Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 24 (22.3.1900)
- Date
- 1900-03-22
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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484 zeugten, was ihnen Rabbi Schimeon Hurwitz s. A. gewesen, der Mann, der die Thora Pflegte und die Wissenschaften liebte, der Thora und Midah, religiöses und profanes Wissen, als die beiden Wandhälften betrachtete, die wie die Jerioth ha-mischkon durch Luloaus, durch Schleifen, die die Farben des Himmels tragen, an den beiden einander äußerst entgegenstehnden Endsäumen — nxpa man nir-rn net? bv und nstra n-jcri nunca n:irpn ryn*n — zu einem einheitlichen Ganzen zu verbinden seien: inxTi siv'aTi 00711 damit die Einheit des Mischkan, das Gleichgewicht zwischen Thorah- und Weltleben, gewahrt werde. Ja, dieser Talmid Ehochom stand unerschütterlich fest, wie ein Fels aus seinem Thora-Grunde, und war von den auf dem Weltenmeer von Stürmen umhergeworfenen Schissen dennoch nicht gefürchtet, sondern ausgesucht; denn, was er ihnen bot, war nicht das Grauen des Unterganges, sondern seine Ankerkette gläubiger Sicherheit und eine versteckte Bucht der Ruhe und jüdisch-geistiger Erholung. .xitt '3f lmt 'D irrso it&pz' rrtn hjh nett” fnz Was Rabbi Schimeon s. A. sprach und schrieb, war nicht Kampf, sondern Lehre und objectives Wissen. So erschien er seinen Jüngern wie ein höheres Wesen, wie ein dem Kampfgebiet entrückter Engel, wie ein Prophet, der über die stürmische Fluth seinen Mantel breitete. O, auch die hiesige Gemeinde und ihre Oberhäupter, sie dürfen sich glücklich schätzen, wenn sie diesen Friedensboten der Thora und Jirah gewürdigt und geachtet' Sie verdanken diesem Manne des Friedens, der die die himmelfarbenen Schleifen liebte und die Kerossim, die Spangen aus schlackenlosem Golde, rein le-schem schomajim, ihm, seiner von grundsatzloser Nachgiebigkeit weit entfernter Nachsicht, ihm verdanken sie ihren inneren Frieden. Und was soll ich nun erst künden von dem, was dieser Talmid Ehochom als Gatte und Vater den Seinen gewesen! Da versagt die Sprache, da schweigt das Wort des Nachrufes, und aus den gebrochenen Herzen der Wittwe und der Waisen dringt der Klageruf herauf: „Wehe, Zierde unseres Hauptes —- us ,->zx — Vater, Vater! Unvergleichlich treuer Vater, voll Zärtlichkeit und Milde! Du Born unsrer Liebe, der Quell unsrer Freude, ach, wie ist er abgegraben, verschüttet für immer!" Wisset, meine Freunde, >visse es, Gemeinde Leipzig, wisse es, Judenheit Deutschlands, irrt bs: b:i:: “tr 7177!— ein Fürst des Wissens, ein Großer in Israel ist gefallen! Wisset es, ein Mischkan ha-schem, in dem der fast neunzigjährige Talmid chochom Tag und Nacht gelernt, ist zerstört! So lange er in diesem Mischkan lebte, lernte und lehrte, stand er still verborgen, von einer Wolke eingehüllt, dunkel, unscheinbar von außen, leuchtend, strahlend von innen; doch jeder Rathsuchende, jeder Thora-Bedürftige von Nah und^ Fern wußte es, daß hier das Mischkan stand, und konnte' sich sagen: „Wo dies Mischkan steht, da lagert Israels Herrlichkeit, unangetastet, ruhig." Doch nun hat sich die Wolke hinweggehoben, das psre ist abgebrochen und sein Bewohner weggenommen, nun sucht Israel einen neuen Lagerplatz für seine Thoraschätze. ♦ crvyce bzz bs"z" :z -ycr jzz'zn bvz pn rrynr. O, möge Israel finden, was es sucht, möge der Allgütige ganz Israel Ersatz geben für den großen Verlust! Ein leuchtend Glied in unserm Sternendiadem ist uns verlöscht! Nun, bei Dir o Gott ist der Quell des Lebens, in Deinem Licht wollen wir sehen Licht. Sv mögen schwinden die Schatten des Todes und aus der Thränensaat sprießen neues Leben, Tugendstärke, Glaubensmuth, Thora-Wissen, Emunah-Treue, Stärke und Frieden! fax oioiai nx:b rrav?z Zeitungsnachrichten unv C-rrespondenzen » Deutschland. Berlin, 18. März. Die Generalversammlung des Vereins „Israelitisches Lehrerinnen h e i m," ivelche heute im Logenhause (Wilhelmstraße) stattfand, wurde vom Vorsitzenden Dr. Adler mit dem Rechenschaftsbericht eröffnet. 'Nach einigen Herz lichen Dankesworten an Frl. M ii n ch h a u s e n, der bekanntlich die Initiative zur Begründung des Vereins gebührt, und an Herrn R o s e n st i e l , durch dessen thatkräftige Hilfe die Ausführung der Idee gelang, berichtete der Vorsitzende, daß der Verein nach Jahres friss bereits auf ein sehr günstiges Resultat blicken könne. Das Heim sei bereits im November eröffnet tvorden mit 6 Insassen, von denen nur eine einzige aus Berlin stamme, während die übrigen sich aus verschiedenen Theilen Deutschlands rekrutiren. Erfreulicher Weise hätten sich auch schon mehrere Ortsgruppen gebildet, die für die Zwecke des Vereins thätig sein wollen, so in Stettin (Frau Rabbiner Dr. V o g e l st e i n), in Hannover «Frau Baurath Oppler, Frau Senator Fischer und Pensionatsvorsteherin Frl. Eonstance L e v pß in Königsberg i. P. Rabbiner Dr. Vogelst e i nt und in Breslau lFrau Hedwig M a n a s s e und Herr Prof. Bad t). In Hannover seien bereits reichliche Geldmittel zur Förderung der Zwecke des Vereins aufgebracht worden. Die Rechnungslegung, für welche dem Schatzmeister Herrn etter nach ftattgehabter Prüfung Decharge ertbeilt tourde, balaneirt mit 72,622 Mk. Der Verein zählt nach dem Berichte über das erste Vereinsjahr außer 1 Stifter 89 immerwährende, 429 außerordentliche, 101 ordentliche Mitglieder; hierzu kommen noch 28? einmalige Zutvendungen. Die revidirten Satzungen tvurden alsdann durchberathen und nach einigen redaktionellen Aenderungen dem Vorstande zur Genehmigung überwiesen. An Stelle des aus Berlin scheidenden bisherigen Vorsitzenden tourde einstimmig Sanitätsrath Dr. W i e s e n t h a l gewählt, in den Vorstand tvurden ferner an Stelle von Frl.