Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1900)
- Date
- 1900-04-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449049-2449077--50448-2500877- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
574 Kopf, „der Hausarzt der Baronin ist Sanitätsrath Berger; der gefällt mir durchaus nicht und ich glaube, er gefällt dem jungen Baron auch nicht. Könnten Sie seine Behandlung nicht übernehmen?" „Ercellenz, ich behandle Jeden, der mich dazu ausfordert, aufdrängen kann ich mich jedoch Niemanden." „Gewiß nicht, es war eine Unüberlegtheit meinerseits — ich muß selbst mit der Baronin sprechen. Jetzt will ich Sie jedoch nicht langer aufhalten, Herr Doctor, augenblicklich steht der Baron jedenfalls noch in Ihrer Behandlung. Sobald Sie wünschen, daß angespannt werde, wollen Sie mich es wißen lassen." Sie grüßte und schritt eilends dem Salon zu, während Dr. Kühn sich wieder in das Zimmer begab, in dem man den Baron untergebracht hatte. Dieser hatte sich inzwischen bemüht, seine Mutter zu bewegen, sich gleichfalls wieder in den Salon zu begeben, davon wollte die Baronin jedoch nichts hören. „Nicht wahr, Herr Doctor," wandte sich Hugo an den wieder eintretenden Arzt, „ich bedarf doch keiner Pflege, meine Mutter könnte unbesorgt sich wieder zur Gesellschaft begeben." „Unbesorgt," stimmte der Arzt bei. „Dem Herrn Baron würde ich jedoch empfehlen, anspannen zu lassen und nach Hause fahren, und obgleich ich nahezu überzeugt bin, daß der Anfall sich nicht wiederholen wird, würde ich doch rathen, noch heute Ihren Hausarzt kommen zu lassen." Die Baronin nickte zuftimmend. „Ich werde sofort den Sanitätsrath rufen lassen." „Nicht doch, nicht doch, liebe Mama," bat Hugo, „wenn ich denn durchaus unter ärztliche Kontrolle soll, so wäre mir die des Herrn Doctors weit sympathischer. — Sie würden doch die Güte haben, Herr Doctor?" „Das kommt auf die gnädige Frau an," versetzte der Arzt. „Ich bitte, mein Zögern nicht mißdeuten zu wollen," entgegnete die Baronin mit süßsaurer Miene, „der Herr Sanitätsrath ist seit zwanzig Jahren unser Hausarzt —" „Da begreife ich vollkommen, daß die gnädige Frau ihn jedem andern Arzte oorziehen." „Aber ich ziehe ihn nicht vor," fiel der junge Mann irritirt ein, „ich bitte sehr, liebe Mama." „Nun, wenn Du es durchaus willst, da werden Sie sich wohl entschließen müssen, Herr Doctor, die Behandlung dieses eigensinnigen Kindes zu übernehmen." Der Doctor verneigte sich, während Hugo die Hand seiner Mutter an die Lippen zog. „Wenn es den Herrschaften gefällig wäre, würde ich den Auftrag ertheilen, daß angespannt werde." „Ja bitte, haben Sie die Güte," erwiederte der Baron lebhaft, „und wenn der Herr Doctor mit mir nach Hause fahren würde, dann könntest Du, liebe Mama, doch sicher unbesorgt hinüber zur Gesellschaft gehen." „Liegt Dir daran denn so viel?" „Sehr," versicherte er, „es würde dann doch um einen Schein weniger tölpelhaft aussehen." Sie schüttelte den Kopf. „Du bist ein wirkliches Kind, dock wenn Du gar so großen Werth darauf legst — und wenn der Herr Doctor —" „Die gnädige Frau können unbedenklich den Wunsch des Herrn Barons erfüllen, ich werde mit in Ihre Wohnung fahren und dort die Heimkehr der Frau Baronin abwarten." „Nun also, sei's drum. — Adieu, liebes Kind! Auf Wiedersehen Herr Doctor!" Sie winkte grüßend mit der Hand und verließ das Zimmer. (Fortsetzung folgt.) Der „Israelit" erscheint wöchentlich zweimal. .Montags and Donne**»tag;s, jedesmal tu mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Vrv Vnchhsndrl verkehrt ituräj V. jff. S tri n u ck e r, Veiprig, Rastplatz J6. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. Preis ver Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Tirecte Francozusenduug unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 16 Kronen österr., für s Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Situ Rücksendung der <m die Red actio« etagcfanbten Mannferipte findet nicht statt, man bittet deshalb, sich von attttt Sinsendungen eine Copie znrückzubehalteu Stellenfnchende erhalten auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugefandi. Ebenso stunde« wir auf Wuufch die Zahlung deS JufertionsbetragS an außer Stelle Befindliche biS nach Erlangung einer solchen. Anhalt: (Hauplblolt) Leitender Artikel: Zur Erinncrung au Direktor Dr. Mendel Hirsch — Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland: Berlin Köln. Eassel. Jnowrazlaw. Stolzenau a. W. Warmbrunu. München- Oesterr.-Ung. Monarchie. Prag. Pest Lemberg. — Feuilleton: <§lsa. (Fort etzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Mendel Hirsch — Zeitungsnachrichten u. Correfvondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Hamburg. Halberstadt. Oester.-Nng. Monarchie: Olmüy Italien: Asti. Amerika: Neivyork. Rußland: Kiew. — Vermischtes. Javati der zweiten Bettage: Literarische Umschau. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Berlin. Meiningen. Bruchsal Oesterr.-Ung. Monarchie: NikolSbnrg. — Vermischtes. Inhalt der dritten Beilage: Leitender Artikel Konferenz der in Palästina thätigen Vereine. — Director Tr. Mendel Hirsch 7"i. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. - Expedition des „Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'scheu Hofbuchdruckerei Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.