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Der Israelit · 1900-03-22 · Heft 24 (22.3.1900) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 24 (22.3.1900)
Date
1900-03-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Der Schulrath von Bialystot hat denselben Entschluß gefaßt; so bleiben nur 2 Fälle: entweder auf der Schule zu bleiben und die religiösen Vorschriften zu übertreten, oder besser sie zu verlassen, nachdem man einige Jahre jedoch auf die Aufnahme hat warten müssen. Das Verhalten ist besonders für die Schule von Bialystok, die mit dem Gelde der Juden gegründet ist, merkwürdig. Das Gesetz indeß ist formell. Es erklärt, daß während des Aufenthalts auf der Schule das Kind keine Maßregeln zu ertragen braucht, die seiner Religion widersprechen. Im Jahre 1889 autorisierte noch ein Rundschreiben des Ministers des öffentlichen Unter richts ausdrücklich die israelitischen Schüler, am Samstag nicht zu schreiben und wies den Lehrkörper an, jeden Druck auf das religiöse Gewissen der Kinder zu vermeiden. Afrika. Bloemfontcin. (Die Juden in der Haupt st a d t des Oranje-Freistaates.) Wie unsere ganze staatliche Organisation ganz jungen Datums ist, so ist selbstverständlich auch die Einwanderung der Juden hierher in neuerer Zeit vor sich gegangen. 1874 kam der erste Israelit, Jsaac Baumann aus Hessen, nach dem Gebiete des Qranjefreistaates. Er hatte vorher schon zehn Jahre in Gras-Reinet gewohnt, ehe er nach dem Orte übersiedelte, der ein Jahr später den Namen Vloemfontein erhielt. Sein Geschäft war das größte im Oranjefreistaat und er selbst kam zu namhaftem Ansehen bei seinen Mitbürgern, denn er wurde zweimal zum Bürgermeister gewählt und auch als Director der Nationalbank. Im Jahre 1884 hatten sich schon ungefähr ein Dutzend Familien von Israeliten in Vloemfontein zusammengefunden, als der Basuto- Krieg ausbrach. Einer von ihnen, Moriz Levy Stur, ging als Freiwilliger mit und zählte zu den 300 Freiwilligen, welche unter dem Kommandanten Wepener die Hauptfeste der Basuto, Tnaba Basigo, erstürmten. Bis zum Jahre 1876 hatten Juden und Katholiken im Oranjefreistaate unter Beschränkungen des Bürgerrechtes zu leiden, aber der Präsident John Brand hob die meisten derselben auf. Nur Lehrer und Staatsbeamte können beide, Katholiken und Juden, noch nicht werden, dagegen sind zwei Juden im Stadtrathe, ein anderer Friedensrichter etc. Im Jahre 1871 kam das erste Minjan zu Stande, das im Hause des obengenannten Baumann am Jom Kippur abgehalten wurde. 1890 war die jüdische Bevölkerung von Vloemfontein bis auf 150 Seelen angewachsen und organisirte sich jetzt als Gemeinde, stellte einen Schochet und Chasan an. Auch der Bau einer Synagoge ist kürzlich vollendet worden. Viele Juden sind, obwohl sie nicht ganz gleichberechtigt sind, auch mit den Boeren als Freiwillige in den Krieg gezogen. F e u i l l e t o n. Wcrch einer wahren WegebenHeit. 'H Von Friedrich Mott Werner zuckte die Achseln. „Das läßt sich denken. Aber was läßt sich da thun?" „Das eben wollte ich mit Ihnen überlegen, Sie haben mehr Erfahrung als ich, Sie müssen mir rathen, Werner — denn ich werde einen derartigen Zwangsakt nicht zugeben, um keinen Preis! — Und wenn ich dieserhalb das Gericht gegen meine eigene Mutter anrufen müßte." „Um Gotteswillen! Herr Baron ereifern sich allzusehr. Mir wäre ja auch eine derartige Zwangstaufe nicht sympathisch. Das Kind, so wie es ist, ist mir lieb und theuer, als wäre es mein eigenes. Daß aber die Taufe ein Unglück für dasselbe wäre, das möchte ich doch nicht behaupten." „Düs behaupte ich auch nicht," fiel Hugo in steigender Erregung ein, „aber sie wäre ein Unrecht gegen das Kind, ein himmelschreiendes Unrecht, das ich um so weniger zugeben werde, als es auf mein Gewissen fallen würde." Der Verwalter schüttelte den Kopf. „Ich bitte Sie, Herr Baron —" „Verstehen Sie mich recht," fiel dieser ein, „man mag über die Taufe an und für sich denken, wie man will, darauf kommt es nicht an. Aber die Kleine hat sich am ersten Abend ihres Hierseins uns gegenüber als Jüdin bekannt, und zwar als überzeugungstreue Jüdin, bereit, für ihre Ueberzeugung das größte Opfer zu bringen, das ein so kleines Wesen zu bringen vermag. Meine Pflicht wäre es gewesen, dieses der Behörde mitzutheilen, die wiederum verpflichtet gewesen, das Kind seinen Glaubensgenossen zu übergeben. Diese meine Pflicht habe ich vernachlässigt und durch diese Pflicht- Vergessenheit habe ich das Kind in Gefahr gebracht, das zu verlieren, was dem kleinen holden Wesen als das Theuerste erscheint. Bei Gott, das werde ich nicht zugeben!" Werner zog die Stirne in Falten. „Von diesem Standpunkte aus habe ich die Sache noch nicht betrachtet — und von diesem Standpunkte aus hätte ich mich gleichfalls anzuklagen." „Sie haben sich durch meinen Wunsch verleiten lassen." „Gleichviel, Pflichtversäumniß ist Pflichtversciumniß — und ich gestehe offen, die meine ist größer als die des Herrn Baron, da ich der Aeltere, der Erfahrenere —" „Wir wollen jetzt nicht darüber streiten, wer mehr

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