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Der Israelit · 1900-03-22 · Heft 24 (22.3.1900) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
41 (1900)
Issue
Heft 24 (22.3.1900)
Date
1900-03-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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„wenn dein Heimgegangenen Gelehrten eine Erklärung nachgesagt ivird, so' belvegen sich seine Lippen im Grobe." So will ich denn und als Beispiel seiner Auslegungstunst eine Erklärung anführen, die ich zur laufenden Sidra von ihm vor ungefähr 18 Jahren vernommen habe. Wie groß der Eindruck seiner Worte war, geht zur Genüge daraus hervor, dast sie mir im Gedächtniß geblieben sind, obgleich ich sic heute zum ersten Male aufschreibe. (Fortsetzung folgt.) uns Eorrefpondenzen. Deutschland. Berlin, 20. März. (Der Fall D ö r st l i n g und sein Ende.) Der Wortlaut des in der betannten Schulaffaire ergangenen Reskriptes des Provinzialschulkollegiums liegt nunmehr vor. Die betreffende Verfügung ist vom 3. März datirt und lautet: „In Verfolg unseres Schreibens vom 4. Dezember v. I. — II. 7115 — theilen wir dem Vorstand im Aufträge des Ministers der geistlichen. Unterrichts- und Medicinal-Angelegenheiten mit, wie wir die Schulvorsteherin Fräulein Dörstling noch formell angewiesen haben, daß sie den nichtevangelischen Schülerinnen ihrer Anstalt die Theilnahme an den Schulandachten, sowie an dem evangelischen Religionsunterrichte nur dann gestatten darf, wenn die Eltern oder Vormünder dieselbe ausdrücklich verlangen, und daß sie sich jeder Einwirkung nach der einen oder anderen Richtung sorgfältig zu enthalten hat." Der erfreuliche und dankbar zu begrüßende Bescheid ist um so bedeutsamer, als er nicht, wie es nach den in die Öffentlichkeit gedrungenen Nachrichten schien, auf die erneute Beschwerde der Repräsentantenversammlung extrahirt, sondern „von Amtswegen, auf eigenes Einschreiten des Herrn Kultusministers," erfolgt ist. Die Beschwerde, welche auf das erste abweisende Schreiben des Provinzialschulkollegiums beschlossen worden war, war noch gar nicht entworfen, als die ad hoc niedergesetzte gemischte Commission durch das Eintreffen des obigen Bescheides in ihrer Thätigkeit unterbrochen wurde. Die Arbeit der Commission, so wurde von einem Mitgliede derselben in der letzten Repräsentantenversammlung verkündet, soll jedoch keineswegs damit abgeschlossen sein, und man darf den nach dieser Richtung hin geplanten Maßnahmen mit Spannung entgegensehen. Es erscheint uns durchaus nothwendig, daß die Schulvorsteher u. Schulvorsteherinnen sämmtlicher Schulen von behördlicher Stelle aus, die sicherlich einem dahingehenden Wunsche gern Folge geben wird, ebenfalls Kenntniß von der dem Fräulein Dörstling gegebenen formellen Anweisung erhalten. Auch eine erneute Einwirkung und zwar von Gemeindewegen auf die jüdischen Eltern und jüdischen Vormünder, um endlich dem Unfug der Theilnahme jüdischer Kinder an dem evangelischen Religionsunterrichte zu steuern, dürste unseres Erachtens nicht unterbleiben, wenn auch bereits in anerkennenswenher Weise Anfangs Februar der hiesige „Liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" durch die Drucklegung der genauen Darstellung der ganzen Angelegenheit (einschließlich der Verhandlung hierüber in der Repräsentantenversammlung) und deren Versendung an alle im Westen Berlins wohnenden jüdischen männlichen und weiblichen Hausvorstände, für die weiteste Verbreitung des von der Schulvorsteherin beliebten Missionsverfahrens Sorge getragen hat. Ob bei den im Westen Berlins wohnenden Juden durch noch so dringende Einwirkungen sehr viel zu erreichen sein wird, möchten wir zwar dahingestellt sein lassen. Für die in diesen Kreisen geltenden Anschauungen scheint uns eine kleine, gut verbürgte Erzählung kennzeichnend zu sein, die wir den Lesern dieses Blattes nicht vorenthalten zu dürfen glauben. Ein kleines Mädchen der Dörstling'schen Schule theilte ihren Mitschülerinnen ganz treuherzig mit: „Ich nehme den christlichen Religionsunterricht mit, denn wenn meine Großmutter stirbt, werde ich doch getauft!" Es ist ganz klar, daß eine solche Aeußerung sowohl auf die jüdischen wie auf die christlichen Mitschülerinnen einen ungemein ungünstigen Einfluß ausüben muß und nicht gerade dazu angethan ist. die jüdischen Kinder in dem Glauben zu bestärken, für den unsere Ahnen allezeit mit Stolz und Freude Gut und Leben eingesetzt haben. Gott sei Dank sind derartige Anschauungen nicht durchgänig in jenen im Westen wohnenden jüd. Familien vertreten und einen Beweis hierfür liefert die immerhin erfreuliche Thatsache, daß nach Bekanntwerden des Dörstling'schen Ukases 100 jüdische Mädchen aus dieser Schule herausgenommen worden sind. Daß dieselbe Zahl an jüdischen Schülerinnen noch ferner in der Schule verblieben ist, ist sehr betrübend und legt ein beredtes Zeugniß für das geringe Solidaritätsgefühl jener Eltern ab, welches sie mit der Mutter hätten emvsinden müssen, an welche das Dörstling'sche Schreiben gerichtet war und die selbstverständlich darauf verzichtete, ihr Kind dieser Schule anzuvertrauen. Diese Eltern werden in Zukunft nichts mehr dagegen haben können, daß sie zu der im Schreiben des Provinzialschulkollegiums bezeichneten Kategorie von Eltern gezählt werden, welche die Theilnahme ihrer Kinder an dem evangelischen Religionsunterrichte oder mit anderen Worten die Anleitung ihrer Kinder zum Abfall „ausdrücklich verlangen." S. .Köln, im März. (Eine P u r i m f e i e r.) Die letzten Wochen hatte ich geschäftlich im westfälischen Jndustriebezirke zu arbeiten. TD7 's wollte ich in Köln sein und für die nächsten Tage in's Wupperthal reisen. Alls Anrathen meiner Bekannten ließ ich mich dazu ver-

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