Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 27 (2.4.1900)
- Date
- 1900-04-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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WMWWMWW 556 Trauungsakt nach jüdischem Ritus. Ein Baldachin war auf der Plätte aufgeschlagen und unter demselben standen Braut und Bräutigam, als das bindende Wort gesprochen wurde. Frankreich. Pariö. 26. März. (Sieg jüdischer A r - b e i t.) Ans der französischen Hauptstadt theilt man die hochinteressante Neuigkeit mit, daß die Direction des weltberühmten „Institut Pasteur" beschlossen hat, fortab den Kranken und Reconvalescenten dortselbst nur Palästina-Karmel-Weine zu verabreichen, da sich die Direction durch eingehende chemische Analysen überzeugt hat, daß diese Producte, vollkommen echt, von vorzüglicher Qualität sind. Bedenkt man, daß diese Weine und Cognacs auf den jüdischen Colonien im heiligen Lande ausschließlich von Juden producirt werden, so kann man diesen Beschluß des „Institut Pasteur" als einen großen Sieg jüdischer Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit bezeichnen. England. London, 24. März. In einer Plauderei über den hiesigen Platz entwirft die „Köln. Volksz." die folgende Schilderung jüdischer Händler: Wie weit die Freiheit der Ausländer in England geht, das sei an einem andern, ebenfalls in Ostlonvon und ebenfalls im Gebiete der Post sich abspielenden Beispiel veranschaulicht. In Petticoat Lane hat ein jüdischer Händler, der Heringe,- Pfeffer und Korinthen und andere Sachen verkauft, eine Postagentur, die ihn mit dem amtlichen Verkaufe von Postwerthzeichen beschäftigt. Samstags ist das Geschäft geschlossen, Sonntags geöffnet. Kommt aber am Sonntag zufällig ein Christ in den Laden, so stellt sich der Mann, als ob er nur „jiddisch" und kein englisch verstehe — er weigert sich, von einem Gefühle der Pflicht, den christlichen Sonntag zu achten, getrieben, jedweden nichtjüdischen Mann an dem Tage zu bedienen. Also eine kgl. großbritanische Postagentur, die am Samstag keinem Juden und am Sonntag keinem Christen Briefmarken verkauft! Es wird mir von einem vollkommen glaubwürdigen Kenner des östlichen Londons versichert, daß dies buchstäblich so ist, wie eben geschildert. R u m ä n i e n. Bukarest, 27. März. (Die Auswanderung rumänischer Israeliten.) Die Vorbereitungen zu der für's Frühjahr geplanten Massenauswanderungen rumänischer Israeliten nehmen große Dimensionen an, und haben sich in der Hauptstadt Rumäniens allein siebzehn israelitische Wohlthätigkeitsvereine zusammengethan, der einmal in Fluß gekommenen Emigrations-Bewegung die nöthige materielle und intellectuelle Unterstützung zu Theil werden zu lassen. Das weitaus wirksamste Motiv der Auswanderungsbewegung ist das durch die Krisis und durch die damit verbundene Arbeits- und Erwerbslosigkeit nur noch mehr verschärfte und unerträglicher gewordene Elend, in welchem sich ein großer Theil, namentlich der moldauischen und der hiesigen Israeliten befindet. Dazu kommt nun freilich noch, daß gerade den armen rumänischen Juden durch eine neue Verfügung des Ministeriums des Innern die Möglichkeit entzogen wird, ihren Kindern einen geregelten Schulunterricht angedeihen zu lassen. Denn bekanntlich ' ist es dem Unterrichtsminister im Cabinet Cartagin-Carp und jetzigen Finanminister T. Jonescu nicht gelungen, den unentgeltlichen und obligatorischen Charakter des Volksunterrichtes ln der von ihm vorgeschlagenen allgemeinen Fassung durchzusetzen. Im neuen Volksschulgesetze ist vielmehr der Volksschulunterricht nur für Kinder rumänischer Staatsbürger obligatorisch und unentgeltlich erklärt worden, während die Kinder von Fremden Schulgeld zu zahlen haben und überhaupt in die rumänischen Volksschulen nur dann ausgenommen werden, wenn für sie noch Platz vorhanden ist. Durch letztere Klausel werden die Kinder der nicht naturalisirten rumänischen Israeliten, wenn auch nicht direct, so doch thatsächlich in den weitaus meisten Fällen, vom Besuche der rumänischen Volksschulen ausgeschlossen. Wie den Mittheilungen eines angesehenen israelitischen Gewährsmannes zu entnehmen ist, hat die seinen unbemittelten Glaubensgenossen drohende Gefahr, ihre Kinder in Rumänien ohne Schulbildung auswachsen lassen zu müssen, sehr viel zur Verbreitung der Auswanderungsbewegung beigetragen. So sollen im Frühjahre allein nach Cypern 6000 rumänische Israeliten, namentlich aus der oberen Moldau abgehen. Die Zahl derjenigen Juden, welche überhaupt in diesem Jahre auswandern werden, läßt sich deßhalb gar nicht bestimmen, weil der Umfang der Emigration zunächst vom Umfang der hierfür aufgebrachten Mittel abhängen wird. Feuilleton.! s a. Mcrch eiixev nsaßvcn Wegebenheit. 141 Von Friedrich Rott „Schon wieder dieses unmotivirte Gelächter! — Weißt Du nicht, an vielem Lachen, erkennt man die Narren." „Vielleicht bin ich wirklich ein Narr, daß ich so gegen mein eigenes Interesse kämpfe —- aber, verzeihe liebe Mama, ich spreche jetzt in vollem Ernste, ich glaube in der That, Du agitirst gegen Dein eigenes Interesse —" „Ich verstehe Dich nicht, bitte, Dich deutlicher auszudrücken —" 4