Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 24 (22.3.1900)
- Date
- 1900-03-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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485 10 c nie r bic städtische Lehrerin Frl. B a g i n S t h »nd Oderlehrer Dr. Schäfer deputirt; in das Kuratorium innrden neu geivählt Frau Heus chel auö Steglitz, die sich um die Inspektion der Wirthschafts sühruug im Heim sehr verdient gemacht hat, ferner Uran Baurath Oppler Hannover, Frau Senator Mischer -Hannover und Frau iOraric Levh—Stettin. Sanität^rath Dr. W i e s e n t h a l hielt alsdann eine .'lnsvrache an den Berlin verlassenden Dr. vH b I e r , in der er die hervorragenden Beroienste desselben um den 'Herein gebührend hervorhov. In dankbarer Anerkennung dieser Leistungen bat der Berein Herrn Dr. Adler zu seinem Ehrenmitglied ernannt, iluu eine Adresse mit einer Photographie seines jetzigen Wohnhauses, auf dessen Grund und Boden einst das Königliche Seminar für Stadtschulen stand, und ihm ferner eine sehr schön aus-- gefiihrte Büste Diesterwegs als Geschenk verehrt. Nach einer kurzen Aküsprache des Irl. Münchhausen dankte Rektor Dr. Adler in tiefbewegten Worten für die großen, ihm zu Dbei! geivordcnen Ehrungen und gab die Versicherung ab, dem Berein auch in dein neuen Wirlungslreise sein reges Interesse zu erhalten. S. Karlorirhe, Zn. Ptärz. Wir werden um Aufnah me folgender Berichtigung gebeten: B e r i ch t i g u n g. In der ziveiten Beilage zu 'AD. 22 des „Israelit" ist einem Artikel, welcher ein den Mord in Polna betreffendes Zirkular des aeisieskranlen Fabrikanten Leopold Landau in Pforzheim bespricht, seitens der Redaktion die Bemerkung beigefüat: „Dem badischen Oberrath ist es nicht eingefallen, hier hindernd einzuschreiten." Diese Behauptung ist univahr. Der Oberrath hat sofort, nachdem ihn: der das fragliche Zirkular enthaltende Artikel des Wiener „Deutschen BolkSblatts" bekannt geworden war, der Angelegenheit seine Aufmerksamkeit zugewendek und sich verlässigt, dast die weitere Ausbeutung des Zirkulars in der österreichischen Presse durch eine Beurkundung des Großh. Bezirksamts Pforzheim über die mehrmalige Unterbringung des Verfassers in einer staatlichen Irrenanstalt unmöglich gemacht worden ist. Sonstige Veröffentlichungen des Genannten sind dein Grostb. Oberrath früher nicht bekannt geworden. K a r l s r u h e, den 18. März 1900. Sekretariat des Grosth. Oberraths der Israeliten. D r i e s e n. Anunerk. d. Red. d. „Israelit." (Zs genügt ivohl, 'venu wir den Schluß unserer Beinerkung in Nr. 22 des „Israelit" hier wiederholen, um die Berichtigung des Großberzogl. Oberraths in das richtige Licht zu fetzen. Wir sagten: „Seit einer Reihe oon Jahren überschwemmt dieser Landau jüdische und antisemitische Blätter mit seinen Drucksachen. Der „Israelit" bat schon vor fünf Jahren aus diesen Umstand ausmerksaui genracht, aber dem badischen Oberratb ist es nicht eingefallen, hier hindernd einzuschreiten." Der Oberrath giebt also unumwunden zu, daß ihm sonstige Peröffentlichungen des Genannten früher nicht belannt geworden seien. Erst nachdem das Unheil geschehen, ist der Oberrath in Aetion getreten. Frühere jahrelange Pnblicativnen Landan's, die er in tausenden von Exemplaren verbreitete, sind dem Oberrath, trotz Warnungen der jüdischen Presse nicht „bekannt geworden." Das ist es ja lvas wir gerügt haben und was wir im Interesse der Jndenheit so sehr bedauern. Im Uebrigen versendet Landau auch heute noch ungehindert seine Schriften in alle Welt. Preslmr, 14. März. In Oberschlesien wird wieder einmal ein Ritualmordgeschichtchen eolportirt. Das Paffasest naht und da müssen die lieben Leute ihren Schauerroman haben. Man schreibt aus Mislolvitz, 8. März. Seit gestern cursirt hierorts das Gerücht, daß ein christliches junges Mädchen von hier in dem benachbarten , auf russischem Gebiet belegenen Orte Modrzejow, das Opfer eines Ritualmordes geworden sei. Ueber die Thatsachen, welche dem erwähnten Gerüchte zu Grunde liegen, erfährt man folgendes: Bei der verwittweten Frau Bürgermeister Pallaske an der Schillerstraße, war seit einigen Monaten ein etwa 18 Jahre altes Mädchen, Namens Marie Krucks, als Dienstmädchen in Beschäftigung. Das Mädchen war im Dienste sehr anstellig und brauchbar, schien aber etwas zu leichtsinnig zu sein. Diesem letzteren Umstande ist wohl zuzuschreiben, daß dasselbe vor etwa fünf Wochen plötzlich verschwand und ungefähr drei Wochen verschollen blieb; alle privaten und polizeilichen Ermittelungen nach dem Verbleib des Mädchens waren ohne Erfolg. Als sie dann wiederkam, behauptete sie, während der ganzen Dauer ihrer Abwesenheit im Elternhause krank gekegen zu haben. Diese Behauptung entsprach nicht den Thatsachen. Da sie sich später vor anderen Dienstmädchen rühmte, daß sie während der fraglichen Zeit sehr oft Eoncerte besucht und auch das Zithersviek erlernt habe, muß angenommen werden, daß sie die in Frage siebende Zeit an einem anderen Orte in angenehmer Gesellschaft verlebt habe. Vorgestern nun wurde die Heldin unserer Geschichte von ihrer Dienstherrin mit dem Aufträge nach dem benachbarten Modrzejow aeschickt. dort Mebl einzukaufen. Wie inzwischen ermittelt worden ist. war das Mädchen in Modrzejow. hat dort Mebl eingekauft, ist aber über die Grenze nicht wieder zurückqekommen und seitdem spurlos verschwunden. Die Ermittelungen nach dem Verbleib des Mädchens hatten bisher keinen Ertola. In den breiten Schichten der Bevölkernna der biefwert Gegend ist trotz der fortschreitenden Aufklärung der Glaube verbreitet, daß die Juden für ihre Osterfeiertage zu rituellen Zwecken Ebristenblut brauchen. Als nun das Verschwinden der Krucks in der Stadt begrünt wurde, tauchte sofort das Gerücht auf, daß dieselbe in Modrzejow das Opfer eines Ritnalmordes geworden sei. Wir ssnd der Ansicht, daß das Mädchen wieder ein mal. wie man so zu saaen vfleat. polnischen Urlaub ge nowmen hat und sich setzt irgendwo gut amüsirt. ohne zu ahnen, zu welch' schrecklichem Romane sie den Stoff