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Der Israelit · 1900-04-05 · Heft 28 (5.4.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 28 (5.4.1900)
Date
1900-04-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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569 trieb S a ch s und der Damen Frau Julie Neu- ,n a u v und Frau Dr. M a y b a u m , gab der jetzige Vorsitzende de? Verbandes, Justizrath Breslauer, den Bericht über die Thätigkeit des Verbandes im verslosieuen Jahre. Wir heben aus demselben hervor, daß die Zahl der ongeschlossenen Vereine sich auf 69 erhöht hat und von den aufgeforderten Stiftungen bis jetzt 24 nicht beigeireten sind. Es sind das zum größten Theil Stiftungen, welche kein Interesse am Verbände zu haben glauben, oder auch landsmannschaftliche Vereinigungen ohne confessionellen Charakter. Von sämmtlichen hier bestehenden Frauenvereinen steht nur noch der Anschluß eines einzigen, des israelitischen Frauenvereins der Oranienburger Vorstadt, aus. Die Centralstelle hat ihre Thätigkeit in ganz ausgezeichneter Weise aurgeübt. Sie ist von dem Direktor der städtischen Armenverwaltung, Herrn Stadtrath Dr. M ü n st e r b e v g , geprüft worden, der sich sehr lobend über ihre Funktionen ausgesprochen hat. Es sind an die Centralstelle nicht weniger als 9603 Anfragen gerichtet worden-, denen 13,370 Berichte gegenüberstehen, welche von ihr ertheilt worden sind. Seit Beginn der Verbandsthätigkeit, seit Mai 1896, ssnd im Ganzen 36,877 Anfragen gestellt und 41,790 Bescheide ertheilt worden. Den Werth dieser Ziffern erkennt man erst, wenn man die Zahlen der städtischen Centralstelle ihnen gegenüberstellt, welche von April 1898 bis März 1899 3101 Anfragen erhielt und 19,116 Berichte gegeben hat. Die Centralstelle könnte vielleicht nach Ansicht des Vorsitzenden ein wenig dadurch ausgedehnt werden, daß ihr die erledigten Gesuche übergeben werden. Die Prüfung der im Verband geführten Personalkarten hat zu wunderbaren Resultaten geführt. Es gicbl eine Anzahl von Personen, die zu einer bestimmten Zeit alljährlich unter Angabe derselben Gründe bei einer Anzahl von Vereinen um Unterstützung einkoinmen. Namentlich junge Familien verlieren, sobald sie das erste Mal in Noth gerathen sind, die Widerstandsfähigkeit. Hier kann der Verband in zweckmäßigster Weise eingreifen, um die gebrochene Widerstandsfähigkeit wieder zu stärken. Der Verband hat den von anderer Seite gemachten Vorschlag dankbar begrüßt, ob es nicht besser wäre, wenn einzelne Kategorien von Vereinen eine gemeinsame Thätigkeit ausüben würden, z. B. die Frauenvereine, welche sich die Unterstützung von Wöchnerinnen zur Aufgabe gestellt haben. Der Verband glaubt auf die Armenpflege im günstigen Sinne dadurch einwirken zu können, wenn Arme wieder existenzfähig gemacht werden. Ein dahingehender Versuch ist dadurch gemacht worden, daß die Frauenvereine, zu einzelnen Sitzungen eingeladen wurden, in welchen im Beisein von Vertretern des Krankenhauses, der Armen- und Waisenkommission geeignete Fälle vorgelegt werden sollten. Von den zur Besprechung gebrachten 31 Fällen stellten sich 11 Fälle als ungeeignet heraus, die übrigen sind zum Theil durch Ueberweisung der Petenten an den Verein für Arbeitsnachweis, welcher für Beschäftigung aller Bittsteller Sorge trug, theils durch Unterbringung der Kinder im Kinderhorte und siecher Personen im Hospital erledigt worden. Wesentlich geeignet erscheinen nur diejenigen Fälle, in denen das Haupt erkrankt und einem anderen Familienmitglied eine Existenz geschaffen werden muß. Der Verband ist nicht nur dazu da, die Schwindler herauszusortiren, sondern auch um den Armen zu helfen. Darauf hielt Frau Direktor Henriette M a y einen längeren, sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über Ermittelungen in Unterstützungsangelegenheiten. Wir können heute um so mehr darauf verzichten, den Inhalt des Referates wiederzugeben, als dasselbe im Druck erscheinen und den einzelnen Vereinen zugänglich gemacht werden soll. Es wird sich dann wohl auch für die Presse Gelegenheit finden, einzelne der Beachtung werthe Punkte zu empfehlen, eine Anzahl anderer jedoch als durchaus ungeeignet zurückzuweisen. In der Diskussion wurde u. a. angeregt, den Mitgliedern durch häufigere Zusammenkünfte die Möglichkeit einer gemeinsamen Aussprache zu bieten. Mehrfach wurde mit Nachdruck betont, daß die Vereine sich nicht gegenseitig Conkurrenz machen sollen. Das Chanukkah-Komitee hat durch Vergleich der Listen feststellen können, daß dieselben Familien, welche von ihm Kleidung für die Kinder erhalten, auch von anderen Vereinen zur gleichen Zeit bedacht würden, und regt deshalb an, daß die übrigen Vereine den Zeitpunkt ihrer Gabenvertheilung z. B. auf den Termin legen, zu welchem die Kinder in die Ferienkolonien geschickt würden. In dankenswerter Weise erklärte sich die Vorsitzende des Frauenvereins der Berliner Logen sofort hierzu bereit. Sehr wesentlich schien uns noch die nur in wenig Worte gekleidete, aber recht beherzigenswerthe Mahnung zu sein, doch endlich von dem Vorurtheil abzukommen, daß die jüdischen Handwerker nichts leisten, und für Arbeitszuwendung an dieselben nach Kräften Sorge zu tragen. S. Berlin, 3. April. Einige hiesige Blätter veröffentlichen eine Correspondenz aus Jerusalem, in der gemeldet wird, unter den französischen und russischen Ansiedlern Palästinas sei die Ansicht verbreitet, Deutschland gehe mit einem umfassenden Colonisationsplane um, der sich nicht nur auf Palästina beschränken, sondern sich womöglich auch auf die von der zu erbauenden Bagdadbahn berührten Gegenden erstrecken soll. Diese Theorie scheine besonders von französischer und russischer Seite den türkischen Lokalregierungen gegenüber ausgespielt zu werden. Sie werde auch oft tendenziös mit dem Schreckgespenst des zionistischen Judenstaates in Zusammenhang gebracht und dabei die Ansicht ausgesprochen, daß der deutsche Kaiser über die Juden Palästinas das Protektorat zu übernehmen geneigt sei. Aus derartigen, durch die nüchternen Thatsachen in ihrer Entwickelung nicht behinderten Hirngespinsten stamme auch eine Reihe von Zeitungsartikeln in der arabischen und griechischen Presse der Levante, die mitunter auch in deutschen Blättern Wiederhall fänden.

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