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Der Israelit · 1900-04-05 · Heft 28 (5.4.1900) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 28 (5.4.1900)
Date
1900-04-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
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„Tann, wenn einst das große Schuljahr Unsres Lebens sich vollendet, Sieh, dann waren alle Jahre Zwischen unsrem Eingang, zwischen Unscrm Ausgang nur Ein großer Frühlingstag — und seine Sonne Neigt sich, wenn heraufgezogen Der letzten Ne'tla Scheibestunde: Zur Frühlingszeit. — — Zum e w'g e n Frühling. Angelangt. Die verhüllte Bahre wird niedergesetzt, und alle die Scharen von Leidtragenden sammeln sich um sie. Und eine wohlbekannte markige Stimme ertönt, eine Stimme, die so schmetternd aufzurütteln vermag und die so erschütternd klagen kann. Sie redet davon, wie Vermögen und Reichthum in dessen Haus komme, wie dessen Pflichtgerechtigkeit für immer bestehe, dessen einziges Lebensstreben und hohes Lebensziel es war, ein Jugendbildner zu sein, mit des Gotteswortes Thau zu netzen die durstigen Gemüther. Ein Hauch der vornehmen Ruhe eines abgeklärten Sinnes umschwebt die folgenden Worte. „Ein Stern ist untergegangen und das Auge dieses Jahrhunderts wird sich schließen, bevor er wieder erscheint; denn in weiten Bahnen zieht der leuchtende Genius und erst späte Enkel heißen freudig willkommen, von dem trauernde Väter einst weinend geschieden." Und mit fester, bestimmter Entschiedenheit wird zum Schlüsse das Gelöbniß abgelegt, im Geiste des theuern und unvergeßlichen Entschlafenen nach jener Schönheit auch fürderhin zu streben, die sich in der innigen Vereinigung und Durchdringung von Thorabildung und Weltwissenschaft entfaltet. Meine Gedanken spinnen unwillkürlich den anfangs aufgewickelten Faden weiter, wie ihn Vorne in der Denkrede auf Jean Paul ausführt. „Und eine Krone ist gefallen von dem Haupte eines Königs! Und ein Schwert ist gebrochen in der Hand eines Feldherrn; und ein hoher Priester ist gestorben!" Ja, ein König war er, der hohe Geschiedene, ein König im Reiche des Geistes, dem unendliches Wissen unterthan war. Und wie funkelte das Scbwert in seiner Feldherrnhand, das Schwert, das sein unsterblicher Vater s. A. geschmiedet und mit dem Beide niederstreckten, wer der Gesetzestreue feindlich entgegentrat. Priesterlich auch waltete und wartete er des Heiligthums der Heiligthümer: keuscher Kinderseelen. — Da schlägt eine Stimme an mein Ohr, ähnlich seiner. Jedes Wort ein Blutstropfen, ringt sich aus schwergetroffener brüderlicher Brust ein Klagelied ob des so ungemein, so unendlich weichen Menschen, der dahingegangen. Wieder sink' ich in Halbtraum. Dunkle Erinnerungen aus Grillparzers Rede am Grabe Beethovens umflattern mich. „Die feinsten Spitzen sind es, die am leichtesten sich abstumpfen und biegen oder brechen. Das U e b e r m a ß der Empfindung weicht der Empfindung aus." Ketten verworrener Empfindungen umschließen mich. Wie im Dämmerbewußtsein höre ich, was Schulrath u. Lehrer dem Verewigten Nachrufen, was ihm seine 568 Freunde schmerzlich nachtrauern. Hei, wie klingt's da plötzlich hell und sonnig in meine Reflexionen hinein! Einer seiner einstigen Schüler steht da, eine leuchtende Verkörperung Hirsch'schen Gedankenkreises. Leuchtend und sieghaft sprüht's ihm auch von den Lippen. Ein Herold sei der Entschlafene gewesen, ein Herold der Anschauungen und Thaten seines Vaters von Anbeginn an, da er als jugendlicher Streiter in den Jeschurunblättern aufgestanden sei bis zum Ende, da ihm, wie er einst fast ahnungsvoll gesungen, der letzten Neila Scheidestunde zur Frühlingszeit heraufgezogen sei. Wie mit weichem Frühlingszauber umwebt's einen, wie er nun von der Seele spricht, die droben eingebettet sei im Schatze ihrer Lebenswerke und nicht recht Ruhe finden könne, bis sie wisse, wer diese sortsetzt. Wie der Heimgegangene da oben nun weile im vorgeahnten ewigen Frühling und steten Sabbatglanz, da, wer sich redlich gemüht am Vortage des Sabbat, am Sabbat freudig genieße. Das letzte Lebewobl war's. das unserem Lehrer au seiner irdischen Hülle gelvidmet wurde, aber es barg angesichts solcher Jünger beglückende Kraft in sich. „Da tönt durch die Sülle Siegreich und schmetternd Der todtcnbelebendc, Fesselzersvrengende Nus der Tekiah, Der Gottesruf Und kündet die Rein beit, Und kündet die Freiheit Vorwärts — aufwärts! Ein Stück Kindheit ward uns zu Grabe getragen. Wir sind Männer geworden. Aber unser Losungswort, unser Leitstern bleiben unverändert. Vorwärts! aufwärts!" wie's der Jeschurun-Dichter, „Sei stark und fest," wie's der Haftoroth-Ergründer uns zuries. Vorwärts, muthig vorwärts in's tosende, lockende Leben hinein, stark, riesenstark in mannhaftem Widerstande gegen seine Brandungen und Versuchungen, aufwärts, beseligt aufwärts dem Hochziele echt jüdischer Mensch beits-Entwickeluna und -Gestaltung zu, und fest, unwankbar fest in der Erfüllung des göttlichen Willens. M. Sp. Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen Deutschland. Berlin, 29. März. Heute Abend fand im Re Präsentaul, nsaale die Delegirtenversammlung des Verbandes für jüdische Wohlthätigk e i t s p f l e g e unter sehr zahlreicher Betheiligung der Mitglieder desselben und der Vertreter der angeschlossenen Vereine statt. Rach der Wiederwahl der vier ansscheidenden Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses, der Herren Dr. Georg Minden, Sieg-

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