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Der Israelit · 1900-03-29 · Heft 26 (29.3.1900) · page 38

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 26 (29.3.1900)
Date
1900-03-29
Page
– (sequence 38)
Language
German
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86 - ' '■"'- ' Mesopotamien, Bagdad und die geplante Eisenbahn.! I I I i (I. Fortsetzung.*) Wo eine solche Stadt liegen soll, da muss, namentlich unter den alten, unentwickelten Kulturverhältnissen, ein weites, fruchtbares Land sich ausgebreitet haben. Noch heute ist keineswegs Alles der Wüste verfallen, noch heute liegt das nur 85 Km. entfernte, an den Tigris gelagerte Bagdad inmitten eines kleinen Paradieses. Einst aber müssen weite Strecken zu beiden Seiten der beiden Flüsse, die heute von einer verzehrenden Sonnengluth ausgetrockuet werden, wohlbewässert und fruchtbar gewesen sein. Aller Wahrscheinlickeit nach haben das Klima und menschliche Nachlässigkeit zusammengewirkt, um den jetzigen tiefen Verfall hervorzurufen. Auch im Alterthum verdankte Mesopotamien seinen üppigen Zustand nicht allein einer gnädigen Natur, sondern auch dem menschlichen Fleisse und dem menschlichen Geiste. Der Norden ist wohl immer trockener gewesen als der Süden, wie ja auch die Bemerkung Herodot’s über das nördliche, nahe dem armenischen Berglande gelegene Assyrien erkennen lässt. Er ist es noch heute. Beide Ströme erhalten ihren Wasserreichthum im Hochgebirge Armeniens. Wenn sie in die Ebene treten, erhalten sie keine erheblichen Zuflüsse mehr, nur dem Tigris gehen von Osten her aus dem westpersischen Berglande noch manche, und in der Regenzeit sogar recht ansehnliche Nebenflüsse zu. Im Allgemeinen haben beide Ströme eine gewisse Aehnlichkeit mit dem Nil, der von Bahr-el-Ghasal ab nur noch zwei Nebenflüsse erhält, den blauen Nil und den Atbara, und der bei Faschoda mehr Wasser hat als bei Kairo. Armenien ist überwiegend waldarm, trotzdem bei seiner Höhenlage mit reichlichen Niederschlägen versorgt. In dem ebenen Mesopotamien fällt so wenig Regen, dass die dort vorkommenden Bette von Nebenflüssen fast während des ganzen Jahres trocken liegen, und nur vereinzelt einmal dem nach einem stärkeren Schauer sich sammelnden Wasser als Gelegenheit zum hastigen Abfluss dienen. Bei der Grösse der Ströme muss man gleich asiatische Dimensionen als Massstab anlegen. Denn der Rhein mit seinen 13 60 Km. ist nur wenig mehr als halb so lang wie der Euphrat, dem 2600 Km. zukommen, und selbst der nur 1850 Km. lange Tigris übertrifft den Rhein um ein Drittel. Der Euphrat sammelt schon die Gewässer an der russisch-armenischen Grenze, und wendet sich, durch zahlreiche Neben¬ *) 8. Nr. 730. flüsse verstärkt-, nach Westen, als wolle er etwa bei dem alten Ant-iochia in's nordsyrische Meer münden. Nachdem er der Küste bis auf 14 5 Km. nahe gekommen, besinnt er sich eines Besseren und fliesst nun in ununterbrochen südöstlicher Richtung dem persischen Meerbusen za. Die Quelle des Tigris liegt im armenischen Taurus, nur sieben Km. von der Stelle, wo der Euphrat als schon ansehnlicher Strom eben dieses Gebirge durchbricht. Der Tigris ändert seine südöstliche HauptrichtUGg nur wenig. Er stiömt an Diarbekir, Mos ul (dem alten Ninive h) und Bagdad vorüber, und trifft bei Koma mit dem Euphrat zusammen. Von dort gehen sie unter dem Namen Schatt-el-Arab vereinigt dem Meere zu. Das untere Mesopotamien ist viel wasserreicher als das obere, und zwar durch die Ueberschwemmungen der beiden Ströme. Je weiter man sich dem Meere nähert, desto mehr sieht mau das bestellte und bestellbare Land in unbenutzbaren Sumpf übergehen. Die Sinkstoffe der Flüsse lagern sich ab und hemmen den Abfluss des Wassers. Das ist in historischer Zeit immer schlimmer geworden. Die Versumpfung hat das südliche Mesopotamien, das alte Ohaldäa, grösstentheils vernichtet. Noch in historischer Zeit scheint der persische Meerbusen so viel nördlicher hinaufgeragt zu haben, dass Euphrat und Tigris ihm gesondert ihre Wasser zuführten. Dann ist Deltabildung entstanden, und aus dem Delta allmählich festes, jedoch sumpfiges Land. Ob das für immer so bleiben muss, oder ob neuzeitliche Wasserbauten ein Land schaffen können so fruchtbar wie das Nildelta, das ist ein Problem, das des künftigen Beherrschers von Mesopotamien harrt. Was es einst gewesen ist, das hat das Land zum grossen Theile der künstlichen Bewässerung, den Kanalbauten, zu danken. Mit Beschämung muss der Mensch des neunzehnten Jahrhunderts auf Leistungen blicken, die vier- bis fünftausend Jahre zurückliegen. Mit der grössten Sorgfalt hatten die alten Völker Netze von Kanälen durch die Ebene gezogen, die theils nur zur Bewässerung dienten, theils auch der Schifffahrt. Von höheren Punkten wurde das Wasser abgeleitet und den dürstenden Feldern zugeführt, die dafür mit unendlicher Fruchtbarkeit dankten. „Heute sieht man dort“, so schreibt Elysee Reclus, „nur noch einen schwachen Rest der gigantischen Wasserbauten, die Herodot als das grosse seitliche Bassin beschreibt, von dem die Bewässerungsgräben gespeist wurden, N

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