Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 28 (5.4.1900)
- Date
- 1900-04-05
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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570 Köln, 27. März. Die Inhaber der Firma G. Hettlage in Düsseldorf beglückten die „Düsseldorfer Zeitung" mit einem großen, in die Augen springenden Inserat des Inhaltes, daß sie gegen die öfters publicirte Meinung, sie seien Juden, energisch protestiren. Außerdem belieben die Herren noch zu bemerken, daß sie sogar der Judenheit dadurch „nützen," daß sie keine Juden beschäftigen und ihre Waaren auch -principiell nicht an Juden verabreichen. Jedenfalls entsteht den von der Firma Geächteten ein „großer Schaden" dadurch. Daß die breiten Massen immer noch nicht einsehen wollen, daß diese Gebühren weiter keinen Zweck haben, als Geschäfte zu machen; mit anderen Worten: „die Religion wird zu geschäftlichen Zwecken mißbraucht." Caffel, 3. April. Dieser Tage fand am hiesigen israelitischen Schullehrerseminar die Entlassungsprüfung statt, der sich Seminaristen unterzogen. Den Vorsitz führte in Vertretung des an der Theilnahme verhinderten Provinzialschulrathes Dr. Otto der Regierungscommissar Geheimer Regierungs- und Schulrath S t e r n k o p s. Es nahm ferner an der Prüfung Theil der Landrabbiner Dr. Prager. Sämmtliche Prüflinge bestanden und erhielten damit das Recht auf provisorische Anstellung im Schuldienst. Jnowraztaw, 2. April. (Verspätet.) Am 22. v. Monats veranstaltete der Verein Bachurei Chemed in der Wohnung des zweiten Vorstehers des Vereins das 60jährige Stiftungsfest. Neben den Vereinsmitgliedern wurden von dem Vorsteher des betreffenden Vereins die drei hiesigen Rabbiner eingeladen. Die Herren Ortsrabbiner Dr. K o h n , Rabbinatsassessor Dr. T i e tz und Rabbiner Bamberger hielten Reden. Bis nach Mitternacht hielt das schöne Fest die Theilnehmer beisammen, zu dessen Gelingen nicht minder die Sologesänge unseres beliebten Kantors Herrn Fried mann beitrugen. Ttolzonon <*. W. Das von der Kommission des Vereins jüd. Lehrer in der Provinz Hannover bearbeitete Lesebuch für jüdische Schulen ist vollendet und wird theilweise — Fibel nebst Anhang und erster Theil — ,\vr»\ neuen Schuljahr schon im Buchhandel erscheinen. Das Lesewerk ist, den Charakter der jüdischen Schulen berücksichtigend, zweitheilig gestaltet; jedoch bringt die Fibel in ihrem Anhänge noch ausreichenden Stoff für das rweite Schuljahr. Dadurch wird das Werk auch den Ansprüchen complicirter Schulverhältnisse genügen können. Inhaltlich fanden auch manche Eigenthümlichkeiten anderer Provinzen Berücksichtigung, so daß es auch über unsere Heimathprovinz hinaus zur Einführung gelangen kann. Es ist darauf Bedacht genommen, daß die Ausstattung des Werkes allen Anforderungen entspricht. Preis der Fibel, erste und zweite Abtheilung gebunden 60 Pfg., Lesebuch erster Theil gebunden kostet 1.20 M. Verlag Hahn 'sche Buchhandlung in Hannover und Leipzig. Möge das Buch, das einem dringend empfundenen Bedürfniß abhelfen soll, die weiteste Verbreitung finden! Sp. Warmbrunn, 3. April. Das hiesige jüdische Kurhospital, das nunmehr über zwei Jahrzehnte besteht, war auch im vorigen Jahre bemüht, leidenden, dürftigen Glaubensgenossen, die von den Warmbrunner Heilquellen die Herstellung ihrer Gesundheit erhofften, eine Ausnahme- und Erholungsstätte zu bieten. Durch Zinsen eines Grundkapitals, den Beiträgen von Privatpersonen, verschiedenen Gemeinden und Wohlthätig keitsanstalten, wurde eine Einnahme von 3136,0] Mt. erzielt, für welche 41 Personen in der Zeit von Mai bis September vierwöchentlichen vollständig freien Kurgebrauch und Aufenthalt erhielten. An der Unterstützung dieser überaus wohlthätigen Anstalt betheiligte sich wiederum in rühmlicher Weise die Reichsgräflich- Schaffgotsch'sche Badeverwaltung durch Gewährung von Freibädern an 12 Personen. München, 1. April. Mit einem Vortrage des hiesigen nichtjüdischen Professor Dr. Fritz H o m m e l über „Sternanbetung und Monotheismus zu den Zeiten Abraham's und Moses" schloß der diesjährige Vortrags-Cyclus des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur." Der Redner gehört zu den Theologen positiver Richtung; im Gegensatz zu so vielen Bibelkritikern vom Schlage Wellenhausen etc., würdigt und anerkennt er die culturgeschichtliche Mission des auserwählten Volkes, dessen Oualification als solches von den drei Stammvätern inaugurirt und von dem großen Lehrer und Führer Moses für der Zeiten Dauer gefestigt wurde. In dem Umstande, daß die Vorfahren Abrahams, besonders dessen Vater Terach, Mondverehrer und Sternanbeter gewesen, glaubt Redner einen Anhaltspunkt dafür zu erblicken, daß die Nachkommen Terach's für den Monotheismus prädestinirt waren; denn Sternanbetung sei die älteste Form einer — wenn auch nur vermeintlichen — Religion, welche jedenfalls weit weniger eines sittlichen Grundzuges entbehre, als der grausame Sonnengott, die wohllüstige Venus u. s. w. anderer Völker des Alterthums. Wenn nun Redner aber meint, der Mondcultus Terachs wirke doch noch mehr oder weniger, trotz des Monotheismus, in den späteren Generationen des jüdischen Volkes, ja zum Theil noch in unseren Tagen fort, wobei er u. A. riz^z n::^nnb Feier der Neumonde im Auge hat, so befindet sich der Herr Professor damit denn doch ganz gehörig auf dem Holzwege. Jeder, der von diesen religiösen Ceremonien mehr als den Namen kennt, muß wissen, daß dieselben ganz im Gegensätze zu der Anschauung des Herrn Vortragenden nur begeisterte Lobpreisungen des höchsten Gottes, also rein monotheistischer Empfindungs-Ausdruck sind. Man kann unmöglich glauben, daß Herr Professor Dr. Hommel zu diesen Anschauungen auf Grund sorgfältiger und eingehender Quellenstudien gelangt ist; in diesem Falle dürfte man es weit eher nur mit subjectioen Conjectural-Betrachtungen zu thun haben. Diese Verwahrung erschien zur Sal-