Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 24 (22.3.1900)
- Date
- 1900-03-22
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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492 bejceli, mehrere hochherzige 'Oiiuilieocr ^uiaminen, eine Anstalt tn’a Leben zu rujen, deren Zlveü es sein fofltc, israelitische Knaben aus ärmeren Familien der sJtott) und der mangelhaften (Erziehung zu entreißen, sie bei ihrer Entwiaetung vor alten naehlheitigen Einflüssen zn belvahren, in ihnen Lust und Liebe zur Arbeit zu erwecken und sie mit den für's Leben nothwendigen Kenntnissen auszuriiiten; „kurz, verlvahrkoste.Kinder zu tüchtigen Handwerkern und gesitteten Menschen heran znbiloen." Mit großen Schwierigkeiten und Hemm nisten hatten diese Männer anfangs zu fämpfen. Galt es ja doch die Vorurtheile bei unseren Glaubensgenossen selbst zu beseitigen, die sich in der Regel einer jeden neuen Idee entgegenstellen, wie wir es in unseren Ta gen bei der „landwirthschaftlichen Schule in Ahlem" und dem „Verein zur Förderung der Bodenkultur un ter den Juden" zu sehen Gelegenheit hatten. Aber dem unermüdlichen Eifer der kleinen Schaar wackerer und begeisterter Männer gelang es, alle Hindernisse zu überwinden und ihren Plan zur Ausführung zu bringen. Ja. es war ihnen auch vergönnt, für ihre selbstlose Mühe und opferfreudige Thätigkeit ungeahnte Blüthen und herrliche Früchte reisen zu sehen. Während nämlich anfangs die Anstalt, die sich auf der St. Barbaragasse befand, nur von hiesigen Bürgern subventionirt wurde und ihre Mittel so spärlich lvaren, daß sie blos 1«'»—20 Straßburger.Kinder aufnehmen konnte, zog sie nach und nach die Aufmerksamkeit der Landbevölkerung und anderer Gegenden aus sich. Alle Städte und Dörfer unseres Bezirkes blickten mit Stolz auf diese junge Anstalt und verfolgten mit Interesse ihr Emporblühen. Nicht bloß aus Elsaß-Lothringen, sondern auch aus Frankreich, Belgien, der Schlveiz und aus Amerika, von Juden und Christen flössen bald reichlich die Gaben für dieses heilbringende Institut, die den Verlvaltungsrath in den Stand setzte, sein segensreiches Wirken auszudehnen. In eine neue Phase trat die Anstalt, als im Jahre 1820 der Bankier Louis Ratisbonne edovulioi' (Io In Idoion chlumiimir, sich für dieselbe zu interessiren begann. Dieser edle Menschenfreund, Schwiegersohn des in der elsäffischen Geschichte der Juden riihmlichst bekannten Cers Beer — hier auch unter dem Namen R. Herz aus Bischheim*) bekannt — hat *) Eeif Beer lebte längere Zeit in Biswheim. einem kleinen S ädtchen bei Straßb'rg. wo jetzt das Konnstorial- Miralied Herr JuleS Klein ''2, Lohn des beröhmien :Kabt>. Wolf Klein ST auS Kalmar wohnt. In Straßpurg selbst dursten unsere Ian6e11onenoffen am Ende des 18. Jahrhundert^ sich nicht nie erlassen. Erst im Jahre 177.', erhielt Eeri Beer in Anbetracht keiner dem S aale und der Armee — er war vor 1767 und während des Krieges Verpflegungs-Lieferant (10ifre,ides t’minmvs) des Königs — geleisteten Jicmlc Va enrbriere vom Könige, in denen ihm die Erlaubnis erih ilt tvurde, in ganz Frankreich za wohnen und sich bewegliche und unbewegliche Güter aller Art zu erwerben. Er kaufte das Hans, das unter den Namen Rappoltfieinischer Hof (1616—1782) und später Hütel «Irr duc de Deux-Puiits (1700), von der Landgräkin Earoline von Hessen bewohnt, bekannt ist. Im Jahre 1790 bezog Eerf Beer dieses Haus mit seiner