Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 27 (2.4.1900)
- Date
- 1900-04-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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555 pnx cH’i "Tsss an bs Das ist, was der Ewige geredet hat: „Durch diejenigen, die mir nahe stehen, will ich geheiligt und vor dem ganzen Bolte verherrlicht werden, und Aron schwieg." Das Andenken an einen Frommen gereicht zum Segen. Schrimm. Der hiesige jüdische Litteratur-Verein entfaltet eine recht lebhafte Thätigkeit. In der kurzen Zeit seines Bestehens hatten wir bereits drei Vorträge. Den ersten hielt Herr Dr. K o h u t aus Berlin. Er hatte als Thema: „Friedrich der Große und Joseph II. und ihre Beziehungen zu Juden und Judenthum." Die sehr intereffanten Ausführungen des Redners ernteten reichlichen wohlverdienten Beifall. Für Montag, den 19. d. M., war ein Vortrag des Herrn Rabb. Dr. Königsberger aus Pleschen über „Toleranzideen im Judenthum" angesetzt. Die Mitglieder hatten sich bereits in großer Anzahl im Vereinslokal versammelt, als die Nachricht eintraf, daß Herr Dr. Königsberg seine Reise nach Schrimm in Schwoda unterbrechen mußte und am Abend nicht in Sckrimm eintreffen könne. Auf vielfach geäußerten Wunsch entschädigte uns unser verehrter Herr Rabbiner Dr. B a m b e r g e r für diesen Ausfall. In einem mehr als dreiviertelstündigen ertemp. Vorträge gab er eine treffliche Schilderung der verschiedenen Charaktere des Esterbuches. Wir hatten auch hier wieder Gelegenheit. den Gedankenreichthum und die ausgezeichnete Rednergabe unseres Herrn Rabbiners zu bewundern, was auch die langanhaltenden herzlichen Beifallskundgebungen bezeugten. Am jüngsten Sonntag sprach Herr Ref. B a r u ch über das Thema: „Heine in seiner Stellung zum Judenthum." Auch dieser Vortrag darf als recht gelungen bezeichnet werden. Er sucht mit vielen Belegstellen nachzuweisen, daß Heine trotz der Taufe im Gemüth Jude blieb und die heilige Schrift verehrte. Ein Hauptbeweis dafür sei der Umstand, daß er sich in Gedichten aus seinem späteren Leben vielfach mit der Bibel beschäftigte. Es sollen in den nächsten Wochen noch einige Redner berufen werden. Möge das angestrebte Ziel, jüdischen Sinn zu wecken und zu festigen, durch unfern Verein voll und ganz erreicht werden. M. I. 0 e st e r. - U n g . M o n a r ch i e. Budapest, 20. März. Die israelitische Landeskanzlei der Kongreßgemeinden hat wieder ein Rundschreiben an die „Distriets-Präsidenten" gerichtet. Als Hauptziel wird in demselben die Einberufung eines ..gemeinsamen" Kongresses deelarirt. Indem aber die Orthodoxen Ungarns die Toleranz der heimathlichen Reologie zur Genüge ausgekostet haben, wollen sie selbstverständlich von einer religiösen Verkittung nichts wisien. Und deßwegen wird von Jahr zu Jahr der jeweilige königl. ungarische Kultusminister von den mächtigen jüdischen Magnaten angegangen, damit derselbe durch gewaltsame Veranstaltung eines gemeinsamen .Kongresies den Eigensinn der Orthodoxen breche. Man sollte es gar nicht glauben, daß Männer von Bildung, Reichthum und Ansehen, Jahre hindurch mit aller Gewalt einem Phantoni nachjagen. Wenn man sich nun vergegenwärtigt, mit welchen gemeinen Mitteln das gesetzestreue Judenthum in Ungarn vor und nach dem Kongresse unterdrückt wurde, wie jede unnatürliche Vereinigung heterogener Elemente zu einer religiösen Körperschaft, selbst in einzelnen Gemeinden und auf Grundlage des orthodoxen Prinzips, zuletzt doch die religiöse Vergewaltigung der frommen Gemeindemitglieder nach sich zog; wie schließlich in vielen, sehr vielen Gemeinden des Landes im Rahmen des Kultuslebens der ausschweifendsten Reform gefröhnt wird, kann man wahrhaftig an eine religiöse Ünisication, in welcher Form immer, garnicht denken. Und die Herren Neologen können versichert sein: kein ungarischer Kultusminister wird fürderhin den Willen und den Muth haben, die Prärogative der Neologie den Orthodoxen gewaltsam aufzudrängen. In dieser Beziehung herrscht in Regierungskreisen ein viel liberalerer Geist, als in den Köpfen der offiziellen Paradejuden. Daß aber die Orthodoxen keine Ursache haben, diesen „Friedensanträgen" auf den Leim zu gehen, dafür ist jedes einzelne Rundschreiben der israel. Landeskanzlei der sprechendste Zeuge. Es würde sich jemand um die Orthodoxie verdienstlich machen, wenn er die vielen Rundschreiben des in der israelitischen Landeskanzlei residirenden „unparteiischen Fachmannes," gesammelt der Oeffentlichkeit übergeben möchte. Im Laufe der Jahre hat man so manches vergessen, aber noch unseren Kindeskindern wird die Schamrötbe in's Gesicht steigen, wenn sie in diesen Urkunden lesen werden, wie eine jüdische Landesnoritebung im Namen des Judenthums den größten Tbeil der indischen Landesbewohner vor den höchsten Behörden „systematisch" denunzirte. Angenommen aber, daß diese Herren nunmehr geneigt wären. die Gewissens'reibeit zu refvectiren, warum stellen sie nicht einen eonereten, in allen Details ausgearbeiteten Antraa, in welcher sie sich ein „einheitlich" organisiertes Judenthum denken? Warum wollen sie immer und immer wieder nur auf Umwegen mit der versteckten Gewalt des Ministers unitiriren? Dr. Sch. . . . Marchegg. Eine in ihrer Art wohl einzige Trauung fand vor kurzer Zeit auf dem Rücken der March statt, die bekanntlich der Grenzfluß zwischen Oesterreich und Ungarn ist. Frl. Hermine Schwedt. Tochter des Herrn Moritz Schwedt in Marchegg, wurde Herrn Sandor Weiß angetraut. Der Schauplatz der Trauung war eine Plätte, die mitten auf der March verankert war, und zu der sich die Theilnehmer mittelst Zillen begaben Ein Tbeil der Gäste kam vom ungarischen, ein anderer Tbeil vom österreichischen Ufer. Die Brautleute lvaren ungarische Staatsbürger und hätten, um in Oesterreich heirathen zu dürfen, die Bewilligung des Ministeriums gebraucht. Um diese langwierige Prozedur überflüssig zu machen, heiratheten sie auf dem Wasser, und der Rabbiner von Stampfen vollzog den