Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 26 (29.3.1900)
- Date
- 1900-03-29
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
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WWMWWWWWWW ordentlichen Mitgliedern zu gewinnen, deren Beiträge in erster Linie zur Deckung der allgemeinen Spesen dienen. Haben wir im Vorstehenden die Einrichtung unseres Vereins im Allgemeinen behandelt, so gehen wir im Folgenden dazu über die Ergebnisse der Geschäftsjahre zu schildern. Die Versicherungstasse zählte Ende 1898 171 ordentliche Mitglieder, Ende 1899 zählten wir 208 Mitglieder, mithin eine Vermehrung um 37 Mitglieder. Im Jahre 1898 konnten wegen der sechsmonatlichen Wartezeit Entschädigungen noch nicht geleistet werden. Im Jahre 1899 wurden in 10 Fällen 997 AK. ausbezahlt, während an Beiträgen der ordentlichen Mitglieder 1694 Mk. eingegangen sind. Einen Mißbrauch der Versicherung konnten wir bisher nicht constatiren, eher begegneten wir vereinzelt der Anschauung, als habe der Verein Unterstützungen auszuzahlen. Dieser Auffassung müssen wir auch an dieser Stelle auf's Nachdrücklichste entgegentreten. Jeder Versicherte, er sei reich oder arm, erwirbt durch die Zahlung seiner Prämien den in den Satzungen umschriebenen Anspruch an die Leistungen des Vereins, und es ist lediglich eine durch die Rücksicht auf die Gewerbegesetzgebung — Concessionspflichtigkeit der Versicherungsgesellschaften — bedingte Form, wenn in § 11 die Klagbarkeit dieses Anspruchs ausgeschlossen wurde. Die Zahl der außerordentlichen Mitglieder betrug Ende 1898 216, Ende 1899 238, mithin ein Zugang von 23. An Beiträgen der außerordentlichen Mitglieder gingen 1899 ein 2114.66 Mk. Außer diesen jährlichen Beiträgen empfingen wir in den Jahren 1898 u. 99 noch 8127 Mk. einmalige Zuwendungen, die satzungsgemäß unsrem Reservefonds überwiesen wurden. Dieser Fonds ist in der Voraussicht geschaffen, daß die gegenwärtige günstige Conjunetur in Handel und in Industrie nicht von ewiger Dauer sein kann, daß der Periode glänzenden Aufschwungs, in der >vir uns seit mehreren Jahren befinden, auch eine Zeit geschäftlichen Niederganges rrr folgen kann. Kommt diese Zeit, so sind Gehülfen-Entlassungen in größerem Umfange unvermeidlich und unsere regelmäßigen Eingänge sind nicht genügend, um den als Folgen einer wirthfchaftlichen Krise an uns herantretenden Verpflichtungen zu genügen. Aus dieser Erwägung heraus, schien uns die Schaffung eines Reservefonds schon bei Gründung unsres Vereins unerläßlich. Der Ruf, den wir deshalb an unsere wohlhabenden Glaubensgenossen ergehen ließen, ist zum Glück nicht ungehört verhallt. Den hochherzigen Gebern sagen wir auch an dieser Stelle nochmals unfern herzlichsten Dank; wir verbinden damit die dringende Bitte unseres Reservefonds auch fernerhin zu gedenken. Noch stehen wir erst am Anfänge; sollen wir unsere Aufgabe in ihrem ganzen weiten Umfange lösen, so sind weitere bedeutende Mittel unerläßlich. Unsere „Stellenvermittlung" konnte im Berichts 544 jahre 1898 7, in 1899 29 Stellen besetzen. Vacanzeu waren im letzten Jahre 266 gemeldet bei 162 Be Werbern. Wenn der Erfolg kein größerer war, so haben hierbei eine ganze Reihe ungünstiger Umstände mitgewirkt. Zunächst wohl der — an sich nothwendige — Passus unserer Satzungen, nach dem die Stellender mittlung nur für Mitglieder des Vereins arbeitet. Ob schon wir in der Ausführung dieser Bestimmung in der liberalsten Weise verfahren, den Bewerbern nur die Am Meldung als außerordentliche Mitglieder (6 Mk. Iah resbeitrag) zur Pflicht macken und auch diesen Beitrag bis zur Erlangung einer Stelle aus Verlangen stunden — mag uns doch das Mißverständnis, als sei der Bei tritt zur Versicherung unerläßlich, einen großen Thei! der Bewerber entzogen haben. An diesem Mangel an Auswahl unter den Be Werbern krankt — gegenwärtig wenigstens — unsere Stellenvermittlung in erster Linie. Das mag einer seits kein unerfreuliches Zeichen einer günstigen wirth schastlichen Conjunetur sein, indessen dürfen wir uns nicht darüber täuschen, daß es ein großer Theil der Gehiilfenschaft offenbar noch nicht der Mühe wertb findet, sich der Vermittlung des Vereins zu bedienen. Hierin Wandel zu schaffen, sollte die angelegentste Sorge unserer Vertrauensmänner und Freunde aller Orten sein. Die gemeldeten Vaeanzen betrafen natiirlich viel fach kleinere Plätze oder Posten, aus denen Branche kenntnisse unerläßlich sind. An Bewerbern aber, die über letztere verfügen, hatten und haben wir besonderen Mangel, ebenso an Bewerbern, die bereit wären auch eine Stelle auf einem kleineren Platze anzunehmen. Der Zug in die Großstädte, der unsere moderne Ent Wickelung auf allen Gebieten so stark beeinflußt, macht sich auch hier geltend, und ob man ihm freundlich oder feindlich gegenüber steht, er ist einmal vorhanden und läßt 'ich nicht negieren. Hinzu trat ferner der Umstand, daß der Ausbau unserer, die Stellenvermittlung betreffenden Organisation im Berichtsjahre sehr tvenig Fortschritte machte. Unser Verein wurde bereits Ende 1898, sehr gegen sei nen Willen, in einen lokalen Kampf um die Erweiterung der Sonntagsruhe verivickelt, der die Zeit und Arbeits traft unseres Vorstandes in ganz außerordentlichem Maße in Anspruch nahm. Seit Geltung des Gesetzes über die Sonntagsruhe ist in Frankfurt a. M. durch Ortsstatut die Arbeits zeit auf 2'- Stunden (IO1---!) beschränkt. Ende 1898 gelangte eine Vorlage des Magistrats an die hie sige Stadtverordneten-Versammlung, welche die Ar beitszeit weiter — auf 11 - Stunden — verkürzen sollte. Da am hiesigen Platze ca. 160 Engros-Geschäfte mit etwa 6—600 Angestellten am Sabbath geschlossen halten, so ist es ohne Weiteres klar, welch' einschneidende Wirkung die geplante Verkürzung der Arbeitszeit haben müßte. Sind 2' l> Stunden ohnehin schon sehr knapp bemessen, so ist es eine völlige Unmöglichkeit in Iw- - - »MUD