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Der Israelit · 1900-03-29 · Heft 26 (29.3.1900) · page 39

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 26 (29.3.1900)
Date
1900-03-29
Page
– (sequence 39)
Language
German
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m 87 und das gross genug war, um mehrere Tage hindurch das ganze einströmende Wasser des Euphrat aufzunehmen, ohne sich zu füllen. Der dem Nebukadnezar zugeschriebene, Kanal, der sich neben dem Flusse verzweigte, von Hit bis zum Meere, hatte nicht weniger als 800 Km. Länge, und ist noch von keinem gleichartigen neuzeitlichen Werke übertroffen worden. Die alten Kanäle, deren Reste man in dem Ufergelände noch sieht, waren von zweierlei Art. Die Kanäle der einen Art, wie der Nahr-el-Melek, stiegen vom Euphrat herab und mündeten in den Tigris bei Seleucia; diese Kanäle waren tief genug, um das Wasser in jeder Jahreszeit durchzulassen und um der Strömung die Reinigung des Bettes überlassen zu können; dies waren schiffbare Kanäle. Die anderen, ausschliesslich der Bewässerung dienenden, führten Wasser nur zur Zeit des Hochwassers, das mit der Zeit des besten Pflanzenwuchses zusammentraf; aber diese Kanäle verschlammten, und jedes Jahr musste man sie reinigen; den Schlamm häufte man am Ufer auf, so dass sechs bis sieben Meter hohe Dämme daraus wurden; man sieht sogar einige von zehn Meter Höhe. Auf die Dauer ermüdeten die Landleute beim Unterhalten solcher Kanäle mit zwei Seitendämmen, sie bauten zwei, drei, selbst noch mehr neue. Nichts würde leichter sein, als durch Wegräumung von Sand und Schlamm diese Kanäle wieder in Stand zu setzen. Was man bisher unternommen hat, ist aber zu kleinlich gewesen, und daher ohne rechten Ertrag bald wieder verfallen. Noch verstehen aber die Araber die Kunst des Wasserbaues. Sie machen Ufer und Dämme aus Faschinen, die sie aus Zweigen von Tamarinden und Schilf flechten, und die dem Schlamme als dauerhafter Halt dienen.“ Schon in ganz alten Zeiten hatte dieses damals gesegnete Land einen ansehnlichen Welthandel entwickelt, und sich nicht begnügt, ihn unter den Vorgefundenen äusseren Umständen bestmöglichst zu betreiben, sondern auch eine planmässige Politik verfolgt, um ihn zu entwickeln. Die zwischen Indien und dem Mittelmeere verkehrenden Kaufleute nahmen mit ihren Karawanen den Weg am Euphrat hinauf, und gingen dann westwärts über Damaskus nach Tyrus und Sidon, oder weiter nördlich über das heutige Aleppo nach nordsyrischen Häfen, später auch nach Antiochien. Andere Karawanen führten durch Kleinasien westwärts nach Byzanz, oder nordwärts nach Trapezunt und Synope. Der Euphrat ist in alten Zeiten immer der Vermittler des Verkehrs zwischen Südasien und dem Mittelmeere gewesen. Und damit ist zugleich Babylon für Jahrtausende der Mittelpunkt des Welthandels gewesen. Nebukadnezar II., der durch die Bibel bekannte (604—562 der gew. Zeitr.), dehnte seine Herrschaft bisPhönizien aus, um zu seinem Hafen Teredon am persischen Meerbusen auch die grossen mediterranischen Verkehrshäfen zu haben, denen damals noch kein Nebenbuhler erwachsen war. Der Euphrat übertraf damals den Nil an Bedeutung. Die Perser waren weniger ein Handelsvolk. Als sie Babylonien erobert batten, hemmten sie die Schifffahrt des Euphrat, um sich gegen Angriffe zu schützen. (Fortsetzung folgt.) Reisebilder von Dr. Heinrich Loewe. (Nachdruck verboten.) (VI. Fortsetzung.*) Nur die Vorstädte am Ras Beiiüt und Räs Metri (Demetriuskass) sind malerischer. Da dehnen sich luftige Strassen zwischen südländischen Gärten, und freundliche Landhäuser laden zu idyllischer Beschaulichkeit ein. Man merkt es der Stadt an, dass s/4 ihrer Bevölkerung Christen sind. An dem grossen Handelsverkehr sind fast nur die Christen betheiligt, die einen bedeutenden Theil des Grosshandels den Europäern schon entrissen haben. Die etwa 800 Familien starken Juden spielen keine Rolle, so wenig wie die beinahe 40,000 Muhammedaner. Nur die griechisch-orthodoxen und maronitischen Araber, die weit mehr als die Hälfte der Bevölkerung ausmachen, entwickeln ein blühendes wirtschaftliches Leben. Sie sind es auch, denen die orientalischen Geschäftshäuser in London, Manchester und New-York gehören, und durch ihr Beispiel viel zur Auswanderung der Libanesen nach den Vereinigten Staaten und nach Brasilien beigetragen haben. Beirut ist auch ein Mittelpunkt neuarabischer Literatur geworden. Aber während das blühende egyptische Schriftthum seinen Rückhalt an der muslimischen Hochschule el- ’Azhar findet, ist diese syrische Literatur ein Handwerkszeug der christlichen Mission. Sie hat ihre Zentren in der amerikanischen Mis- \ ■- ■li. Ü, :r *) 8. Nr. 722.

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