Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 26 (29.3.1900)
- Date
- 1900-03-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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l626 gerne zustimmen würden, das Gesetz kann es jedoch nicht zulaffen und die betreffenden Organe können um so weniger nach ihren persönlichen Sympathien Vorgehen, als sie sich einem gewiegten Gesetzeskundigen gegenüber befinden würden, denn es ist doch selbstverständlich, wenn ich eine gerichtliche Vorladung erhalten würde, daß ich nur in Begleitung eines tüchtigen Rechtsanwaltes derselben nachkommen würde. — Also, liebe Mama, nicht wahr,,Du denkst nicht daran, Dich an die Behörde zu roenbejtff'i 1l *;. * Die Baronin erwiederte nichts, sie preßte die Zähne so fest aus die Lippen, daß diese bluteten. „Wo ist das Kind?" stieß sie endlich hervor, „sprich —" „Verzeihe, liebe Mama, ich kann Dir seinen gegenwärtigen Aufenthalt nicht nennen, denn ich weiß, Du würdest sofort den Pfarrer Weber hinbeordern." „Und siehst Du denn nicht ein, welchen Afront Du mir züfugst^-"- Mir, Deiner Mutter, der Baronin Waldstein! -Z- Das hätte sich nicht einmal Dein Vater erlaubt^' „EütfHstldige, liebe Mama, aber ich weiß mit vollster Bestimmtheit, daß mein heutiges Vorgehen vollkommen dem Sinne meines Vaters entspricht. Allerdings mein früheres wohl nicht. Du hast es gestern als Pflichtversäumniß bezeichnet, daß ich Dir nicht gleich am ersten Abend mitgetheilt habe, daß Elsa Jüdin ist — und ich sehe ein, dieser Vorwurf ist berechtigt." „Alsö^ wenn Du einsiehst, daß Du gefehlt hast, so solltest'Du doch vor allem dahin trachten, Deinen Fehler wieder gut zu machen." „Das will ich auch und eben deßhalb werde ich Alles anfbieten, daß dem ahnungslosen Kinde seine Religion 'nicht geraubt wird — sonst wäre ich mitschuldig an dem Raube. Denn wenn ich Dir damals sofort mitgetheilt hätte, daß Elsa zur jüdischen Rasse gehört, so hättest Du Dich sicher nicht weiter um sie gekümmert und die Behörde hätte sie vermuthlich längst ihren Glaubensgenossen übergeben." Die Baronin zuckte die Achseln. Wer weiß —" „Das ist doch selbstverständlich. Aber der Liebreiz des Kindes hatte mich bestochen, ich wünschte sehnlichst, es in der Nähe zu behalten, und da dieses nur möglich war, '.nenn Dir seine Abstammung unbekannt blieb, darum habe ich sie Dir verschwiegen, indem ich mir selbst vorlog, daß dieses zum Glücke des Kindes führen werde." „Das würde auch zu seinem Glücke führen," fiel die Baronin hastig ein, „nicht nur sein Seelenheil wäre gesichert, auch für seine Zukunft würde ich sorgen. — Sei vernünftig, Hugo — ich weiß, Du hast das Kind gern und stößest mit Gewalt das Glück von ihm zurück. Also sage mir, wo ist das Kind?" In dem Angesichte des jungen Mannes zuckte es, wie von mühsam verhaltener Heiterkeit. „Vielleicht hjsst Du recht," sagte er, „vielleicht handle ich in Wirklichkeit gegen Elsa's Interesse und gegen mein eigenes —" „Nun, wenn Du das endlich einsiehst, also —" „Mein Vorgehen entspricht Deinem Interesse, liebe Mauur." „Für das, was meinem Interesse entspricht, hast Du nicht zu sorgen," entgegnete sie ärgerlich. „Noch einmal, wo ist Elsa?" Der ,-Js!raeljt" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und OonnerMtags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis pro Vierteljahr bei der Post 3 Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. Man abonnirt ganzjährlich, halbjährlich oder vierteljährlich. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Der Buchhandel verkehrt durch V. As S lein a ck er, Leipzig, Nohplatz Jt5. — Inserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile öder deren Raum. Preis der Zeile im Reclametheil 75 Pfennig. — Tirecte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder >6 Kronen östcrr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einsenden. Postzeitungsliste 3863. Telephon 315. Eine Rücksendung der an die Redaction eingcsandten Manuskripte findet nicht statt, man bittet dcSyalv, sich von allen Einsendungen eine Copie zurückznvehalten Stellettsnchende erhalten auf Wunsch die Inseraten Beilage vier Wochen lang gratis und franco zugefandt. Ebenso stunden wir auf Wunsch die Zahlung des JnsertionSbetragS an außer Stelle Befindliche bis nach Erlangung einer solchen. Wieder zuckte es um seine Mundwinkel und plötzlich lachte er hell auf. (Fortsetzung folgt.) Inhalt: (Hanptblatt). Leitender Artikel: Director Dr. Mendel Hirsch >"■»". — Zeitungsnachrichten und KorrejpMdenzen: Deutschland: Berlin Hamburg. Köln. Coblcnz Gr.-Steinheim. Oesterr.-IIng. Monarchie: Wien. Schweiz: Bern. — Feuilleton: Elsa. tFort'etzung). Inhalt der ersten Beilage: Leitender Artikel: Paraschath hüchodesch. — Zeitungsnachrichten u. Correfpondenzen: Deutschland: Mainz. Hamburg. M.-Gladbach. Oestcr.-Ung. Monarchie: Wien. Frankreich: Paris. — Personalien. Judatt der zweiten Beilage : Lei ender Artikel: Berliner Brief. — Zeitungsnachrichten u. Korrespondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. Oesterr. klug Monarchie: Zenti. Rumänien: Aus Rumänieu. — Vermischtes. Inhalt der dritten Beilag, : Leitender Artikel: Verein zur Versicherung gegen Stellenlosiigkeit (ratf in Frankfurt a. M. — Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen: Deutschland: Zabern. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schottstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Job Mirth scheu Hofbuchdruckerei Actien Gesellschaft in Mainz. Hierzu drei Beilagen.