Familie und seinem Hauslehrer Josef Loeb, das von nun an der „I ud enlico alC' Mitglied des Gemeinderaths und als Präsident j des israelitischen Consiftoriums des Unter Elsaß große! Verdienste nur die Straßburger Judenhort erivorben,! indem er seinen Einfluß, seinen Reichlhum und sein Ansehen in den Dienst jeiner Glaubensbrüder gestellt hat. Seinenr Edel(inn verdankt unsere Gemeinde ein Hoipiz für Greise, ein Mädchen he im. das nach seiner Emstine den 'Namen „Hospiee Etifa" trägt. In den zivanziger Jahren lvandte Ratisbonne sein Wohlwollen auch der.Kunst- und Gewerbeschule zu und schenkte ihr das Haus auf der Halbinondgaffe, das noch jetzt mit seinen geräumigen Gebäuden den Zöglingen als geinüthliches Heim dient. Durch diese hochherzige Schenkung begann die Berlvaltung mit größerem Muthe an diesem herrlichen .Krilturiverke zu arbeiten und öffnete die Pforten der Anstalt allen Jünglingen, die zur Aufnahme sich meldeten. Auch die Regierung verfehlte nicht, diesem Institute ihre Anerkennung zu zollen, indem sie am 18. April 1842 durch eine kgl. Ordonanz diese Anstalt als eine gemeinnützige anerkannte. Durch diese dein jungen Werke zu Theil geivordene Auszeichnung belvilligte dann der Bezirksrath des Unter-Elsaß, solvie der Rath der Stadt Straßburg alljährlich nainhaste Zuschüsse und andere Städte folgten diesem schönen Beispiele, sodaß die Anstalt immer mehr ausgebaut werden konnte. Weit mehr als loOü Jünglinge haben den Segen dieser Anstalt genossen und von da aus, mit den erforderlichen Kennttiiffen ausgerüstet, ihre Wanderung durch's Leben ge noinmen. Mit verschiedenen kleinen Ausnahmen, nieldet tins der Bericht, find alle die aus der Anstalt hervorgegangenen Jünglinge theils hier, theils anderswo fleißige, gutsituirte Handwerker, ehrenhafte und allseits geachtete Bürger getvorden, ja eine ganz bedeutende Zahl unter ihnen hat sich in der geiverblichen Welt zu Größen ersten Ranges emvorgeschwungen.*) Hof" genannt wurde Schon im Jahre 1777 erhielt Eerf Beer durch die Vermittelun i des Kriegsminikters von der Stadt Ne Erlaubuiß für seine beiren Döchtermänner zwei Häuser zu mietbeu. Diese beiden Schwiegersöhne waren Louis Natisboune, der Gönner unserer Anstalt, der kinderlos blieb und August Ratisbouue, dessen zwei Söhne den väterlichen Glauben verließen und katholische Geistliche wurden. Einer von ihnen hat in der Dreysus Assaire >vie die meisten Ueberläufer gegen seine früheren Glaubensgenossen gekämvit. *) So z. B. M o7se Stern, Graveur in Paris, Ritter der Ehrenlegion, war Hofgraveur des Kai'ers Navoleon III. Henri 29 oIf, Holtgraoeur in Rew chork Für seine bis fegt rinerreicht dastehenden Holzschnitte erhielt er in den Ausstell mgen zu Paris und Ehieago die höchsten Auszeichnungen. Auch im hiesigen Kunstmuseum finden sich seine Holzstiche. Hannan, Bildhauer in Paris erwarb den Prix «Io IWwo. Groß in Lille war Blechner, schwang sich zum Inspektor der Gas- und Wasserleitungs-Anlagen denordsran.wsischen Bahnhöfe und Bauten auf u. jent ist er Inspektor der französischen Nordbahn in Lille. Henri L-torch, Schriftseber in Lvon, besaß dann eine der größten Buchdrucke-Aen Lüdfrankreichö. T rep fuß, Kupferschmied in Paris beschäftigt über 100 Arbeiter, ebenso Fraenkel in Elbens, Nordsrankreich. Von Skraßburgern mögen genannt werden: Leon Feist, Schlosser, Henri Lob, Blechschmied bei denen 30—40 Arbeiter Beschäftigung finden.