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Der Israelit · 1900-04-05 · Heft 28 (5.4.1900) · page 27

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 28 (5.4.1900)
Date
1900-04-05
Page
– (sequence 27)
Language
German
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593 gegeben werden sollen, knüpfte eine gründliche, von allen Rednern mit hervorragender Sachkenntniß geführte Debatte an, deren Ergebniß die Annahme nachstehender, von Herrn Rabbiner Dr. Werner begründeter Resolution bildete: I. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen aus dem Boden des gesetzestreuen historischen Judenthums stehen. II. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen ihre Schüler zu tüchtigen, erwerbsfähigen Juden heranbilden. III. Die jüdischen Schulen in Palästina sollen neben der Landessprache in erster Reihe die hebräische Sprache pflegen. 1^'. Die Conferenz ernennt eine Commission, welche die Aufgabe hat, das Schulwesen in den von den „Chowewe Zion" (Colonisations-Vereinen) subventionirten Colonien zu regeln und zu beaufsichtigen. In die Commission wurden gewählt die Herren Rabbiner Dr. Horovitz und Prof. Werner-Frankfurt a. M., Dr. Brann-Breslau, Prof. Dr. Martin P h i l i p p s o n - Berlin, Oberrabbiner D. S i m o n - s en - Kopenhagen, Rabbiner Dr. Werner-München, D. Abrahams-Amsterdam, S. Benedict und Bernard Lazare Paris, Dr. S. A. Hirsch-London; ferner wurden dem russischen Verein drei Sitze Vorbehalten. Den letzten Berathungsgegenstand bildete das Referat des Herrn Rabbiners Dr. Werner - München über Propaganda. Redner führte mit großer Wärme aus, daß die unzureichenden Mittel den Vereinen, so anerkennenswerth ihre bisherigen Leistungen sind, keine dem Bedürfnisse auch nur annähernd entsprechende Wirksamkeit ermöglicht haben. Die stetig wachsende Roth unserer Brüder im Osten, wo zu den alten Leiden der Jammer und das Elend in Galizien und Rumänien hinzugekommen seien, müsse ein Ansporn sein, alle Kräfte einzusetzen, um die Opferwilligkeit zu wecken. In der kurzen Discussion wurde die Propaganda-Commission aufgesordert, aus dem bisher eingeschlagenen Wege sortzufahren und mit den Seitens der Vereine zur Verfügung gestellten Mitteln für die Ausbreitung und Steigerung des Interesses für die Colonisations- Vestcebungen thätig zu sein. Von Herrn Bernard Lazare wurde folgender Antrag eingebracht: „Die in Frankfurt a. M. versammelte Conferenz der „Chowewe Zion" ersucht das Central-Komitee, das Projekt der Errichtung einer Bank zur Entwickelung der Colonisation und der Industrie in Palästina wiederaufzunehmen." Der vorgerückten Stunde wegen wird der Antrag ohne Debatte der Propaganda-Commission zum Studium der Angelegenheit überwiesen. Herr.Joseph Wisloch dankte Namens des Präsidiums den Delegirten für ihre eifrige Theilnahme an den Berathungen und spricht die Zuversicht aus, daß recht bald ersprießliche Resultate der gemeinsamen Arbeit in die Erscheinung treten werden. Nachdem hierauf die Herren Dr. H. Hildesheimer und Bernard l Lazare dem Vorsitzenden für seine vortreffliche Leitung! der Verhandlungen, den Frankfurter Herren und Vereinen für ihre Gastfreundschaft wärmsten Dank abgestattet, schloß eine glänzende Ansprache des Herrn Rabbiners Dr. Horovitz, welche den Segen des Allmächtigen für das begonnene Werk erflehte, die bedeutsame Conferenz, in welcher zum ersten Male alle in Palästina praktisch th'ätigen Vereine zu gemeinsamer Berathung sich zusammengefunden hatten. Director Dr. ftlendel Hirsch T*. Reden, gehalten an dessen Bahre am 30. März. *) Herr Manfred Goldfchmidt: Als Beauftragter und im Namen des Schulrathes der Realschule und der höheren Töchterschule unserer Gemeinde, der Israelitischen Religionsgesellschaft, trete ich an diese Bahre, um Abschied zu nehmen von unserem hochverehrten Director Dr. Hirsch s. A., um Abschied zu nehmen von der irdischen Hülle des Mannes, dessen Kraft seit nahezu 45 Jahren der Erziehung unserer Jugend gewidmet war und in dessen Hand die Leitung unserer Unterrichtsanstalten seit mehr als 20 Jahren rubte. Ich sage: Abschied zu nehmen von seiner irdischen Hülle, denn sein Geist, so vertrauen wir, der Geist, den er von seinem großen Vater s. A. geerbt, wird weiter leben in den Herzen der Männer und Frauen, der Jünglinge und Jungfrauen, die je zu seinen Füßen gesessen und die das Glück hatten, seinen begeisterten und begeisternden Worten zu lauschen. Die ganze große Bedeutung dieses vielseitigen edlen Geistes zu würdigen, diese Aufgabe ist berufeneren Rednern überlassen; an mir ist es, dem Heimgegangenen an dieser Stelle den Dank der Schulverwaltung auszusprechen für die treue Hingabe, mit welcher er in all' diesen Jahren seiner hohen und schweren Aufgabe gerecht wurde. Nicht die Erfüllung einer lästigen Amtspflicht war ibm die Leitung dieses großen, vielgestaltigen Organismus, sic war ihm ja so an's Herz gewachsen, seine Schule, sie war ihm wie sein Fleisch und Blut; und mit welch' inniger Liebe er an ihr hing, das konnte wohl Niemand klarer erkennen, als wir, seine Collegen im Schulrath, die so häufig mit ihm zusammen kamen, um über die Wohlfahrt der Schule mit ihm zu berathen. Kein Vater konnte besorgter um die Glieder seiner Familie sein, als er es war für das Wohlergehen der ihm anbertrauten Jugend sowohl, wie der ihm zur Seite wirkenden Lehrer. Er kannte sie alle, die großen und die kleinen Pflanzen in seinem Garten, und sein Auge *) Wir bringen die Reden nicht in der Reihenfolge wie sie am Grabe gehalten wurden, sondern, um keine Verzögerung im Abdruck eintreten zu lassen, so wie sie bei uns hier ein-egangen sind. Red. des Jsr.

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