Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 41 (1900)
- Issue
- Heft 24 (22.3.1900)
- Date
- 1900-03-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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41* Jahrgang. Erste Beilage M Jm 24 stes JlsntelU“. Leitender Artikel. fSabbi Kl->wk»u Alivitz r-r, i» KeWg. -Nachruf an dessen offenem Grabe gehalten, den 7. Adar 5660, von Rabbiner Iofeh Hobel, Halberstadt. .i'n zb c'icn^'p'rr: v'$b 7"\s” "p'n Und von Lewi sprach er: „Deine Thumim und Urim — o Gott — sie sind zu eigen Deinem wahrhaft frommen Manne." Verehrte Trauerversammlung! > Gin großer Leimte, der zur Ehre des Judenthums das Choschen ha-mischpot getragen, ein großer Talmid Ehochom, der mit sittlicher Lauterkeit und geistiger Erleuchtung — mit Thnmim und Urim — ausgerüstet, das ganze Rechts- und Religionsleben auf seinem Herzen getragen und so wahr gemacht hat den Spruch Gottes: ncn ■- %:zb :zb bv bsrw -:z cero rin sr;*; ein Leivite, der .-rnc?! und nnn ns in sich im Denken, Sprechen und Handeln vereinigt, ein Lewite, der zu den hervorragendsten Naußej hooraun, Trägern der Bundeslade des Gottesgesetzes, gehörte, ein Rabbi Sckirueon Hurwitz ist's. dessen Oraun ha-hakaudesch, dessen offenes Grab wir hier umstehen. Eine mir* Leuchte ist erloschen, eine Thorasäule ist gebrochen, eine Eeder des Libanon ist entwurzelt. Ticnbc r6e: cnsr cs rpn *ii7*s ',vy nc. Wenn die Eedern Libanons von der flamme ergriffen werden, was sollen da wir thun, die wir nur sind wie Asop an der Wand? Verstummt ist der Mund, der auf schwerwiegende Fragen antwortete. ach! und was sollen da wir thun, wir, die Schüler und Jünger, wenn die großen Meister einer nach dem andern von hinnen gehen, wenn am Himmel unserer Thora-Forschung in Deutschland Sterne ersten Ranges so rasch nach einander verblassen! njn mv *c nrct? pc* -ci. Wer wird Thora-Satzung lehren, wer traditionelle Wahrheit künden und erklären! An wen von den wenigen im Reiche soll man sich wenden, wenn es sich darum handelt, eine tief in die Halachah eingreifende Schaaloh zu entscheiden? Dies, werthe Trauerversammlung, ist der erste niederschmetternde Eindruck, den ich hier an diesem offenen Grab empfange. Das Gefühl trauriger Bangigkeit erfüllt mich ganz, es raubt mir fast die Kraft der Rede und will die sanft dahinfließende Klage der Wehmuth nicht zu Worte kommen lassen. Es bewahrheitet sich, was der Prophet Jesajas gesprochen: ,N2's rcrv-p*? cPmon r,s ied rrs bpm rrs nein rrs? Dein Herz stellt mit Bangen die Frage: wo ist er, der gezählt, der gewogen, wo ist er, der gezählt hat der Thürme Zahl? (Jesajas 33, 18.) Herabgesunken ist die Hand, die die Wage gehalten, so gerecht, so treu, so wahr, um mit Forschergeist Thora-Inhalt zu wägen. Geschloffen der Mund, der die Buchstaben der Thora gezählt, erkaltet das Herz, das für die Magdilim, für die Bollwerke und Thürme unserer vom Sinai stammenden, von den Vätern überkommenen Thora-Wissenschaft erglüht war! Doch, trauernde Freunde, wir dürfen nicht so selbstsüchtig sein, daß wir nur von unserem Schmerze und unserer Sorge reden. Wir müssen mit wenigen Worten zum mindesten auf das Wesen und den Charakter des großen Mannes eingehen, dessen Abgang uns diesen Schmerz und diese Sorge bereitet. Unser trauerumflorter Blick möchte einige Einzelzüge erspähen in dem bedeutenden Charakterbilde des Rabbi Schimeon Hurwitz, damit — Secher zadik li-brochoh — wir uns diese Lebenszüge einvrägen und das Andenken des Fronnnen zum Segen werde. Daß nun Rabbi Schimeon Hurwitz s. A. ein Talmid chochom godaul war, das wußte und weiß die jüdische Gelehrtenwelt weit über die Gemarkung dieser Stadt, ja weit über die Grenzen Deutschlands hinaus. Daß er — som leilaus kajomim — so viele dunkle Stellen im Reiche der Halachah erhellt, indem er dieses Reich nach Plan und System durchmessen, und daß er hierbei mit seinem Fleiße die Nacht zum Tage umgewandelt, deß' Zeugen sind seine eine Lebensarbeit des Geistes und Fleißes darstellenden, leider nur zum Theil veröffentlichten Werke.*) Daß aber dieser Rabbi Schimeon Hurwitz s. A. mit einer unbeschreiblichen Bescheidenheit, die natürlichen Verbündeten dieser Tugend, persönliche Liebenswürdigkeit und Nachsicht mit den Schwächen anderer, verbunden, daß er, der tiefe Gelehrte, einen liebevollen Blick hatte für die Tiefen des Elends, daß er von seinen vier Ellen der Halachah aus die Welt mit ihren Lockungen und Jrrgängen überschaute und den in dieser Welt Taumelnden und Sinkenden ein freundlicher, milder, gütiger Berather und Helfer gewesen, das wissen draußen nur Wenige; denn er sorgte dafür, daß man es nicht wisse. Umsomehr aber in ü s s e n das wissen die jüdischen Bewohner dieser Stadt, müssen das wissen die Ungezählten, denen der Zutritt zu dem fleißigen Manne nie verwehrt war. Und jene Jünglinge, die während ihrer Studienzeit hier in Leipzig an ihm, dem frommen rvn einen Freund und Leiter fanden in Thora und Jirah. Aus diesen Jünglingen sind Männer geworden, die Rabbinatsitze bekleiden oder einen Lehrstuhl der Wissenschaft zieren, o, daß sie hier neben mir stünden und es dankbar be- *f Nun 'D und Machsor Piiry.