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Der Israelit · 1900-04-05 · Heft 28 (5.4.1900) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 28 (5.4.1900)
Date
1900-04-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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573 Bon allen Seiten rief man dem jugendlichen Redner anerkennende Worte zu, und sichtlich erfreut über den Beifall, den schon der Anfang seines Maidenspeech zu finden schien, toar er im Begriffe, dieselbe fortzusetzen; er hob die Hand, seine Lippen bewegten sich — Da — plötzlich färbte eine Blutwelle das in den jüngsten Tagen etwas bleiche Angesicht des jungen Mannes, ein unartikulirter gurgelnder Laut entrang sich seiner Brust, und wie vom Blitz getroffen, brach er zusammen. Mit gellendem Aufschrei stürzte seine Mutter auf ihn zu, Schrecken und Verwirrung hatte die ganze Gesellschaft erfaßt, während der Hausherr und einige der Herren sich um den Ohnmächtigen bemühten, hatte die Gräfin schleunigst zu ihrem Hausarzt geschickt und Doktor Kühn war rasch zur Stelle. Man hatte den noch immer Bewußtlosen in einem andern Zimmer auf ein Ruhebett gelegt und die Fenster geöffnet, in der Hoffnung, daß der frische Luftzug ihn rascher zur Besinnung bringen werde. Der Arzt ließ jedoch vor Allem die Fenster wieder schließen, die hereinströmende Luft war entschieden zu scharf für den Patienten in leichter Balltoilette und auch für seine Umgebung. Trotz der Bemühungen des Arztes währte es nahezu noch eine Vietelstunde, bevor der Kranke sich regte. Die Baronin lag, ein Bild der Verzweiflung, am Fußende des Ruhebettes auf den Knieen und wies alle Trostesworte der Freundin von sich. „Du wirst sehen, er lvird sich rasch erholen. Nicht wahr, Herr Doktor, es ist keine Gefahr vorhanden?" „St!" flüsterte der Arzt und deutete auf die Augenlider des Ohnmächtigen, an denen man jetzt ein Zucken wahrnahm, die Gräfin drückte der Freundin die Hand und nickte ihr ermuthigend zu. Noch einige Minuten vergingen in athemloser Spannung, dann schlug der junge Mann die Augen auf und blickte mit dein Ausdrucke maßlosen Staunens um sich. „Wie fühlen sich der Herr Baron?" fragte der Arzt, indem er den Finger an das Handgelenk des Kranken legte. „Der Puls wird schon kräftiger," fügte er zu den Damen gewandt hinzu, „der Anfall wird mit Gottes Hilfe ohne weitere Folgen vorübergehen." Gr flößte dem Patienten einige Tropfen ein, sichtlich erfrischt athnrete dieser tief auf. „Äh, Herr Doktor," flüsterte er, „sind Sie heute bei der Kleinen gewesen? Und >vie geht es ihr?" „Gut. recht gut," versicherte der Ärzt, „sie hat das Bett bereits verlaßen und mir viele Grüße an den lieben Herrn Baron aufgetragen." Hugo lächelte, plötzlich aber richtet er sich auf und schüttelte wie abwehrend den Kopf. „Um's Himmelswillen, was ist denn mit mir geschehen? — Um Gott! — Mama, was ist Dir?" „Mir ist nichts, liebes Kind," erwiederte sie lächelnd und doch mit bebender Stimme, „aber wie geht es Dir?" „Wie mir's geht —" er fuhr sich mit der Hand über die Stirne, „ja, wenn ich das wüßte. — Aha, jetzt fällt mir's schon ein, Eomtesse Helene hat mich gequält, ich miißte einen Toast ausbringen, und da bin ich mitten drin stecken geblieben." Er lachte hell auf, die Gräfin nickte ihm lächelnd zu. „Sie könnten Ihre Rede jetzt fortsetzen." „Ja, ja," stimmte er heiter bei und schien aufstehen zu wollen. Der Arzt hielt ihn zuriick, auch die Baronin streckte ihm abwehrend die Hände entgegen. „Hugo! — Um Gotteswillen!" — „Aber liebe Mama, ich fühle mich ganz wohl —" Abermals machte er den Versuch, sich zu erheben, sank jedoch erschöpft wieder zurück. „Der Herr Baron müssen sich fügen," sagte der Arzt lächelnd, „es hat das durchaus nichts zu sagen, aber für heute wäre es doch nicht angezeigt, zur Gesellschaft zurückzukehren." „Ich muß es meinem Manne mittheilen, daß es unserm lieben Patienten schon besser geht," sagte die Gräfin, „die ganze Gesellschaft wartet in Spannung aui diese Nachricht." Hugo zog die Stirne in Falten. „Es ist in Wirklichkeit eine Schande, daß ich Ihnen so viel Unruhe und Verwirrung bereite, ich schäme mich entsetzlich." „Unsinn, Hugo, weßhalb wollten Sie sich schämen' -- Ein Unwohlsein kann Jedem zustoßen." „Aber einem jungen Manne von noch nicht zwanzig Jahren " „Hat sich auch eines Unwohlseins nicht zu schämen," fiel die Baronin ein, „aber überaus leid thut es mir doch, daß wir Euer schönes Fest —" „Aber beste Emma, wie kannst Du nur davon reden. - Doch ich muß um Entschuldigung bitten — mein Mann wartet voll Ungeduld auf Nachricht —" „Lasse Dich doch durch uns nicht weiter stören." „In zehn Minuten bin ich wieder hier. Darf ich Sie bitten, Herr Doetor, auch einen Augenblick mit hinüber zu kommen, Sie werden noch besser als ich im Stande sein, meinen Mann und unsere Gäste zu beruhigen. — Auf Wiedersehen!" — Sie nickte der Baronin und ihrem Sohne freundlich zu und entfernte sich, gefolgt von dem Arzte. Als sie den Eorridor erreicht und die Zimmer - thüre hinter sich in's Schloß gedrückt, blieb sie stehen. „Wie finden Sie den Patienten, Herr Doktor?" Doktor Kühn zuckte die Achseln. „Augenblicklich ist der Anfall vorüber, ich hoffe sogar, daß der Baron sehr bald im Stande sein wird, den Heimweg anzutreten. dock ich fürchte sehr, daß dieser Anfall der Vorbote einer ernsten Krankheit ist." „Großer Gott! — läßt sich denn dem nicht Vorbeugen?" „Gegenwärtig läßt sich gar nichts thun, die Sache muß beobachtet werden. Der Herr Baron müßte baldigst heimfahren und sein Hausarzt müßte noch heute in Kenntniß gesetzt werden." „Sein Hausarzt —" die Gräfin schüttelte den

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