Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-03-22 · Heft 24 (22.3.1900) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 24 (22.3.1900)
Date
1900-03-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449073--50329-2500772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

479 tettintuifl (|cncf)iiiint mtb beut Kassierer Deck) arge ci' tbeilt. Beim nächsten Pnntl der Tagesorbizung, Wahlen, unirbe ber bisherige Vorsitzende, Herr Henry tstngel, mit großer Vtajorität wiedergewählt und Herr I. Blumen thal zum PorstandSmitgliede neugewählt. Als Ersatz mann des Vorstandes wurde Herr S. Kolm besignirt. ferner wurden die statutengemäß ausscheibenben vier Ansschußmitglieder, deren Ersatzmänner und die Revisoren wiedergewählt. Der nächste Pnntt der Tagesordnung lautete: Au träge des ^lorstanbes, Aussenusses, soivie einzelner Mit glieder. Hier tvurbe zunächst beschlossen, der einfachen Utechnung wegen das bisherige Kranleugeld für die ersten 26 Wochen, anstatt 26 Bcl. pro Woche resp. Mt. pro Dag, auf 0 Bit. pro Dag festzusetzen, toähreiid bas Krantengeld für die zweiten 20 Wochen in den bisherigen Höhe von st» Btt. pro Dag belasten ivurbe. g-erner tvurbe beschlossen, bei Slerbcsallen eines Mitgliedes eine Auflage von 00 Pfg. pro tzAitglieb zu erheben, um so der Haste einige Erleichterungen zu schafsein Eine lebhafte Debatte rief ber Antrag eines Mitgliedes hervor, „für bimb Radunsästc entstandene KranlheHen kein .>rrankengelb zu gewähren." Rach leb Hafter Diskussion tvurbe der folgende Antrag angenommen: „Bei durru sttavweOfahren und' bem Drainiren dazu entstanbeueu Unfällen gewährt der stlercin kein rankengelb." Ferner tvurbe der Vorstand und Aus schuß beauftragt, die Notlügen Borvereiinngen zur?zeier deS 20sährigen Bestehens des Vereins zu treffen nno die diesbezüglichen Anträge der nächsten General - Versammlung zu unterbreiten. Bnröp 1. März. Der heutige Dag lvar für bie hieü'ge siidische Geineiube ein trauriger, da bie Synagoge, bie bereits hundert Jahre bestaub, auf polizeilichen Befühl tvegen Baufälligkeit abgebrochen tvurbe. Aber ntcüf dieses allein, sondern auch das Grundstück ist dertauft, und ztvar für den Preis von, 800 Mark. Das Grundstück ging in den Besitz eines Schwagers des Bürgermeisters über, dessen. Garten unmittelbar an die Synagoge grenzt. Da hier nur sieben beitragsfähige Geweindemitglieder sind, ist es nicht gelungen, bie Kosten tür eine ebent. Reparatur znsammenzubringen. Ein recht trauriges Zeichen ber Zeit. Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Budapest, Y2. März. Ackerbanminister Daranpi brachte, nachdem ihm bie authentische Rede, welche sein Bevollm tickst igle r Egan in Mnnkaes gehalten hat, zugekommen lvar, i-n Abgeordnetenhause bie Eganlllffaire tvieber zur Svrache und meldete, baß ihm auch ein Schreiben des Münisterialbebollmäckstigten eingesenbet lvnrbe, in dein er erklärte, er halte Alles, lvas er in Betreff der Umtriebe der aus Galizien eingewanberten Proletarierelemente gesagt, aufrecht, anerkenne aber, baß er in ber Hitze der Debatte verallgemeinert und entgegen ber liberalen, die Rechtsgleichheit der Bürger ohne Unterschieb ber Religion respektirenben Politik der Re gicrung, lvic entgegen seinen birceten Jnstruttionen, Dinge gesagt habe, welche »nißdeutet wurden, als bätie er eine rezipirte Konseywn beleidigt ober beleidigen wollen. Beides sei ihm fern gelegen. Der Minister ertlä'ste, dies zur Kenntniß nehmen zu wollen. Bezüglich der Umtriebe der einwandernden Proletarier sei auch die oaterländische Judenheit lch der Ansicht der Regierung, daß diese verhindert lverden müßten. Die Ülegicrnng habe denn auch beschloffen, die Einwanderung'.srage nach jeder Richtung hin gründlich zu regeln. Die Politik der Regierung dürfe nicht nach solchen Inzidenzfällen und nach solchen auch von ihm verurtheilten Aenßeriingen benrtheilt lverden, svnbern nach bem Programm derselben. Die Politik ber Regierung sei leine wankende liberale Politik, sondern bie gleichinäßige (stelkendmachung ber bürgerlichen Rechtsgleichheit in jeder Richtung ohne Unterschieb ber Rasse, ber H lasse und ber Konfession. Und bie Exekutivorgane dürfen auf eigene Jaust keine besondere Politik machen. Di«' Regierung werbe darüber wachen, daß ähnliche Tvciffc sich nickst iviederholen. Das Haus gab sich mit ber Erklärung des Ministers zufrieden. Der Abg. Dr. Julius sttosenberg, der in dieser Angelegenheit bas Wort erareisen wollte, hat nach den Erklärungen des Ministers auf's Wort verzichtet. Bus Böhmen, Z6. März. hJ n ber Zeit b c s Antisemiti S IN u s.) Der 86 Jahre alte Arbeiter Ludwig BafnS aus Jenstein, ber weder lesen noch schreiben kann, haßt bie Juden über alle Maßen. Am 0. November v. I. kebrte er in eineni Gasthanse in Kostom lat ein, besten Wirkh ein Jude ist, ercebirte dort und mußte in Folge besten hinausgewiesen lverden. Hierüber aufgebracht, begann er auf dem Dorfplatze zu schreien: „Hurrah! Aus bie Juden los!" Der Dorfjugend, bie sich rasch um ihn angesammelt hatte, rief er zu: „Rebmet Steine zur Hand! Gehen wir auf die Juden los und schlagen wir ihnen bie Fenster ein. Ich gebe Jedem von Euch ein Fünfkreuzerstück!" Die Jugend war aber aescheidtcr wie er, und that nichts berakeichen. Der Gemeinbewachmann machte bem Treiben durch Arretirnng des Jndenhassers ein Ende, wobei Lebterer dem Schutzmann noch einige Schimpfwörter arvblickstter Natur in's Gesicht schleuderte. Run wurde Basus beim Prager Strafgerichte wegen Aufwiegelung und Wachebeleibigung zu zehntägigem Arreste vernrtheilt. R u ß l a nb. Vibttu. HD i e Religion aufder Schule.) Bor einem Jahr aründete man hier ein Lveeum für innae Mädchen. Die Schule öffnete ihre Thore den Kindern aller Eonsestionen. Allein nur kurze Zeit dauerte des Schnlratbes Toleranz und er suchte das Lveeum von den silbischen Schülern zu entlasten. Als Mittel erklärte man den iungen Mädchen, man würde sie ansschliesum, ivenn sie sich weiterhin weigerten, am Samstag zu schreiben, wenn sie sich bem Befehle zu vstreiben. nickst fügen ivollten, ivürde ibnen nur übrig bleiben, Ende des Semesters die Anstalt zu verlassen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.