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Der Israelit · 1900-03-29 · Heft 26 (29.3.1900) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 26 (29.3.1900)
Date
1900-03-29
Page
– (sequence 9)
Language
German
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41* Jahrgang. Erste Leitender rtrtikel. j?araschath hächodesch von Rabbiner Tu Seckel Bamverger in Schlimm. Unsere Weisen sagen nz -psn: nz 72H drehe sie, vende sie, die heilige Schrift, du sindest alles in ihr. Darum ist das Studium der Bibel von bedeutendem Einflüsse. faßlich und einfach, offen und ohne Schminke finden wir in ihr die tiefsten Wahrheiten. Wer mit einem gläubig frommen Gemüthe an die Bibel herantritt, wer die Geschichte der Väter und der Propheten, die Einwirkung des Göttlichen, daZ Wunderbare oer Offenbarung versteht u. begreift, >ver die Schwäche der Menschen, die Leidenschaften und das Getümmel der Erdensöbne betrachtet, der must dem Buche der Bücher, der ä l t e st e n . heiligen Urkunde der Menschen, die tiefste Ehrfurcht zollen. Darum sagte jener 'kerbende Rabbi auf die Bitte seiner Schüler, sie zu segnen: rrr'z-zpz 22 rz-Z'L':-„Lasset Eure Kinder lernen." Daruin war auch in der alten Zeit die Intelligenz, das Wissen so hochgeachtet, dast allgemein der Grundsatz aalt r.y b'r-: frsb crpnT -stcc Ein Beispiel der Auslegung einer Bibelüelle, wie deutlich das agadische Prinzip augedeutet ist, rvie feü der Grundsatz der Brüderlichkeit und der Gleichheit vor dem Gesetze galt, erhellt aus dem Abschnitt der trnnn rz>mz. Aus Aula st der rnr-n nztr zur Begrüßung des chUvan Monats lesen nur: Am 10. des ersten Monats toll jeder Vater ein Lämmchen nehmen, ein Lamm für den Familienvater, ein Lamm für das Haus und am 14. desselben Monats soll es dargebracht werden. Wer erkennt nicht, daß mit diesen Worten auch eine Lehre in Bezug auf das Haus und das Familienleben aus übermittelt werden soll? Am ersten der Monate, frühe schon, wenn das Leben beginnt, am Morgen, wenn die erste Knospe des Familienlebens erblüht, an des Lebens Frühling, wenn das Haupt des Hauses die Sorgen und Mühen einer Familie übernimmt, soll das Lamm, das Sinnbild der Geduld, der Hingebung und der reinen Unschuld, in: Hause nicht fehlen; rrzb NL» m z s Geduld fiir das Haupt des Hauses, Ergebung in den göttlichen Willen für den Vater der Familie. 7v2x r'zb ntr Geduld, Gottvertrauen und gottgefälliges Leben find trübe schon uöthig für den Vater des Hauses. Wer weiß es nicht, >ver hat sie nicht schon versucht die bitteren Tage, welcher Familienvater hat den Becher des Leidens nicht gekostet, da die Sonne i- 26 -es Jtenwlit“. , hinter die Berge eilt, da die Pforten der Freude verschlossen sind, weil die Tageshelle sich geneigt, cnt< rn sraan bv -pzzt* seo njrn bv 112b Bei allen Ereignissen müssen wir Gott danken, denn Schlimmes kommt nicht vom Himmel. Darum ist es nöthig, am Ersten der Wende, frühe, wenn uns die Kräfte noch nicht verlassen haben, wenn das Blut in den Adern rollt und unser Puls uoch schlägt, wenn unser Auge noch offen steht und unsere Brust das Gute und Edle empfindet, uns die Geduld eines Lammes anzueignen, uns durch die Erfüllung der Lebensaufgabe Ruhe und Ergebung zu verschaffen. rvzb rw Aber auch für das ganze Haus ist dies erforderlich. Wer kennt nicht die Bedeutung des ixx n\J2 ch-v: Rur derjenige kennt wahrhaft der Eltern Mühe und Sorge, der selbst Kinder erzogen, der selbst seine Kinder zu religiösen und tüchtigen Menschen heranzubilden bestrebt ist. Nur ein solcher Mensch weiß aber auch, daß wir als Kinder unfern Eltern nickt das erwiesen, was sie um uns verdient haben. Wie oft rollten ihre Thronen, zog sich ihre Stirne in Falten, „ein Tag strömte da dem andern das Wort" und eine schlaflose Nacht reihte sich an die andere. Und worin bestand der Eltern Sorge für die Kinder? Die religiöse, körperliche und weltliche Erziehung war es, die ihnen Sorge mackte. Sie wollten ihre Kinder zu tüchtigen Menschen erziehen, ohne jedoch ihr religiöses Wohl zu vernachlässigen. Wie sieht es hingegen heute in dieser Beziehung aus? Wie viele achten bei der Erziehung ihrer Kinder auf das religiöse Leben derjenigen, denen sie das Wohl ihrer Kinder anvertrauen wollen? Ja, wie selten kümmern sich die Väter darum, ob ihre Kinder in dem Geschäfte, in welchem sie für den praktischen Beruf herangebildet werden sollen, auch eine religiöse Erziehung erlangen, ob sie in der Fremde täglich Tephilin legen, die Speisevorschriften beobachten, ob sie insbesondere die Grundlage der Thora, das Sabbat-Gebot, erfüllen und beobachten. Wie nachlässig und lau ist häufig die Erziehung im Elternhause selbst! Wir meinen, nicht die körperliche Erziehung, auch nicht die Erziehung zum Berufe; diese wird gewöhnlich von den Eltern mit genügender Sorgfalt verfolgt. Wir meinen hingegen die Erziehung in religiöser Hinsicht. Wie selten kümmert sich der Vater darum oder fragt die Mutter, ob ihre zarten Kinder regelmäßig beten, ob ihre erwachsenen Söhne tagtäglich Tephilin legen, ob sie nicht im Geheimen manches ausführen, was sie als Menschen und Juden unterlassen müßten. Und was ist die Folge einer solchen mangelhaften religiösen Erziehungsweise! Es entsteht ein Widerspruch zwischen Schule und Haus. Der gute Einfluß der Schule vermag nicht den verderblichen Einfluß des Hauses zu unterdrücken. Die Kinder wachsen heran in Unkenntniß der Religion einerseits und in vernachlässigter Gewöhnung andererseits.

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