers eine Jabreslobkarte oder ein kleines Märchenbuch, eine Hagadab, eine sogenannte Prämie erhalten sollte! Diese liebevolle und gerechte Behandlung aller Kinder ohne Unterschied war es, die ihn aus-

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