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Der Israelit · 1900-04-02 · Heft 27 (2.4.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 27 (2.4.1900)
Date
1900-04-02
Page
– (sequence 3)
Language
German
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dieser Tünche breit macht, nicht kannten. Dah aber Juden dieselbe Nachäffung begehen können ihren christlichen Mitbürgern gegenüber, mtt denen sie voch in einem und demselben Stande geboren und in denselben Bildungsanstalten erzogen sind, das würde man für unglaublich halten, wenn man nicht jeden Tag auf's Neue daran glauben müßte. Wenn ein Christ mir einem Juden verkehren will, so will er mit einem Juden verkehren, nicht aber mit einem imitirten Christen. Wenn der Jude Jtzig oder Schmul heißt, so ist ihm das lieber, als wenn er auf den Namen Hidar oder Siegfried hört; wenn auch nur deßhalb, damit er in den juoischen Namen etwas hat, woran er sich stoßen und sich lustig machen kann. Die jüdischen Namen, die jüdischen Absonderlichkeiten, ihr koscher, ihr trepha, ihr Schabbos, ihr Jomtof, sind ebensoviel Blitzableiter, welche das Rischus von der Persönlichkeit des Juden ab- und diesen Äußerlichkeiten zuleiten. Seitdem diese Ableitung fehlt, hält man sich an die Person, die Nasen, die Abstammung und den semitischen Typus der früheren Jtzige und nunmehrigen Isidoren. Das ist der Unterschied zwischen dem alten und dem modernen Rischus, zwischen dem früheren Judenhaß und dem heutigen Antisemitismus. Wenn ein Christ einmal eine Judenschul besuchen will, so will er eine Judenschul sehen, aber keine Nachäffung seines christlichen Kirchengottesdienstes, an welchen er durch die Orgel, Chöre, Talar und Barett von Cantor und Prediger auf Schritt und Tritt erinnert wird. Es ärgert ihn. wenn er allenthalben auf Juden stößt, die keine sein wollen, wenn er ihnen an seiner Table d'hote begegnet, wohin sie nicht gehören, und wenn sie gar statt ihres Sabbat erst seinen Sonntag feiern, so erblickt er darin einen unlauteren Wettbewerb, der ihm nichts weniger als angenehm sein kann. Gegen diese simplie Wahrnehmung, die jeder halbwegs Unbefangene mit Fingern greisen kann, sind unsere Sonntagsjäger mit Scheuklappen ausgerüstet, die sie zeitlebens hindern, die Dinge zu sehen, wie sie thatsächlich liegen. Sie muffen noch viele demüthigende Abweisungen erfahren, bis sie zur Einsicht gelangen, daß ihr ganzes Calcül falsch ist. Sie werden auch durch Hinweise, wie es der vorliegende ist, nicht bekehrt werden, selbst wenn diese Ausführungen von ihnen gelesen und verstanden werden sollten. Berherzigt werden sie nicht; weil bei ihrer großen Verirrung Worte allein zu schwach sind, um ihnen den Star zu stechen. Siamesen und Kirgisen haben mehr Takt und verstehen sich bester auf ihr wirkliches Interesse. Von dem religiösen Moment, das bei dieser Sonntagsjägerei doch in aller erster Reihe in Betracht kommt, fehlt ihnen vollends jeder Begriff und jede Würdigung. Davon hat mich neuerdings zum Ueberfluß eine Abhandlung über diesen Gegenstand in einem hiesigen Reformblatt überzeugt, die es eigentlich war, welche mir die Feder in die Hand gedrückt hat. Sie verdient es, etwas niedriger gehängt zu werden, was nach diesen vorausgeschickten Bemerkungen nunmehr ohne allzu breitspurige Darstellung möglich ist. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 30. März. (Thierschutz vor dem Schöffengericht.) Ein Unheil über die ThäUgkeit der Thierschutzvereme hat das Berliner Scyo,fengericht 11, Abtheilung 12, kürzlich gefallt. Diefes Gericht verurtheilre einen wegen Tywrquäwrei Angczeiglen zu 6 Akk. Strafe, eventuell zwei Tagen tÄefängmg und den Anzeiger, der sich zu einer etwas drafliieyen Bemerkung dem Angeklagren gegenüber hatte hmreißen lassen, zu 50. Mk., eventuell zehn Tagen Gefangmß. Das Urtheil wurde folgendermaßen begründet: „Zu einer Kompensation der beioerfeiligen Beleidigungen lag kein Anlaß vor. Vielmehr erschien mit Rücksicht auf das Treiben der sogenannten Thierschutzvereine und ihrer Mitglieder, sich fortgesetzt um fremde Angelegenheiten zu kümmern, die sie nichts angehen, und vei dem Bildungsgrade des Angeklagten, der ihn vor der Ausschreitung hätte bewahren sollen, die erkannte Strafe angemessen." Frankfurt a. M., am Vorabend des Sabbat Hachodesch. (Das Leichenbegängniß Director Hirsch's.) (Vorläufiger Bericht.^ Unter den Männern, die den großen Neubelebern und Wiedererweckern des Judenthums in Deutschland am Nächsten gestanden, die in der großen Zeit des Erwachens der deutschen Orthodoxie als Mitkämpfer und Mitstreiter eine hervorragende Rolle gespielt, räumt der Tod seit einigen Jahren unermüdlich auf. Nun ist auch er hingegangen, er, dem Tausende und Abertausende die Jahre seines großen Vaters gewünscht haben. Fast widerstrebt es uns, in den stereotypen Redeformen, die nun einmal von dem Berichte über ein Leichenbegängniß unzertrennlich sind, auch über das Begräbniß Mendel H i r s ch 's s. A. zu erzählen und doch muß der getreue Chronist auch hier die „imposante Trauerfeier, von der nach Tausenden zählenden Menge, die dem Wagen folgte, von den Deputationen auswärtiger Gemeinden und Körperschaften, von der endlosen Wagenreihe, von der Stauung des Straßenverkehrs" melden. Wenn je einer, so hat er es verdient, daß sein Fortgang sich zu einem Aufsehen erregenden gestaltete, und so sei denn in knappen Zügen der heutige traurige Tag beschrieben. In und vor dem Trauerhause bemerkte man lange vor der festgesetzten Stunde ein endloses Hin- und Herwogen und es war schwer, als der Zug sich in Bewegung setzte, den Anschluß zu finden. Vor dem Oraun schritten die Schüler der Knaben-

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