Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1900)
- Date
- 1900-04-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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577 bifinnen ihres Elternhauses in sich ausgenommen und denselben in ihrem eigenen Heim nnb in ihrem ganzen Streben unb Trachten nachzuleben verstanden. Kaum kann ein glücklicheres Heim gedacht werden, als dasjenige. in welchem sie, die gleichgesinnte Gattin des hochgestimmten Gatten, alle Eigenschaften einer echtjüdischen nj?"* ne-s in herrlichster Weise offenbarte, dem nur auf fTcn rb'cr rn:zv gerichteten Sinn ihres Mannes durch Wirten in gleicher Art und Richtung folgend und gehorchend und in nie gestörter Harmonie ihm des Lebens Lasten und Freuden in allen Theilen tragend. Und auch als der Tod N. Jizchak Lange's ‘n diesen Lebensbund schied, erwies sich die ileberlebende würdig der Ueberlieferung, die aus Elternhaus und eigenem Heim in ihr verkörpert waren, und, ohne zu klagen und zu ermatten, unterzog sie sich der schweren Aufgabe, ihren frühverwaisten Bindern den Vater zu ersehen, sie zu frommen, braven Jehudim und brauchbaren Menschen zu erziehen und die Liebe zur Thora in ihrem Herzen lebendig zu erhalten. Aber nicht nur auf ihr Haus erstreckte sich ihre Liebesthätigleit, sondern überall, wo es Menschenleid zu lindern, wo es Gutes zu schaffen galt, war sie der Unermüdlichsten eine. Als des Alters Nähe sich ankündigte, zog sie vor 2 Jahren zu ihren Kindern nach Frankfurt a. M., und erst im Tode sollte sie hierher zurückkehren, um an der Seite des Gatten die letzte Ruhestätte zu finden. Am Grabe gab zunächst Herr Rabbiner Dr. Lange- Warburg dem Schmerze der Kinder um den Verlust dieser Mutter ergreifenden Ausdruck: hierauf schilderte Herr Rabbiner N o b e l in kurzen, meisterhaften Zügen ihr Wirten in der Gemeinde und für dieselbe, und zum Schluffe rief Herr Mich. A b r a h a in s - Amsterdam, ein Schwiegersohn der Dahingegangenen, ihr schmerzoiirchbebt einige Worte des Abschiedes nach. Ihr Andenken wird mit dem ihres Gatten nie aus dem Gedächtnist unserer Gemeinde schwinden. nx'2 -j? s,p,rr. O e st e r. - U n g . M o n a r ch i e. Olmüt;, 2. April. Die israelitische Cultusgemeinde ist mit der Stadtgemeinde in hartnäckigen Conslict gerathen. Die beiderseitigen Friedhöfe, die nun als der Stadterweiterung hinderlich anfgelassen tverden müssen, lagen nebeneinander, während Eigenthum und Verwaltung g streunt waren. In gleichem Sinn verstanden cind acceptirten die Juden den Vorschlag der Stadt, einen neuen Centralfriedhof zu errichten, doch da sich nun herausstellt, das; die Stadt Eigenthum und Verwaltung auch des Judensriedhofes beansprucht, wies der erweiterte Ausschuß der Cultusgemeinde unter dem Druck der ganzen Judenschaft, einstimmig alle, beständig modificirten Stadtanträge bedingungslos j ab. Da nun auch die Stadt, gestützt auf das Reichs- , sanitätsgesetz vom Jahre 1870 und ihren Einfluß bei allen Behörden von ihrem Rechte nicht läßt, wird es wahrscheinlich zu einem Spruch des Verwaltungs-Gerichtshofes kommen, der sich in ähnlichen Fällen wiederholt zu Gunsten der Juden entschied. Um die Cultusgemeinde zum Ansharren zu bewegen, berief der Verein „Zion" am 8. v. M. eine Versammlung ein, in der Rabbiner Oppenheim referirte. Es liege den Juden weniger an der materiellen Einbuße, die immerhin 1000 Gulden jährlich betrage, als an der Beeinträchtigung ihrer ihnen durch Statut verbürgten Autonomie. Auch können sie sich die unbehinderte Bethätigung der ihnen stets so theueren Pietät nicht gefährden lassen. Eine dahingehende Resolution wurde gefaßt. Italien. Asti, Ende März. Der verstorbene A r t o in hat auch viel Gutes für die hiesige Stadt gethan, wo er im .Kreise seiner Familie stets, wenn er Rom-müde war, zu loeHen vflegte. Die Stadt hat beschlossen, ihm ein Grabdenkmal zu errichten, und da der Botschafter in Wien, Graf Nigra, der gleichfalls einst Secretär Cavonr's gewesen, dem Entschlafenen besonders nachestand, so wendete sich der Sindaco an den Grafen mit der Bitte, das Epitaph für das projectirte Grabdenkmal abzufassen. Graf Nigra hat dem Ansuchen des Sindaco bereitwillig Folge gegeben und eine Inschrift verfaßt, die in deutscher Uebersetzung ungefähr folgendermaßen lautet: „Jsacco Artom, geboren in Asti, gestorben in Rom.Senator des Königsreichs, Freund und Secretär des Grafen Cavour, über den er denkwürdige Blätter geschrieben — ein Rathgeber, auf den in der Epoche der Einigung Italiens die hervorragendsten Staasmänner, welche die Schicksale des Landes lenkten, zu hören pflegten. Er widmete seinen erlesenen Geist und seine treue Arbeit seinen Königen, Italien, dem geliebten Geburtsorte Asti. Er hinterließ Zeitgenossen und Nachkommen ein Beispiel dessen, wie man sich öffentlich und privat mit Auszeichnung bethätigt. Er gab das Beispiel eines mühereichen Daseins, eines Mannes von Herz, eines unbefleckten Charakters und einer Bescheidenheit, die auf der Höhe seiner Verdienste war. — Die Stadt Asti decretirte dieses Denkmal der Erinnerung an den edlen Mitbürger." A m e r i k a. Rcwyork, 28. März. Das hiesige Blatt „World," eines der bedeutendsten Blätter Amerikas, veröffentlichte kürzlich folgende Notiz: „Eine antisemitische Vereinigung in Rumänien wendete sich kürzlich an die Behörden von Madrid mit dem Ersuchen, ihr einige der alten Verordnungen zur Verfügung zu stellen, durch welche Spanien in den Zeiten der Inquisition in die Lage versetzt wurde, sich der Juden zu erwehren. Die Antwort, die ein hoher Beamter in Madrid gab, dürfte kaum für die Anfragenden zufriedenstellend gewesen sein, denn sie lautete folgendermaßen: „Wir haben keine Zeit, die tobte Vergangenheit auszugraben: allein wenn es Ihnen ohne große Mühe möglich ist, uns irgend ein wirksames Mittel bekannt zu geben, durch welches wir die Juden wieder nach Spanien zurücklocken können, dann werden wir Ihnen sehr verbunden sein, denn die