Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1900-03-22 · Heft 24 (22.3.1900) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 24 (22.3.1900)
Date
1900-03-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449049-2449073--50328-2500771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

478 leiten, Purim wieder nach Köln zu tommen, um das schöne Fest in jüdischem Kreise zu verbringen. Zu bereuen habe ich meine Reiseänderung nicht, denn ich habe so herrliche Stunden in Köln verbracht, daß ich es mir nicht versagen kann, Ihnen eine kurze Schilderung der unvergeßlichen Purimfeier zu liefern. Eine Anzahl junger Damen und Herren, meistens aus den Kreisen der Religionsgesellschaft, hatte für einen gemächlichen Saal, für streng rituelle Speisen und Getränke Sorge getragen und zwar in bester Weise. Gegen neun Ühr Abends füllten sich die Hallen mit einem festlich gekleideten Publikum aus den angesehensten Familien. Nach einem Eröffnungsmarsch begrüßte der Festleiter, Herr Lehrer Gut, die Erschienenen und wies darauf hin, daß man nicht nur feiern, sondern den Purim, die Errettung Israels im Golus durch Rückkehr zur mir) feiern wolle. Anknüpfend an die Worte "21 nnren mix rw-n b'th^ den Juden ward Licht und Freude 2iv an 11 nnctsn min n mix „Licht heißt Lehre und Freude heißt Festtag," machte er darauf aufmerksam, daß die ganze Veranstaltung von Thaurohgeist und Festesfreude erfüllt sein müsse und zwar rir>'7!- wc ~sn in^rno von Anfang bis zu Ende. Ich will hier gleich vorausschicken, daß es dem humorvollen Leiter in Wirklichkeit auch mit seltener Geschicklichkeit gelungen ist, durch die ganze Feier den schönen Faden von rrrn und mee* zu ziehen. „Mit diesen Gedanken beginne die Feier, mit diesen Gedanken schließe das Fest," so hieß es in dem von einem jungen Mädchen wirkungsvoll vorgetragenen Prologe. Dieser Prolog, sowie alle gemeinschaftlich gesungenen Lieder und die meisten Solovorträge waren von jungen Leuten verfaßt. Das erste Lied 2'X2N 2'2N2 feierte die Gäste und die Leitung in sinnigen Worten. Nach einem kurzen, inhaltreichem Midraschvortrage des Herrn Willy Wolf und zwei Sololiedern, spielten Kinder das entzückende Theaterstück „Beim Nippeser Rav" in solch gelungener Weise, daß des Beifalls fast kein Ende war. Hierauf kurze Pause, das Damenlied xjrcr ’a An ntrx und ein von Humor, Satyre und Uebermuth gewürzter Vortrag des Herrn Jonas Wolf, ein Zwiegespräch zwischen enre -i und '21 über die jüdischen Verhältnisse in Transvaal. Der Vortrag zündete so sehr, daß der Redner oft gezwungen war, wegen der Heiterkeitsausbrüche innezuhalten. Die jungen Damen spielten alsdann mit Hingebung und Verständniß „Purim vor Gericht" und ernteten gleichfalls reichen Applaus. Besonders trugen aber die launigen Zwischenreden des schlagfertigen Präsidenten zur fidelen Stimmung bei, die schon fast auf dem Höhepunkt angekommen war. Trotzdem eroberte sich Herr R 0 s e n t h a l die gespannteste Aufmerksamkeit zu seiner humoristischen Selbstbiographie, die auch den Allerernstesten nicht ernst bleiben ließ. Nun wurde das Lied „Was gibts Chidusch" gesungen, das in köstlichster Weise von Laureat gedruckter mia rmrt, vom Makkabäerfest u. s. w. handelte. Die Herren Wolf und B e r g e n t h a l trugen dann zwei Eouplets vor, die von Frohsinn überschäum ten. Nach einem Klaviervortrag des Hausmusitus imtrbe das komische Terzett „Ein lustiger Taufest oder wie der Schäumer geuzt wird" mit solchem Humor gespielt und gesungen, daß die Wogen der Lust und Hei terkeit immer höher stiegen. Nach dem Terzett wurde das vierte Lied („Jajin jessamach lewaw enauschi „tr:x 227 N2L" p " gesungen, worauf der Präsident das Kaiserhoch ausbrachte, in Mordechai ein edles Vorbild von. jüdischer Königs und Gesetzestreue erblickend. Begeistert stimmte die Gesellschaft die Ratio nalhymne an. Das Vorstandsmirglied der Religivnsgesellfchaft, Herr Fabrikant Mar s-8 irt 0 r, banfte hierauf in zün dender Rede dem Leiter des Abends und dem Festcomi tee und führte aus, daß die Neligionsgesellschaft bei solchem Lehrer und solcher Heranwachsenden Jugend getrosten Blickes in die Zukunft schauen dürfe. Herr G u t tvies die Anerkennung zum großen Theile von sick, ab und erinnerte daran, daß daS in Köln nunmehr kräftig aufblühende, jüdische Leben hauptsächlich dem verstorbenen ‘r sr r7xv: '22 nnb evic*? cvr f*2 7"i2n7 Herrn Rabbiner Dr. Plato ■>": zu verdanken sei. Alsdann tvurde das Benschen nach amerikanischer Weise versteigert.und dadurch 116 Mark für Wohl tfyätigteitbswerfe gespendet. Nach dem rnycrt r:- und dem vom Präsidenten vorgetragenen Tischgebet zogen die Theilnehmer gegen 3 Uhr morgens so allmählich dem Heime zu. Nach all dem Gesagten brauche ich wohl nicht mehr zu bekennen, daß die Festlichkeit von echt jüdischem Geiste und echt jüdischem Frohsinn getragen war. „Mit diesem Gedanken begann das Fest, in diesem Sinne schloß die Feier." -Hamburg, 19. März. Der „Israelitische Krankenverein von 1.876 (E. H. Nr. 169) hielt seine diesjährige Generalversammlung in Feldmeyer's Gesellschaftshaus unter Vorsitz des Herrn Henry Engel ab. Dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht isi zu entnehmen, daß die Easie auch im verflossenen Jahre einen Zuwachs von 1.3 Mitgliedern zu verzeichnen hatte, so daß der Mitgliederbestand am 1. Januar d. I. 221 betrug. Das Budget der Kasse balancirt in Einnahme und Ausgabe mit Mk. 8414 46. An Krankengeld wurden im verflossenen Jahre Mk. 4143.50 und an Sterbegeld für zwei Mitglieder Mk. 300 verausgabt. Die Ausgaben für Aerzte, incl. derjenigen für Hülfs- und Spezialärzte beziffern sich auf fast Mk. 800. Das Honorar für Boten und Schriftführer betrug Mk. 600. Der Vorsitzende beinerkte zu der Jahres-Abrechnung, daß wenn dieselbe auch in Folge der starken Inanspruchnahme der Kaffe durch das fast epidemische Auftreten der Influenza mit einem Defizit abschließe, dennoch kein Grund zu irgend welcher Besorgniß vorhanden sei, denn der Verein, dessen Vermögen 30,000 Mark beträgt, gehöre zu den bestfundirten israelitischen Krankenkaffen. Auf Antrag der Revisoren wurde alsdann die Ab-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.